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Google Family will das Internet für Kinder sicherer machen – und damit Geld verdienen

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Unsplash.com / Alexander Dummer
geschrieben von Marinela Potor

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz: Das ist ein neuer großer Fokus von Google. Dafür hat der Konzern eigens Google Family ins Leben gerufen – ein Sicherheitszentrum für Familien mit Tipps zum sicheren Surfen im Netz. Wir stellen das Konzept genauer vor. 

Rund 80 Prozent der Eltern in Deutschland sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder im Netz. Und knapp 50 Prozent der Eltern wünschen sich mehr Hilfsangebote, um ihre Kinder beim sicheren Surfen zu unterstützen. Das ergibt eine gemeinsame Umfrage des Google Safety Engineering Center und Statista.

Genau diesem Bedürfnis nach einem besseren Schutz für Kinder und Jugendliche im Netz will Google nun selbst nachkommen – mit Google Family. Dahinter steckt ein Sicherheitszentrum, das Familien beim Umgang mit neuen Technologien unterstützen soll.

Google holt sich pädagogische Unterstützung

Die Website bietet ein breites Angebot mit Tipps, die nicht nur von Google kommen, sondern auch von verschiedenen pädagogischen Fachkräften und Organisationen.

So beteiligen sich etwa auch die Organisationen „Deutschland sicher im Netz“, „Klicksafe“, „Frag Finn“, die „Nummer gegen Kummer“ und viele weitere Fachorganisationen an der Plattform.

Sie geben Familien verschiedene Ansatzpunkte und Tipps, um den Internet-Konsum für Kinder und Jugendliche sicherer zu gestalten.

Tipps für familienfreundliche Aktivitäten im Netz

So finden Eltern hier beispielsweise Tipps, wie sie die Sicherheitseinstellungen im Browser für Kinder anpassen können. Auch gibt es Empfehlungen für familienfreundliche Aktivitäten im Netz – etwa der Besuch von Online-Museen.

Darüber hinaus bietet Google Family auch einen allgemeinen Leitfaden mit Tipps rund um den Umgang mit Medien in Familien. Einige der Tipps auf Google Family kommen von Google selbst. Doch viele der Ressourcen stammen auch von den Partnerorganisationen selbst.

Erstes Tablet schon in der Grundschule

Ein derart breit aufgestelltes Infoportal ist durchaus sinnvoll. Denn spätestens durch Corona sind Kinder und Jugendliche noch öfter und länger online. Das beginnt bereits im Grundschulalter.

Die Umfrage von Google und Statista zeigt etwa, dass bereits 23 Prozent der drei- bis fünfjährigen in Deutschland ein eigenes Tablet besitzt. Bei den neun- bis zwölfjährigen haben schon 74 Prozent ein eigenes Smartphone.

Und diese Geräte werden regelmäßig genutzt. So sind beispielsweise mehr als ein Drittel der drei- bis fünfjährigen Kinder täglich online. Doch während junge Menschen damit schon früh den Umgang mit digitalen Geräten und Online-Plattformen lernen, gibt es natürlich auch Risiken und Gefahren.

Kinder frühzeitig schützen

Ein zu hoher Internet-Konsum kann bei Kindern zu aggressivem Verhalten, einem niedrigen Selbstwertgefühl und sozialer Isolation führen.

Gleichzeitig ist es für Kinder nicht immer leicht zu erkennen, wenn gewisse Inhalte für sie nicht angebracht sind oder sie etwa in Foren gezielt Opfer von Grooming werden. Hinzu kommt der Umgang mit Online-Mobbing, das insbesondere für Jugendliche in sozialen Netzwerken problematisch werden kann.

