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Alphabet Loon
TECH

Alphabet schießt seine Tochter Loon ab

Maria Gramsch
Aktualisiert: 22. Januar 2021
von Maria Gramsch
Bleibt künftig am Boden: Alphabet macht Tochter Loon dicht (Foto: Loon)
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Es war ein frommer Wunsch, auch die abgelegensten Teile der Welt mit dem Internet zu verbinden. Nun verabschiedet sich Google-Mutter Alphabet von ihrer Tochter Loon, die mit solarbetriebenen Gasballons das Internet auch in entlegenen Gebieten verbreiten wollte.

Das Internet ist aus unserem heutigen Leben kaum noch wegzudenken – auch dieser Artikel würde niemanden erreichen, wären wir nicht alle einwandfrei vernetzt. In großen Städten und reichlich bewohnten Regionen ist das kein Problem: Funkmasten regeln das für uns.

Doch jeder, der schon einmal mit der Bahn in einer dünn besiedelten, ländlichen Region unterwegs war, weiß: Hier ist es oft nicht so einfach mit dem Surfen, Scrollen und Serien-Suchten. Noch schwieriger ist es in Gebirgen, Regenwäldern oder auf hoher See.

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Das ambitionierte Ziel von Loon

Diese Regionen wollte die Alphabet-Tochter Loon mit der Hilfe von solarbetriebenen Gasballons vernetzen. In der Stratosphäre, rund 20 Kilometer über dem Erdboden, sollten die Ballons die frohe Kunde des Internets in die Welt tragen.

Gestartet war das Project Loon 2011 als Forschungsprojekt in Alphabets hauseigener Ideenschmiede X, die damals noch Google X hieß.

Die ersten Tests folgten bereits im Jahr 2013 – 30 Ballons flogen über Neuseeland in ihre Freiheit. 50 Einwohner in der Region um Christchurch durften das Ballon-Internet aus der Stratosphäre testen. Was sie dafür benötigten? Lediglich eine Antenne in der Größe eines Fußballs.

„Wir hatten daran geglaubt, dass es funktionieren kann. Nun wissen wir es“, sagte der damalige Projektleiter Mike Cassidy damals beim Start des Testflugs. Bei einem Rekordflug von 187 Tagen über der südlichen Hemisphäre haben die Ballons endgültig ihre Beständigkeit bewiesen.

Der Hurrikan Maria hat im Oktober 2017 den Anschluss an Telefon und Internet auf Puerto Rico nahezu komplett zerstört. Loon konnte Abhilfe schaffen. Bereits im Februar 2018 haben die Gasballons rund 200.000 Menschen auf der Insel zurück ins Netz gebracht und LTE, Telefonie und SMS wieder möglich gemacht.

Den Kinderschuhen entwachsen

2018 hat die Google-Mutter den „Moonshot“ Loon dann in ein eigenständiges Unternehmen seiner „Other Bets“-Abteilung umgewandelt. So konnte sich Loon mit Größen wie der Selbstfahr-Tochter Waymo auf eine Stufe stellen.

Ein Schritt, den Alphabet normalerweise nur geht, wenn es von einem Projekt eine vielversprechende Zukunft erwartet.

Kooperationen mit Größen der Telekommunikation ließen nicht lange auf sich warten. Anfang 2019 gaben Loon und die Telkom Kenia ihre Zusammenarbeit bekannt – sie wollten das Land zusammen mit einem Mobilfunknetz versorgen.

Auch den peruanischen Regenwald mit dem Naturschutz­gebiet Pacaya-Samiria wollte die Alphabet-Tochter ab 2020 mit Telefónicas Internet Para Todos verbinden.

Alles nur heiße Luft?

Trotz zahlreicher Kooperationen lässt Alphabet nun die Luft aus seinen Loon-Ballons. Das Spin-off-Unternehmen wird nach rund zehn Jahren abgewickelt. Der Grund ist – wie so oft – das liebe Geld: Es habe weder ein nachhaltiges Geschäftsmodell noch Partner für ein solches gegeben.

Das Pilotprojekt in Kenia wird aufgelöst, schreibt Loon-CEO Alastair Westgarth in einem Blog-Beitrag. Zum Abschied stellt Loon Fonds in Höhe von zehn Millionen US-Dollar für gemeinnützige Organisationen und Unternehmen zur Verfügung, die Konnektivität und Bildung in Kenia voranbringen wollen.

Die von Loon entwickelten Technologien sollen aber nicht begraben werden. Ein Teil davon geht in das Project Taara über, das in Afrika bereits daran arbeitet, Regionen südlich der Sahara mit Hochgeschwindigkeitsinternet zu versorgen.

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vonMaria Gramsch
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Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig.
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