Social Media Technologie

ICQ als WhatsApp-Alternative? Das ist eine schlechte Idee

ICQ New
Seit 2020 gibt es eine neue Version von ICQ. Sicher ist sie nicht. (Foto: Screenshot / Website)
geschrieben von Christian Erxleben

Seit Anfang Januar 2021 kämpft der größte Messenger der Welt – WhatsApp – mit enormen Abwanderungsbewegungen. Davon profitiert auch ICQ enorm. Die Download-Zahlen schnellen in die Höhe. Doch eine sichere WhatsApp-Alternative ist der Dienst keinesfalls.

WhatsApp-Unsicherheit hilft ICQ

In den ersten Tagen und Wochen des Jahres 2021 steht WhatsApp gehörig unter Druck. Der Grund dafür sind die zunächst für Februar angekündigten und jetzt in den Mai verschobenen neuen Datenschutzbestimmungen des Messengers.

Das Problem dabei: Viele Nutzer hatten Angst, dass WhatsApp mit dem Update persönliche Daten mit dem Mutterkonzern Facebook und Unternehmen teilt. Das stimmt zwar nicht und wäre aufgrund der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Deutschland zwar sowieso nicht erlaubt, interessiert die Nutzer allerdings nicht.


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Deshalb sind Millionen von Nutzer zu Telegram, Signal und Co. abgewandert – und das trotz berechtigter Kritik im Fall von Telegram.

Und auch ein alter Bekannter profitiert von der Angst vor WhatsApp: ICQ. Der in den 90ern und 2000ern beliebte Chat-Dienst konnte in der ersten Januarwoche seine Download-Zahlen um das 35-Fache steigern. Das liegt natürlich auch daran, dass die Werte zuvor entsprechend niedrig waren.

ICQ gehört zur russischen Mail.ru Group

Doch dass der Wechsel in vielen Fällen auch aus blindem Aktionismus erfolgt, zeigt ICQ par excellence. Denn der Messenger gehört schon seit dem Jahr 2010 nicht mehr AOL, sondern dem russischen Technologie-Unternehmen Mail.ru.

Das früher unter dem Namen Digital Sky Technologies auftretende Unternehmen ist eine Investment-Firma mit Sitz in Moskau, das namhafte Beteiligungen besitzt. So gehört zum Verbund beispielsweise das russische Facebook-Pendent Vkontakte, der E-Mail-Dienst Mail.ru und eben auch ICQ.

Zudem ist die Unternehmensgruppe durch Beteiligungen direkt an Twitter, Zynga, Groupon und auch Facebook bekannt.

Bekannte Datenschutz-Mängel bei ICQ New

Alleine schon die Beteiligungen und die staatliche Unterstützung der Mail.ru Group bei den Investitionen in Twitter und Facebook zeigt, dass ICQ keinesfalls frei von externen Einflüssen ist.

Im Gegenteil: Das im April 2020 vorgestellte „ICQ New“ verfügt laut den englischsprachigen Datenschutzrichtlinien nicht einmal über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Und auch die deutschsprachige Version spricht laut E-Recht24 lediglich von einer Verschlüsselung. Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind nur Video-Telefonate.

Dass die Daten nicht trotzdem beispielsweise in einem großen Daten-Pool mit den Nutzern von Vkontakte landen, ist also keinesfalls sichergestellt.

Ebenso ist der Name ICQ in den Dokumenten von Edward Snowden im Zusammenhang mit der Geheimdienstüberwachung durch westliche Geheimdienste aufgetaucht. Ebenso legen mehrere russische Gerichtsakten nahe, dass auch der russische Geheimdienst Nachrichten und Nutzer vor der physischen Beschlagnahme via ICQ überwachen konnte.

ICQ ist keine sichere WhatsApp-Alternative

Wenn sich Nutzer von WhatsApp und Facebook aufgrund von Datenschutzbedenken abwenden, ist das teilweise nachvollziehbar und auch berechtigt. Wer jedoch nur geht, um zu gehen, begeht ebenfalls einen Fehler. Nicht jede gelobte WhatsApp-Alternative ist eine echte und vor allem sichere Alternative. Das zeigt ICQ deutlich.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

4 Kommentare

  • Abgesehen von den datenschutzrechtlichen Bedenken, die mir schon bekannt waren, möchte ich hier nur ein kurzes „oh-oh“ absetzen und mich für die Erinnerung an ICQ bedanken.
    Und natürlich kann ich meine ICQ-Nummer immer noch wie aus der Pistole geschossen vortragen!

  • Ich finde es hier doch etwas einseitig. Caschys Blog hat darüber 2016 berichtet das ICQ E2E kann, selbst das Protokoll wurde genannt.
    Was ich hier in den westlichen Portalen sehe, ist zu meist ein Bashing der Mail.ru Group, weil diese in Russland sind.
    Warum sollte das schlimmer sein? Clubhouse App wurde sogar abgemahnt obwohl ein Riesen Hype drum gemacht wird. WhatsApp will Werbung Anzeigen basierend auf Meta Daten der Nutzer.

    https://stadt-bremerhaven.de/nutzt-das-noch-wer-icq-mit-e2e-verschluesselung/

    Ich finde man sollte hier dann doch eher Telegram als negativ Beispiel nehmen.

    • Wie du in unserer Berichterstattung siehst, haben wir alle von dir angesprochenen Themen auch behandelt und beleuchtet – sowohl die Kritik an Clubhouse, Telegram und auch mit den neuen Datenschutz-Bestimmungen bei WhatsApp haben wir uns auseinandergesetzt. Kannst ja gerne mal suchen.

      Bleib gesund und hab ein tolles Wochenende!

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