Wirtschaft

Tesla mit Rekordzahlen ins neue Jahr: Wieso ist der Autobauer erfolgreicher als die Konkurrenz?

Tesla Model 3, Elektroauto
Unsplash.com / Vlad Tchompalov
geschrieben von Marinela Potor

Während fast alle Autobauer 2020 über Verluste klagen, schreibt der US-Autobauer Tesla schwarze Zahlen – und überrascht mit Absatzrekorden. Woher kommt der große Tesla-Erfolg? 

Zum Jahresende trumpfte Tesla nochmals mit Erfolgszahlen auf. Der Elektroautobauer aus Kalifornien verkündete, dass er 2020 insgesamt 499.550 Fahrzeuge verkauft hatte. Damit hat Tesla sein Ziel von einer halben Millionen verkauften Fahrzeugen beinahe erreicht.

Auch so verkaufte Tesla damit 36 Prozent mehr Autos als im Vorjahr und mit 180.570 verkauften Fahrzeugen im vierten Quartal war der Absatz auch um 30 Prozent als im vorigen Quartal. Produziert hatte der Konzern von Elon Musk insgesamt 509.737 Elektroautos im Jahr 2020.

Während so gut wie alle Autobauer weltweit im Corona-Jahr Verluste zählten, ging es für Tesla steil nach oben. Der Börsenwert von Tesla stieg 2020 um über 700 Prozent und lag zuletzt bei rund 670 Milliarden US-Dollar (etwa: 550 Milliarden Euro). BMW, Daimler und Volkswagen kommen im Vergleich dazu zusammen lediglich auf 191 Milliarden Euro.

Was hat Tesla getan, um so erfolgreich ins neue Jahr zu starten? Wieso steht das Unternehmen so viel besser als die Konkurrenten da? Wir blicken auf einige Faktoren, die zum Tesla-Erfolg beigetragen haben.

Tesla-Erfolg in China

Die chinesische Wirtschaft hat sich trotz Covid-19-Pandemie verhältnismäßig schnell wieder eingependelt. Gepaart mit dem Staatsmandat, künftig auf Elektromobilität im Land zu setzen, sind Tesla-Fahrzeuge dort ein Verkaufsschlager.

Als Unternehmen, das sich schon früh allein auf die Produktion von Elektroautos spezialisiert hat und auch im chinesischen Markt mit einer Gigafactory schon sehr gut aufgestellt ist, erntet Tesla damit die Früchte seiner langjährigen Strategie in diesem Bereich.

Zugegeben, das lässt sich tatsächlich anhand des vermeldeten Umsatzplus im ersten Quartal 2020 eher stark vermuten als konkret bestätigen, da Tesla weder regionale Verkaufszahlen noch modellspezifische Zahlen veröffentlicht.

Tesla bietet günstigere Modelle an

Stattdessen zählt der Konzert die älteren Modelle (Model S und Model X) zusammen in einer Kategorie und dann wiederum neuere Modelle (Model 3 und Model Y) in einer anderen.

Diese Zahlen wiederum deuten auf einen anderen Erfolgsfaktor hin.

Der starke Nachfrageanstieg zum Jahresende deutet darauf hin, dass sich dies konkret auf die neuen – günstigeren – Modelle bezieht.

Bestätigt wird das von Teslas eigenen Verkaufszahlen. Denn fast der gesamte Absatz aus 2020 setzt sich aus dem Verkauf der neuen Modelle Model 3 / Y zusammen.

Tesla Quartalszahlen 2020

Die neuen Tesla-Modelle machen fast den gesamten Absatz aus. (Foto: Screenshot / Tesla)

Der Preisunterschied der Fahrzeuge macht sich beim Absatz bemerkbar. Wenige können und wollen sich ein knapp 90.000 Euro teures Model X leisten. Bei dem Model Y, das bei etwa 45.000 Euro liegt, sieht es dagegen anders aus.

Es überrascht daher nicht, dass Elon Musk diese Sparte weiter fördern will und zum Battery Day ankündigte, ein Elektroauto ab 21.000 Euro bauen zu wollen.

Tesla profitiert vom Amazon-Effekt

Bevor Elektromobilität „in“ war oder die Politik auf eine Umstellung pochte, hatte Elon Musk schon eine große Vision. Er investierte  entsprechend früh und kräftig in die bestmögliche Technologie in diesem Bereich, lange bevor andere Konkurrenten überhaupt darüber nachdachten.

Das hat dem Unternehmen einen großen Technologie-Vorteil verschafft und nachhaltig zum Tesla-Erfolg beigetragen.

Denn die Elektroautos von Tesla gelten als hochwertig – und der Konkurrenz um Jahre voraus. Investoren belohnen das, weil sie glauben, Tesla sei für die Autobranche das, was Amazon für den Online-Handel war.

Dazu tragen natürlich auch die schillernde Persönlichkeit von Elon Musk und seine zahlreichen anderen zukunftsorientierten Unternehmungen bei, wie etwa das New-Space-Unternehmen SpaceX, mit dem er sogar NASA-Astronauten ins Weltall schickt.

Nüchtern betrachtet verkaufen traditionelle Autobauer sehr viel mehr Autos als Tesla und sind auch solider aufgestellt (Tesla konnte bis vor Kurzem viele Jahre keine schwarzen Zahlen vorzeigen).

Dennoch glauben Investoren und Aktienkäufer offensichtlich an die Vision von Tesla und an Elon Musk. Die Tatsache, dass Tesla nun tatsächlich einen Gewinn vermeldet hat, beflügelt den Aktienkurs entsprechend noch mehr.

Gigafactorys als Erfolgsfaktor

Tesla hat es außerdem mit einem cleveren Ansatz geschafft, sein Produktionsverfahren so effizient zu gestalten wie wenige andere Autobauer. Es gab zwar auch massive Rückschläge sowie Kritik an Teslas Ansatz, doch die aktuellen Produktionszahlen zeigen, dass Tesla durchaus in der Lage ist seine Produktion effizient zu skalieren.

Insbesondere die neuen Gigafactorys, die in Rekordzeit betriebsfertig sind, zeigen, dass das Unternehmen wirklich in allen Bereichen wegweisend sein kann.

Tesla-Erfolg: Käufer lieben ihre Fahrzeuge

Es schadet es dem Tesla-Erfolg auch nicht, dass Tesla-Kunden ihre Fahrzeuge lieben und auch nicht müde werden, ihre Begeisterung über Social-Media-Kanäle zu teilen.

Selbst das kleinste Update wird ausführlich diskutiert, und zwar fast durchweg positiv – mit entsprechend hoher Reichweite. Man kann eigentlich fast schon automatisch davon ausgehen, dass Tesla-Themen auf Social Media trenden werden.

Es gibt keinen anderen Autobauer, der einen derartigen Hype um seine Fahrzeuge geschaffen hat und – das muss man auch zugeben – offenbar auch bei der Technik seine Kunden immer wieder aufs Neue voll begeistert.

Die Konkurrenz will natürlich aufholen und der Elektroauto-Markt wird in ein paar Jahren auch sehr viel stärker umkämpf sein. Wie sich Tesla dann schlagen wird, bleibt abzuwarten.

Man kann aber davon ausgehen, dass Elon Musk auch in Zukunft weiter auf Innovation setzen wird. Dass ihm dabei die Ideen ausgehen, ist nicht zu befürchten.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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