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Das Pinky-Aus war erwartbar – und ist trotzdem in dieser Art falsch

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Eugen Raimkulow (l.) und Andre Ritterswürden, die Gründer der Pinky Gloves, nehmen nach einem Shitstorm ihr Produkt vom Markt. (Foto: TV NOW / Bernd-Michael Maurer)
geschrieben von Christian Erxleben

Die Gründer Eugen Raimkulow und André Ritterswürden sowie Investor Ralf Dümmel geben auf: Das Start-up Pinky und der gleichnamige Einweghandschuh für Tampons werden vom Markt genommen. Der Schritt war nach dem Shitstorm erwartbar. Trotzdem ist die Art und Weise falsch. Ein Kommentar.

Nach Shitstorm: Pinky wird vom Markt genommen

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Doch dass es nicht einmal eine Woche dauern würde, bis Pinky vom Markt verschwindet, war dann doch ein wenig überraschend.

Schließlich hatten die beiden Gründer Eugen Raimlukow und André Ritterswürden erst am 12. April 2021 von Investor Ralf Dümmel in „Die Höhle der Löwen“ ein Investment in Höhe von 30.000 Euro für 20 Prozent der Unternehmensanteile erhalten.


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Jetzt haben sowohl die Gründer selbst als auch Ralf Dümmel auf Instagram bekannt gegeben, dass die Pinky Gloves vom Markt verschwinden. „Wir stellen sämtliche Einkaufs- und Vertriebsaktivitäten ein.“ Hierfür habe man bereits alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet.

Pinky Gloves entschuldigt sich erneut

Zu Beginn der Posts stellen alle Beteiligten nochmals dar, dass es nie darum ging „jemanden zu diskreditieren oder einen natürlichen Prozess zu tabuisieren.“ Des Weiteren geben Gründer und Investor erneut zu, dass es Fehler in der Produktion und Kommunikation gegeben habe.

Menschen machen Fehler. Und mit Fehlern muss man umgehen, man muss daraus lernen und man sollte auch die Chance bekommen an Fehlern zu arbeiten.

Eben jene Chance bekommen Eugen und André nun nicht mehr. Denn selbst nach ihrer ersten Entschuldigung am 14. April und anschließenden weiteren Beratungen nahmen die Beleidigungen, Anschuldigungen und der Hass kein Ende.

#Pinkygate: Ein Twitter-Mob redet sich in Rage

Vor allem auf Twitter hatte sich seit der Ausstrahlung ein scheinbar nie endender Shitstorm unter den Hashtags #Pinky, #PinkyGloves und #PinkyGate entwickelt.

Aus der anfänglichen berechtigten und konstruktiven Kritik wurde im Laufe der Stunden und Tage nichts anderes als ein wütender Mob, der sich an persönlichen Beleidigungen immer wieder aufs Neue übertroffen hatte.

Bei manchen Äußerungen und angeblichen Zitaten war klar ersichtbar, dass die Kommentator:innen weder die Sendung gesehen noch die Interviews der beiden Gründer gelesen hatten.

Es ging ausschließlich darum, auf zwei gefundene Opfer einzuschlagen, die sowieso schon wehrlos am Boden lagen.

Morddrohungen für Pinky-Gründer

Die beiden Gründer und Familien haben mehrfach persönliche Gewaltandrohungen bekommen. Einige Nutzer:innen haben sogar mit Mord gedroht. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Jegliche Form von Hass, Gewalt und der Bedrohung des Lebens ist unangebracht.

Ja, die Pinky Gloves waren nicht perfekt. Allerdings gab es zu keinem Zeitpunkt eine Chance, daran etwas zu ändern. Jedes Wort der Pinky-Gründer wurde sofort in der Luft zerrissen. Jegliche Aussage wurde sofort interpretiert und ins Negative gezogen.

Die ursprüngliche Intention, Frauen „eine adäquate Lösung“ zu bieten, um „Hygieneartikel diskret und hygienisch zu entsorgen“, ist nie gehört worden. Vor allem haben die Gründer von Beginn an betont, dass ihr Produkt „vor allem unterwegs, auf Reisen oder auf Veranstaltungen“ als Hilfsmittel gedacht ist.

