Technologie

Edward Snowden: „Am Ende geht es darum: Willst du leben? Ja oder nein?“

Edward Snowden
Die größten Probleme sind laut Edward Snowden das Vertrauen und die Zustimmung. (Foto: Transactions)
geschrieben von Christian Erxleben

Seit seinen Enthüllungen zur weltweiten Spionage durch die Geheimdienste der USA und Großbritannien im Jahr 2013 ist Edward Snowden bekannt. Doch wie steht es um die Sicherheitsrisiken beim digitalen Banking? Darüber spricht Snowden im Interview auf der Transactions.

Sicherheitsrisiken 2021: Edward Snowden gibt exklusive Einblicke

Am 25. Februar fand die virtuelle Ausgabe der Transactions 20 (#TRX20) statt. In knapp acht Stunden ohne Unterbrechung drehte sich auf der Veranstaltung von „Payment and Banking“ um die neusten Entwicklungen in der Branche.

Eines der absoluten Highlights war der Vortrag und das anschließende Interview mit dem US-amerikanischen Whistleblower Edward Snowden, der durch seine Enthüllung rund um die weltweite Überwachung durch Geheimdienste wie die NSA weltweite Bekanntheit erlangte.


Neue Stellenangebote

Social Media Manager (m|w|d)
Hymer in Bad Waldsee
Junior Content / Social Media Manager (m/w/d)
Alloheim Senioren-Residenzen SE in Düsseldorf
Social Media Manager (m/w/d)
finanzen.net GmbH in bundesweit

Alle Stellenanzeigen


„We don’t have a data protection problem“

In seiner Rede ordnete Snowden die Probleme beim digitalen Banking in einen globalen Kontext ein. Denn letztendlich müssen wir Nutzer uns damit abfinden, dass wir als Gesellschaft viele Bereiche – eben auch das Banking – nicht wirklich beeinflussen können.

Im Gegensatz zum allgemeinen Glauben geht es auch nicht darum, dass wir ein Problem mit dem Datenschutz haben. Das wahre Problem liegt in der Sammlung von Daten.

We don’t have a data protection problem – we have a data collection problem.

Das erste große Problem: die Zustimmung

Edward Snowden zeigt auf, dass wir als Bürger in vielen Fällen überhaupt nichts gegen das Generieren von Daten unternehmen können. Und dabei geht es nicht nur um Facebook und Google, sondern insbesondere um alltägliche Handlungen wie Überweisungen, Taxi-Fahrten oder unseren Einkauf.

Die Meta-Frage unserer Gesellschaft lautet deshalb: „Do you agree to this?“ Also: Stimmst du dem zu?

Stimmst du zu, dass deine Kreditkartendaten bei der Bezahlung im Supermarkt an Finanzinstitute übermittelt werden? Stimmst du zu, dass Uber oder die Bahn deine Daten sammelt, wenn du ins Taxi steigst oder dir ein Ticket kaufst?

Viele Nutzer würden in diesem Fall vermutlich antworten: Nein. Das Problem dabei: Wir haben nicht die Option dazu.

Dabei handelt es sich laut Edward Snowden um einen fortlaufenden Prozess. Irgendwann geht es eben nicht um die Zustimmung in sozialen Netzwerken, sondern um die großen Fragen. Willst du Nahrung? Ja oder nein? Willst du überleben? Ja oder nein?

Wenn es also um den gesellschaftlichen Ausschluss einer Person geht ist der Akt der Zustimmung letztendlich nur eine Illusion.

Das zweite große Problem: das Vertrauen

Doch unsere Gesellschaft sieht sich noch mit einem weiteren Problem konfrontiert: dem Vertrauen. Anhand des Smartphones erklärt Edward Snowden das Dilemma: Wir kaufen uns das Gerät zwar, aber jemand anderes besitzt das System und die Daten.

Eben jenes Beispiel lässt sich auf viele Bereiche unserer Gesellschaft übertragen. Wir verwenden und zahlen für Dinge und Prozesse, haben aber keine Kontrolle über die Abläufe im Hintergrund. Zudem fehlt uns das Wissen über die Funktionsweise.

Das bringt uns als Bürger und Nutzer in eine gefährliche Lage. Wir müssen den Banken, den Technologie-Konzernen und der Regierung vertrauen. Wir sind abhängig von ihnen und deshalb verletzlich.

Letztendlich müssen wir auf die Versprechen von Apple, Facebook und Google vertrauen, weil wir selbst nicht dazu in der Lage sind, etwas zu ändern – zumindest nicht am bestehenden System.

Die Lösung: Wir brauchen Systeme, denen wir nicht vertrauen müssen

Natürlich ist diese Antwort sehr weit gefasst. Das gibt auch Edward Snowden selbst zu. Im Prinzip geht es aber darum, Systeme in der Gesellschaft zu etablieren, die überhaupt nicht das Bedürfnis erwecken, an deren Sicherheit zu zweifeln.

Die wachsende Unzufriedenheit ist dabei der erste Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen uns auf die Suche nach Alternativen machen, um die bestehenden Monopole zur Veränderung zu zwingen.

Beim Blick auf das Geld sagt Whistleblower Snowden: „If you do not provide a better alternative for your model or platform, someone else will do it for you!“ Das beste Beispiel dafür sei der Bitcoin.

Allgemein freut sich Edward Snowden über die gesellschaftlichen Entwicklungen. „Wir befinden uns an einem Wendepunkt.“ Je mehr Menschen ihre Meinung zum Datenschutz und zur Überwachung ändern, desto mehr Politiker werden ihre Meinung ändern, um der Mehrheit der Bürger zu entsprechen.“

Jeder einzelne kann mit seinen Handlungen etwas bewirken – für die gesamte Gesellschaft.

Auch interessant:

Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

Kommentieren