Wirtschaft

Wer zahlt die finanziellen Kosten der Flutkatastrophe?

Hochwasser, Flutkatastrophe
Pixabay.com / LucyKaef
geschrieben von Gerold Wolfarth

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat Tausende Menschen und zahlreiche Unternehmen finanziell in den Ruin getrieben. Doch wie lässt sich das in Zukunft verhindern? Eine zentrale Rolle könnten dabei die Berufsverbände übernehmen.

Die Flutkatastrophe hat Deutschland hart getroffen. Viele von uns wurden mit Bildern konfrontiert, die wir in Krisenregionen anderer Länder verorten würden. Dass ganze Landstriche in Deutschland von Wassermassen in diesem Ausmaß davongerissen werden – das lag fast außerhalb unserer Vorstellungskraft.

Und die Folgen für die Betroffenen sind ebenfalls kaum zu greifen. Klar ist: Die Menschen dort benötigen dringend Hilfe. Die Solidargemeinschaft ist gefragt. So müssen Bund und Länder einspringen. Der Schuldenberg steigt. Doch gibt es Alternativen?


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Wer soll die Milliarden zurückzahlen?

Erst Corona, jetzt die Flut, bald die nächste Katastrophe? Die Hilfstöpfe des Staates sind gerade stark belastet. Auch wenn es von offizieller Seite immer wieder heißt, dass der Staat diese Hilfen leisten kann, drängt sich doch die Frage auf: zu welchem Preis? Seien die Schulden durch Niedrigzinsen auch noch so „günstig“ – irgendwann müssen diese zurückgezahlt werden.

Wir sprechen hier über hunderte von Milliarden. Wer soll diese Schulden tilgen? Dies ist ein Problem, das ich nicht zu lösen vermag. Aber ich möchte ein Gedankenspiel anregen: Könnte die Verantwortung für Unternehmen nicht viel stärker bei den Berufsverbänden liegen?

Unternehmen sind zu Mitgliedschaft verpflichtet

Was genau sind Berufsverbände? Jeder Berufsstand hat eine eigene Interessensvertretung. Seien es die Ärzte mit der Ärztekammer, die Winzer mit dem Winzerverband, seien es die Handwerkskammern oder die Industrie- und Handelskammern.

Unternehmen einer Region sind verpflichtet diesen Verbänden beizutreten. Ja, man kann von einer Zwangsmitgliedschaft sprechen. Die Aufgaben der Verbände sind dabei durchaus wichtig. Sie vertreten die Interessen der Berufsgruppe nach außen. Die IHK etwa kümmert sich stark um das Thema Ausbildung. Sie nimmt Prüfungen ab und so weiter.

Die Winzer der Ahr-Region

Doch die aktuellen Ereignisse haben in mir einen neuen Gedankengang angeregt. Wieso können Katastrophenhilfen nicht auch verstärkt über die Berufsverbände geregelt werden? Gehört dies nicht zu den Kernaufgaben eines Verbands?

Sie sind ganz nah an ihren Mitgliedern und wissen daher genau, wo die individuellen Probleme liegen, wer in Schieflage geraten ist und wo Hilfe am dringendsten benötigt wird. Als Beispiel möchte ich gerne die Winzer der Ahr-Region nennen. Sie können ihre Weingüter aufgrund der geografischen Lage in der Nähe eines Flusses nicht versichern.

Nach den verheerenden Schäden stehen sie nun vor dem Aus. Zwar gibt es Soforthilfen des Landes. Doch diese reichen natürlich bei Weitem nicht aus, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Die IHKs beraten und organisieren Hilfsangebote. Finanziell hilft auch dies den Betroffenen nur wenig.

Was machen Berufsverbände mit ihrem Geld?

Wo könnte das Geld also herkommen? Jedes Mitglied eines Berufsverbands zahlt einen Jahres-Beitrag, der am Unternehmensumsatz bemessen wird.

Beispielsweise gehen bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken, der mein Unternehmen angehört, aus dieser Einnahmequelle jährlich 26,5 Millionen Euro ein. Hinzu kommen Erträge aus Gebühren, aus Entgelten und weiteren Quellen.

Und die Ausgaben? Die sind hauptsächlich bei Personalkosten und Materialaufwand zu finden oder bei „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“. Die Bilanz? Liegt bei null.

Denn IHK und andere Verbände dürfen keine Vermögen oder Rücklagen bilden. Eigentlich. So ist durchaus bekannt, dass gegen einige Industrie- und Handelskammern bereits Verfahren laufen, wegen zu hoher Beitragseinnahmen und dadurch angehäuften Vermögens.

Rücklagen für die Katastrophenhilfe bilden

Wie wäre es denn, wenn dieses Verbot wegfallen würde? Wenn eine Erlaubnis bestünde, zweckgebundene Rücklagen zur Katastrophenhilfe zu bilden. Dies wäre Grundvoraussetzung, damit überschüssige Gelder, nicht womöglich unsinnig ausgegeben werden, sondern zum Beispiel in einen Fonds gelangen, der im Notfall hilft.

So erhält die Solidargemeinschaft eines Berufstandes eine neue wichtige Bedeutung für die Unternehmen. Und diese Gelder entlasten im Katastrophenfall die Gesamtheit aller Steuerzahler in Deutschland.

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Über den Autor

Gerold Wolfarth

Gerold Wolfarth ist Gründer und CEO der bk Group, dem europäischen Marktführer im Ladenbau und Facility-Management. Als Europas Unternehmer der Zukunft will er die Wirtschaft, Innovationen und Nachhaltigkeit fördern und dazu aufrufen, Chancen zu ergreifen. Er teilt seine Erfahrungen aus 20 Jahren Unternehmertum als Mentor und investiert in junge Unternehmen. Gleichzeitig lebt er eine werteorientierte Führungskultur, welche Menschlichkeit und die Familie in den Mittelpunkt stellt.

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