Wir brauchen eine neue Kritik-Kultur

Selbst wenn Ralf Dümmel, Eugen Raimkulow und André Ritterswürden ihr Produkt nicht eingestellt hätten, wären die Pinky Gloves vermutlich früher oder später gescheitert, weil das Interesse daran offensichtlich nicht groß genug gewesen ist.

Dass die beiden Gründer darum flehen müssen, dass ihre Familien und Unterstützer:innen nicht mehr angegriffen und bedroht werden, ist eine Schande für die Kritik-Kultur hierzulande.

Im Fall von Pinky war die Kritik in den allermeisten Fällen nicht konstruktiv. Der Hass hat dazu geführt, dass das Leben von mindestens zwei Menschen und ihren Familien zerstört worden ist.

Darüber sollten sich alle Kommentator:innen einmal bewusst werden. Natürlich entschuldigen sich nun viele Menschen unter den entsprechenden Posts. Doch die Morddrohungen waren schon da. Die Reue kommt also zu spät. Das sollte uns zu denken geben.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

5 Kommentare

  • Irgendwie richtig süß diese Kritik. Vorerst, damit es klar ist: ich finde diese Art von Kritik, Shitstorm und Mob um des eigenen Willen, unerträglich und falsch. Aber ist es etwa neu? Haben diese Art von Kritik etwa Frauen gerade erfunden? Wie oft hat jede Frau schon in ihrem Leben Bedrohungen, vergewaltigt zu werden, oder bezogen auf ihre Kinder und Familie gehört/gelesen, nur weil sie „dummes Zeug“ redet – eine Frau halt?
    Noch lustiger ist die Passage über harmlose Intentionen – hat jemand die Erfinder vielleicht um ihre Hilfe gebeten? Brauchen Frauen überhaupt diese „diskrete Lösung für unterwegs“? Oder entscheiden schon wieder die Männer, was Frauen brauchen und wie diskret muss es sein? Mir scheint, der Autor hat wegen der hohen emotionalen Beladung des Themas und Solidarität mit armen, durch böse Frauen gemobbten Erfindern immer noch nicht verstanden, worum es hier eigentlich geht.
    Was soll‘s – viele Jahre wurde den Frauen vorgeworfen, dass sie nicht brutal genug für die „Men‘s World“ sind. Frauen haben sich endlich angepasst, jetzt passt es den Männern wieder nun mal nicht. Pech gehabt

    • Hallo „Einfach eine Frau“,

      schade, dass du dich hinter einem Namen versteckst und keine offene Kommunikation ermöglichst. Hass im Netz ist definitiv nichts Neues und wurde auch nicht von Frauen erfunden. Das behaupte ich nicht und das ist definitiv auch nicht der Fall.

      Wieso müssen Erfinder denn um ihre Hilfe bitten? Sie hatten eine Idee. Ist sie schlecht, wird sie abgelehnt. Ist sie gut, wird sie angenommen. Erfinder bringen Produkte auf den Markt. Der Markt entscheidet dann, ob sie gebraucht werden. Dabei ist es egal, ob es sich um Männer, Frauen, Transgender und um Tampons, Raketen oder vegane Produkte handelt. Es geht mir nicht um Geschlechter oder Produkte, sondern darum, dass Gewalt keinen Platz in unserer Gesellschaft hat.

      Es ist schade, dass Sie mir etwas unterstellen, was nicht stimmt. Allerdings bin ich dazu in der Lage, ihre Meinung als solche zu akzeptieren.

  • Überzogene und scheinheilige Kritik an „pink gloves “

    Guten Tag,

    ja in der Tat, Morddrohungen und dergleichen sind völlig überzogen, null akzeptabel.

    Und auch sonst waren viele Kritiken wirklich zu wenig differenziert und teilweise scheinheilig.
    “ Pink gloves “ wurden nun vom Markt genommen.

    Gut so, Gründe wurden nun ja hinlänglich und oft beschrieben. Auch gut, dass es so eine Entrüstung gibt. Und das zum Erfolg führte. Auch als Zeichen, dass solche Proteste etwas bringen können!

