Wirtschaft

Arbeite an deinem Unternehmen – nicht in deinem Unternehmen!

Handwerker, Baustelle, Hammer, Unternehmer sein
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geschrieben von Carsten Lexa

Viele Gründer:innen nehmen selbstverständlich an, dass sie auch Unternehmer sind. Doch wer Unternehmer sein möchte, muss seine Perspektive wechseln. Es geht eben nicht mehr darum, im Unternehmen zu arbeiten. Vielmehr steht die Weiterentwicklung im Fokus.

Gründer:innen sind meistens gut beschäftigt. Sie entwickeln ihr Produkt oder ihre Dienstleistung, sie planen die nächste Marketing-Kampagne oder setzen diese um und sie bauen ihr Team auf.

Daneben sind sie mit der Abgabe von Steuererklärungen und Anfragen von Behörden beschäftigt. Zugleich diskutieren sie mit Sozialversicherungsträgern. Sehr schnell ist dann jeder Tag vorbei.

Das alles ist sinnvoll und notwendig, damit das junge Unternehmen aufgebaut und erfolgreich gemacht werden kann. Diese Arbeit der Gründer:innen im Unternehmen sichert dessen Existenz und hilft beim Überleben – insbesondere dann, wenn dessen Produkt oder Dienstleistung viele Kunden begeistert.

Die Ebene des Unternehmers

Doch es gibt noch eine Ebene, die von vielen Gründer:innen nicht immer ausreichend beachtet wird. Diese betrifft jedoch ein anderes Mindset als das, was es braucht, um sich um die oben genannten Aufgaben zu kümmern.

Diese Ebene ist die des Unternehmers. Es geht um das Unternehmer sein. Vielleicht bist du nun überrascht, weil du dir denkst: Kann ich denn kein Unternehmer sein, wenn ich mich um die obigen Punkte kümmere – also um das Produkt, das Marketing, die Steuern, das Bezahlen von Rechnungen und Co.?

Die Ebene des Facharbeiters

Meine Antwort lautet: bedingt. Wenn du all das machst, bist du schon teilweise unternehmerisch tätig – keine Frage. Aber wenn du ehrlich bist, können diese Aufgaben alle von einem Facharbeiter oder einem Dienstleister erledigt werden.

Es handelt sich um fachspezifische Aufgaben, die letztendlich einen bestimmten Bereich im Unternehmen betreffen. Werden alle diese Aufgaben erledigt, kommt letztendlich das Unternehmen voran. Oder?

Genau hier setzt das an, was ich mit Mindset meine. Viele Gründer:innen denken, dass es ihre Aufgabe als Unternehmer:in ist, die vorgenannten Punkte abzuarbeiten.

Diese Denkweise hat jedoch einen Fehler. Sie konzentriert sich eben nicht auf das, was ein Unternehmer sein und tun sollte – und zwar im Rahmen des Kerns seines unternehmerischen Handelns. Tatsächlich sollte sich ein Unternehmer auf die Weiterentwicklung seines Unternehmens konzentrieren.

Das Unternehmen weiterentwickeln

Die Weiterentwicklung des Unternehmens bedeutet nicht Mikro-Management! Mikro-Management ist das oben genannte – die Weiterentwicklung des Produktes, das Bauen an der Webseite, die Anleitung von Mitarbeiter:innen und auch die Auswahl des neuen Werbefilms für YouTube.

Weiterentwicklung des Unternehmens bedeutet, dass du dir Gedanken machst, wo das Unternehmen hin soll. Welche Fäden müssen wo zusammenlaufen, damit die Entwicklung weitergeht? Und was wird dazu benötigt, damit alle im Unternehmen möglichst optimal da hinkommen, wo sie deiner Ansicht nach hinsollen?

Unternehmer sein: Der Helikopterblick

Das klingt im ersten Moment möglicherweise etwas kryptisch. Mein Tipp ist deshalb, dass du dir einfach mal vorstellst, du würdest in einem Helikopter sitzen und auf dein Unternehmen herunterblicken. Dort siehst du dann alle Aufgaben und alle Personen und Dinge, die zu deinem Unternehmen gehören.

Dann überlegst du dir, wie du die nun erkennbaren Aufgaben angehst, ohne diese selbst zu bearbeiten. Wahrscheinlich kommen dir schon beim Lesen dieser Zeilen ein paar Ideen: Angestellte mit den Aufgaben betrauen, Software verstärkt einsetzen und so weiter.

Typische Einwände

Und jetzt kommen natürlich ein paar Einwände:

  • „Ich bin mir nicht sicher, ob andere das so gut machen wie ich.“
  • „Ich habe gar keine Leute dafür.“
  • „Es fehlt das Geld, also muss ich es eben selbst machen.“
  • Und mein Lieblingssatz: „Ich will verstehen, was da passiert, also mache ich es selbst.“

Diese Sätze haben einiges an Wahrheit in sich – insbesondere wenn dein Unternehmen am Anfang steht. Dann fehlen vielleicht die Finanzmittel und die Man-Power, um nicht mehr alles selbst machen zu müssen und sich vielmehr auf die Entwicklung des Unternehmens zu konzentrieren.

Und natürlich interessiert dich, was so alles im Unternehmen los ist. Du musst also zwangsläufig bestimmte Dinge selbst machen, die ich oben als Mikro-Management bezeichnet habe. Das ist auch nicht schlimm.

Der Blick aufs große Ganze

Aber du musst aufpassen, dass du nicht irgendwann vor lauter Aufgaben nur noch am mikromanagen bist. Denn dann verlierst du den Blick fürs große Ganze und es wird irgendwann extrem schwer, wirkliche unternehmerische Aufgaben wahrzunehmen.

Was sind deine Aufgaben als Unternehmer?

Deshalb mache dir von Anfang an klar, was deine Aufgabe als Unternehmer ist. Sicherlich gibt es am Anfang Aufgaben, die aus bestimmten Gründen von dir übernommen werden müssen. Jedoch musst du dich mittelfristig aus dem Mikro-Management zurückziehen und übergeordnete Aufgaben wahrnehmen.

Meine Tipps dazu ist: Überlege dir eine Roadmap für den Übergang und plane schon im Rahmen der Gründung Zeit ein, um an deinem Unternehmen zu arbeiten. Dann wird es dir leichter fallen, nach und nach immer mehr loszulassen.

Hast du den Spruch „Man muss mehr am und weniger im Unternehmen arbeiten“ schon mal gehört? Was denkst du über ihn? Schreibe mir gerne dazu etwas in die Kommentare – ich freue mich auf deine Gedanken!

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Über den Autor

Carsten Lexa

RA Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs´ Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Er ist Mitinitiator der Gründerinitiative Gründen@Würzburg und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für die Auszeichnung „Großer Preis des Mittelstands“. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und unternehmensrechtlichen Fragen.

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