Entsprechend ist es wichtig, Kinder und Jugendliche auf den Umgang mit dem Internet vorzubereiten und sie dabei zu schützen. Dazu gehört auch ein intensiver Austausch in der Familie. Zu den wichtigsten Tipps für Eltern gehören etwa:

  • Interesse am Internet-Konsum der Kinder zeigen und wirklich zuhören, warum Kinder bestimmte Inhalte konsumieren wollen.
  • Die Vor- und Nachteile der Angebote gemeinsam diskutieren.
  • Zusammen Regeln für die Internet-Nutzung aufstellen – und als Eltern mit gutem Vorbild vorangehen.

Es gibt selbstverständlich auch außerhalb von Google Family Ressourcen für Eltern, wie etwa den Elternguide.online oder die Nutzungstipps von Klicksafe sowie auch die Jugendschutz-Sicherheitstipps auf Klicktipps.

Google Family ist kein selbstloses Angebot

Doch anders als viele der existierenden Medienguides für Familien ist Google Family kein reines Non-Profit-Angebot. Google hat erkannt, dass Kinder und Jugendliche ein attraktiver Markt sind. Von sozialen Netzwerken über Schulen im Netz bis hin zu Spielen sind Online-Produkte sehr lukrativ.

Da es in diesem Markt aber vor allem darauf ankommt, Eltern von der Sicherheit der eigenen Produkte zu überzeugen, stellt Google sich mit Google Family als vertrauenswürdiger Partner auf. Erste Produkte sind mit Lern-Apps oder YouTube Kids auf dem Portal schon zu erkennen.

Google ist derweil nicht das einzige Technologie-Unternehmen, das an Kinder denkt. Auch Facebook arbeitet seit geraumer Zeit an einem sozialen Netzwerk für Kinder und Jugendliche. Und der Streaming-Dienst Disney Plus behauptet sich insbesondere durch sein familienfreundliches Programm sehr gut gegen die Konkurrenz.

Es wird daher spannend zu sehen, welche weiteren Angebote hier künftig für Familien folgen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

2 Kommentare

  • …und damit Geld verdienen?
    Wo kommt in diesem Artikel bitteschön konkret ein Beispiel vor, in dem Google damit Geld verdienen möchte. Zudem sind „LernApps“ und Youtube Kids ebenfalls kostenlos. Die Überschrift impliziert doch unterschwellig, dass man Google nicht trauen kann, weil es ihnen hauptsächlich dabei nur ums Geld verdienen geht. Dieser Zusatz in der Überschrift ist völlig überflüssig und grenzt an Clickbait. Da ich Google Family aktiv schon lange nutze und gut kenne, war ich überrascht zu lesen, dass Google damit jetzt auch noch Geld verdienen möchte. Deshalb musste ich mir den Artikel erst mal durchlesen um letzten Endes zu erfahren, dass nichts dahinter steckt. Im Kern geht es eher darum, dass Google Family, es den Eltern ermöglicht, die Geräte der Kinder, in Bezug auf Nutzungszeit, Dauer und Inhalte zu regulieren. Kinder sind nicht in der Lage, selbständig Apps zu installieren, ohne sich diese per Anfrage an die Eltern durch Google Family freigeben zu lassen. In dieser Anfrage werden die Berechtigungen der angefragten Apps angezeigt. Eltern können dann entscheiden, ob die App für das Kind freigegeben wird oder nicht. Und das alles kostenlos!

    • Hallo Marco,
      danke für deinen Kommentar. Es soll Google gar nicht abgestritten werden, dass das Family-Angebot durchaus hilfreich für Familien und Kinder ist. Möglicherweise ist es in dem Artikel aber zu verkürzt formuliert, auf welche Art Google mit diesen Produkten Geld verdient. Natürlich hast du Recht, Apps wie YouTube Kids sind gratis. Andererseits verdient Google natürlich auch über Werbeeinnahmen auf diesen Plattformen Geld, die wiederum über eine hohe Nutzerzahl generiert werden, bzw. steigen. Und Kinder (u. ihre Eltern) sind neue User 🙂 Gleichzeitig wirbt Google auf der Plattform auch für Tools wie „Google Workspace“, die dann durchaus kostenpflichtig sind. Ich hoffe, das wird damit deutlicher.

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