    Aber: beweihräuchern sich da nun viele Leute, ggf. auch Medien, andre Firmen nun nicht auch selbst- wie sehr sie doch auf Seite der Frauen wären. Dagegen, dass aus einer ganz natürlichen Sache so ein Tabu gemacht wird. Gut, aber wo waren die ganzen Stimmen denn bis zum Jahr 2021? Wer hat wirklich zur Ent- Tabuisierung der Menstruation beigetragen, auch als Mann oder Medien- außer Frau TV , Emma, Taz und Co.? Und auch zum sozialen Aspekt dabei…

    Ausser vielleicht sehr selten etwas dazu. Was ja aber für unzählige Frauen ein großes Thema ist, es dann natürlich auch für Männer sein sollte. Und der soziale Aspekt, dass auch Millionen Frauen sich das kaum leisten können, auch für die ganze

    ‚ Wohlstandsgesellschaft “ !

    Ich beispielsweise sicher auch zu wenig. Nur sollte man dann jetzt nicht so groß tönen.

    Und immerhin hat „pink gloves“, wenn auch unfreiwillig, dazu beigetragen, dass das Thema auf die Tagesordnung kam. An die Öffentlichkeit.

    Aber nun, wird das genutzt? Oder verschwindet es wieder in der Versenkung und Kritiker ergötzen sich an ihrer tollen Haltung?

    Es wurde berichtet, dass Ikea sich über die gloves lustig machte. Tolle Werbung für Ikea, kostenlos.

    Machte Ikea je zuvor etwas gegen dieses Tabu oder spendete für ärmere Frauen dafür ? Sind immer alle Arbeitsbedingungen für Frauen bei Ikea so super? Macht Ikea nur menschlich, ökologisch wertvolle Produkte???

    Worte sind aber doch Schall und Rauch, Taten entscheiden. Da zeigt sich auch TATsächliche Haltung. Von Menschen. Aber auch Medien.

    Da ginge es aber darum aktiv weiter etwas gegen dieses Tabu zu tun. Und auch mal als eher wohlhabenderer Mensch auch an ärmere Frauen zu denken. Die sich oft auch Menstruationsprodukte gar nicht leisten können. So wie es vorbildlich gerade eine Petition tut:

    https://www.change.org/p/periodenarmut-freier-zugang-zu-menstruationsprodukten-in-%C3%B6ffentlichen-einrichtungen-bmfsfj Z. B. in der Stadt Hamm in NRW gibt es nun kostenlose Ausgaben solcher Produkte, die sich Frauen mit zu wenig Geld nicht leisten können, nicht zuletzt natürlich obdachlose.

    Immerhin übernahmen, wenn auch gezwungener maßen, die pink gloves- Gründer samt Investor nun Verantwortung und nahmen das vom Markt.
    Gut. Sie wollte wohl Gutes erreichen, aber gut gedacht ist halt wirklich nicht immer gut gemacht.
    Aber die Verantwortung für uns Alle bleibt ja zu dem Tabu und auch sozialen Aspekt aktiv zu bleiben. Es reicht ja nicht, dass man nichts Schlechtes tut.

    Man muss auch Gutes tun, sich dafür einsetzen!

    Deshalb bitte jetzt erst recht, weiter und ständig an dem Thema dranbleiben (bitte auch kritischer zu Ikea und Co.). Die Arbeit des Vereins/ Petition sind dafür sicher sehr gute Beispiele, Ansatzpunkte!

    Und: Morddrohungen und dergleichen müssen natürlich auf jeden Fall ein Tabu bleiben.
    Dass man vorher genauer überlegen sollte was man tut trifft da ja noch mehr zu !

  • Ich halte es da mit dem Autor: Erfindungen, egal welcher Art, werden gemacht und sind entweder erfolgreich oder nicht. Wenn jeder Erfinder darauf gewartet hätte, dass ihn jemand um eine Erfindung bittet, dann würde ich diesen Kommentar wahrscheinlich irgendwo in den Lehm kratzen. Es zeugt insofern schon mal von sehr großer Arroganz zu sagen: „Wir haben nicht darum gebeten“.

