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Home Office: Microsoft soll bei Teams die Überwachung von Angestellten ermöglichen

Home Office Software factro
(Foto: factro.de)
geschrieben von Maria Gramsch

Zu Beginn der Corona-Pandie mussten viele Angestellte aus ihren Büros ins Home Office umziehen. Datenschützer kritisieren nun das bei vielen Unternehmen beliebte Microsoft Teams, das es Führungskräften über ein Analyse-Tool ermöglichen soll, die eigenen Mitarbeiter auszuspionieren.

Im Dezember 2020 haben laut dem Digitalverband Bitkom rund 19 Millionen Beschäftigte zumindest teilweise im Home Office gearbeitet. Das sind 45 Prozent aller Angestellten in Deutschland. Ein Viertel – also rund elf Millionen – waren Ende 2020 ausschließlich zuhause tätig.

Software-Boom in der Krise

Nicht nur Anwendungen wie Zoom oder Skype konnten in der Krise massig neue Nutzer hinzugewinnen. Auch Microsoft Teams gehört zu den Gewinnern der Pandemie. Der Dienst konnte 2020 mit rund 100 Millionen neuen Nutzern die Nutzerzahlen insgesamt mehr als verfünffachen.


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Überwachung am Arbeitsplatz

Was bei Lidl und Schlecker zu riesigen Skandalen geführt hat, soll nun aber jeder Chefin und jedem Chef in der Home-Office-Version möglich sein: die Überwachung der eigenen Angestellten.

Möglich macht es das Analyse-Tool MyAnalytics von Office 365, wie Bild berichtet. Darüber könnten Arbeitgeber nun ihre Belegschaft bei der Heimarbeit ausspionieren, fürchten Datenschützer.

MyAnalytics erfasst zum Beispiel Daten, wie lange ein Dokument bearbeitet wird, wer mit wem chattet, die Schnelligkeit beim Beantworten von Anfragen oder ob Mitarbeiter pünktlich zu Terminen und Meetings erscheinen.

Auf Anfrage von Bild gibt Microsoft bekannt, dass diese Daten nicht an die Führungskräfte weitergegeben werden. „MyAnalytics ist nicht dazu gedacht, eine Bewertung, Verfolgung, automatisierte Entscheidungsfindung, Profilerstellung oder Überwachung zu ermöglichen.“

Anonymisiert können die jeweiligen Teamleiter dennoch auf die Daten zugreifen.

Nur der Chef hat Zugriff

Ändern kann diese Einstellung jedoch nur der Teamleiter selbst. Die einzelnen Mitarbeiter können nicht bestimmen oder einschränken, welche Daten in die Analyse einfließen.

Haben Vorgesetzte zu wenig Vertrauen?

Der Personaldienstleister Robert Half hat im Sommer 2020 insgesamt 300 Führungskräfte in Deutschland zur Situation im Home Office befragt.

31 Prozent der befragten Führungskräfte denken, dass ihre Angestellten ihre Arbeitszeit zuhause für private Anrufe nutzen. Knapp jeder Fünfte geht sogar davon aus, dass die Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit einen Mittagsschlaf abhalten.

Mit der Produktivität sind die Führungskräfte offenbar dennoch zufrieden. Nur 24 Prozent der Befragten sagen, dass sich ihre Meinung über das Arbeiten im Home Office verschlechtert hat. Bei 41 Prozent wurden die Erwartungen übertroffen, für 35 Prozent hat sich nichts geändert.

Die Beliebtheit von Home Office nimmt dennoch zu

Nach der Pandemie würden 3,2 Millionen Beschäftigte gern weiterhin von zuhause aus arbeiten, vorher waren es nur 1,4 Millionen. Für viele hätte das auch gravierende Auswirkungen auf ihr soziales Leben.

Der Bitkom ermittelt in einer weiteren Umfrage, dass sogar jeder fünfte Angestellte umziehen würde – falls das Remote-Arbeiten weiterhin möglich bleibt.

Besonders bei den 16- bis 24-Jährigen zeichnet sich dieser Trend ab – hier würde sogar jeder Dritte umziehen, um zum Beispiel auf dem Land oder näher bei der Familie statt dem Büro zu wohnen.

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Über den Autor

Maria Gramsch

Maria ist freie Journalistin und seit 2021 freie Autorin bei BASIC thinking. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig. Neben dem Studium hat sie als CvD, Moderatorin und VJ bei dem Regionalsender Leipzig Fernsehen und als Content-Uschi bei der Bastei-Lübbe-App oolipo gearbeitet. Im letzten Studienjahr war sie Mitgründerin, CvD und Autorin der Leipzig-Seite der taz. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet unter anderem für turi2.de und die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm.

1 Kommentar

  • In meinen Augen das schlimmste was Microsoft da noch einbauen konnte. Zum Glück hat unser Unternehmen einen guten Gesamtbetriebsrat der das ohne Umschweife in einer Betriebsvereinbarung verbietet.
    Ich als Admin, werde einen Teufel tun und irgendeinem Vorgesetzten, entgegen dieser Betriebsvereinbarung irgendwelche Informationen zur Verfügung zu stellen.

    Die Auswertung ist außerdem auch mehr als Verwaschen, da sie „nur“ Daten erfasst, wenn man Produkte von MS nutzt. Wenn ich in meiner täglichen Arbeit in einem fremden Ticketsystem arbeite, dass ich nur über einen Browser etc. aufrufe, wird das nicht getrackt.

    Dahinter steckt denke ich der tiefe Wunsch von MS, dass man als Unternehmen komplett nur auf Software aus Redmond setzt um seinen Mitarbeiter komplett gläsern zu sehen.

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