    Ich bin mir auch relativ sicher, dass die beiden Gründer im Vorfeld mit diversen Frauen über ihre Idee gesprochen haben und nicht ausschließlich aus „Männersicht“ ein Thema angegangen sind, das sie nicht unmittelbar betrifft. Und offenbar gab es aus dieser Richtung positives Feedback. Ich selbst habe von einigen Frauen gehört, dass die Idee gar nicht so blöd wäre für unterwegs. Lediglich die Farbe Pink sorgte da für gespaltene Meinungen.

    Was mich massiv stört ist, dass gerade in den sozialen Medien eine mehr oder weniger große Gruppierung ständig meint, für alle anderen sprechen zu dürfen. Vollkommen losgelöst von der Frage, ob ich dieses Produkt nun gut oder mies finde. Diese (lose) Gruppierung jedoch meint regelmäßig die Vorgaben definieren zu können, was für andere relevant, richtig, akzeptabel oder moralisch korrekt sei. Und verkündet das lautstark, um auf gar keinen Fall überhört zu werden. Sehr häufig, wie in diesem Fall, in Form eines gewaltigen Shitstorms, der oft in keinem Verhältnis zu dem steht, was „bekämpft“ werden soll. Kritik an diesem Hass, der da wie Gülle ausgekippt wird, wird umgehend als „Hatespeech“ deklariert, gern gewürzt mit weiteren Unterstellungen. Auch der Zynismus von „Einfach eine Frau“ spricht hier Bände…

    Ich bin tatsächlich nicht sicher, ob das Produkt so gnadenlos gescheitert wäre, wie es ihm nachgesagt wird. Es wäre sicherlich nicht DER Knüller gewesen, aber es gibt für beinahe alles einen Markt, und wenn auch nur eine Nische bedient wird. Das hätte niemandem weh getan und auch die beiden Erfinder (ich möchte nicht die Schöpfungshöhe beurteilen) haben ziemlich deutlich klargemacht, welche Nische sie im Auge hatten. Jemanden dafür auf diese Weise öffentlich niederzumachen ist allerdings allerunterste Schublade. Und all das nur, weil einige empfinden(!), eine natürliche Sache würde marginalisiert. Mit anderen Worten: Deren Empfinden steht über dem Empfinden derjenigen, die hier nach allen Regeln der Kunst plattgewalzt werden. Weil sie sich erdreistet haben, sich Gedanken zu einem Thema zu machen, das „sie nichts angeht“.

    Bei derartigen Aktionen wird für mich immer wieder deutlich: Es geht offenbar gar nicht mehr um eine bestimmte Sache, es geht nur um Krawall und darum, recht zu haben. Die große Mehrheit der Menschen drum herum schüttelt nur den Kopf und winkt (leider) mit den Worten ab: „Lass die mal machen…“.

  • Das Produkt war in so vieler Hinsicht so völlig sinnbefreit das es mich sehr wundert wenn die beiden mit mehr als nur ihren eigenen Partnerinnen darüber gesprochen haben. Schon die Bebilderung des Herausnehmen des Tampons auf der Verpackung war falsch. Frau zieht einfach am Rückholbändchen und greift sich beim Herausholen nicht in die Vagina. Zum zweiten warum sollten irgendjemand für pinke Plastikhandschuhe 11 Euro ausgeben, ich kann mir tausend Stück (in beliebigen Farben) für 5€ im Internet bestellen. Wenn Frauen so etwas brauchen würden meint ihr nicht sie wären schon auf die Idee gekommen die bereits existierenden Plastikhandschuhe zu verwenden? Und abgesehen davon wieso sollte man sich als Frau vor dem eigenen Körper ekeln? Mich stört es nicht wenn ich ein bisschen Blut an der Hand habe denn man kann es abwaschen, mit Wasser und Seife und wenn ich draußen unterwegs bin dann habe ich eher ein Fläschchen Desinfektionsmittel dabei. Es gäbe also wirklich nichts was man an diesem völlig unnützen und überteuerten Produkt jemals verbessern hätte können.

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