Wirtschaft

Sexuelle Belästigung: Ein fester Teil der Arbeitskultur bei Elon Musk?

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Screenshot / YouTube
geschrieben von Marinela Potor

Ashley Kosak war stolz, beim Raumfahrtunternehmen SpaceX zu arbeiten – bis sie konstant sexuelle Belästigung erfuhr und niemand etwas dagegen tat. Das scheint kein Einzelfall zu sein. 

„Bei SpaceX sagt man uns, wir können die Welt verändern. Doch ich konnte es nicht verhindern, sexuell belästigt zu werden.“ Mit diesen Worten beginnt Ashley Kosak, eine ehemalige Ingenieurin von SpaceX, ihre Darlegungen zu den Bedingungen am Arbeitsplatz des Raumfahrtunternehmens.

Diese sind offenbar gekennzeichnet von einer Macho-Kultur, sexuellen Übergriffen und einer Personalabteilung, die nichts tut, um Mitarbeitende zu schützen.


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Beim Team-Seminar an die Brust gefasst

Das sind jedenfalls die Vorwürfe, die Ashley Kosak in einem Blog-Post erhebt, der auf Lioness erschienen ist, einer Blog-Plattform, die Erfahrungsberichte rund um den Arbeitsplatz veröffentlicht. Kosak beschreibt darin, wie sie bei SpaceX zunächst 2017 als Praktikantin anfing. Praktikant:innen wohnen in einem eigenen Gebäude auf dem SpaceX-Campus.

Nur wenige Wochen nach dem sie ihr Praktikum begonnen hatte, fasste ihr ein anderer Praktikant beim Geschirrspülen an den Hintern. Sie beschwerte sich darüber, doch es passierte nichts. Sie musste weiterhin mit diesem Mann unter einem Dach leben.

Im Laufe ihrer nächsten zwei Jahre als Praktikantin erlebte Ashley Kosak zahlreiche Vorfälle von sexueller Belästigung bei SpaceX. „2018, während eines Team-Seminars, fuhr ein männlicher Kollege mit seiner Hand über mein Shirt, von meiner unteren Hüfte bis hin zu meiner Brust“, schreibt Kosak.

Auch in diesem Fall beschwerte sie sich bei Vorgesetzten. Doch es passierte nichts. Sie musste weiterhin mit dem Mann arbeiten. Angesichts ihrer prekären Situation als Praktikantin fühlte Kosak sich machtlos.

SpaceX: Sexuelle Belästigung Teil der Arbeitskultur

Sie scheint nicht die einzige zu sein, die bei SpaceX sexuelle Belästigung erleben musste. Das Magazin The Verge sprach mit vier anderen Betroffenen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Frauen werden bei SpaceX offenbar gegen ihren Willen von männlichen Angestellten umarmt. Es fallen häufig unangebrachte sexuelle Kommentare. Nicht-binäre Personen sind Diskriminierung ausgesetzt.

In einem Fall versuchte sogar ein betrunkener Mitarbeiter eine verschlossene Tür aufzubrechen, um in das Zimmer einer Angestellten zu gelangen.

Beschwerden von Personalabteilung ignoriert

Kosak sowie nahezu alle Betroffenen, mit denen The Verge gesprochen hat, traten mit ihren Problemen vor die Personalabteilung. Kosak beschwerte sich sogar mehrfach und bot verschiedene Lösungsansätze an, um die Macho-Kultur bei SpaceX einzudämmen und Mitarbeitende vor sexuellen Übergriffen besser zu schützen.

Doch obwohl sich die Verantwortlichen der Personalabteilung die Beschwerden anhörten, gab es keine Konsequenzen. Im Gegenteil. Die Männer, gegen die Beschwerden vorgebracht wurden, blieben weiter im Unternehmen und wurden gar befördert.

Im Gegenzug wurden die Frauen und nicht-binären Personen ignoriert. In einigen Fällen sorgten die Männer, die sie zuvor belästigt hatten, sogar dafür, dass sie nicht fest eingestellt wurden. SpaceX hat sich bislang zu all diesen Vorwürfen nicht öffentlich geäußert.

Doch die Vorfälle deuten darauf hin, dass die sexuelle Belästigung bei SpaceX System hat und Teil der Arbeitskultur im Unternehmen ist.

SpaceX und sexuelle Belästigung: Unternehmen ist Club für Jungs

Eine ehemalige Praktikantin, Julia Crowley Farenga, sagte gegenüber The Verge, dass SpaceX ein „Club für Jungs“ sei. Das Unternehmen scheue sich davor, einige Männer für ihr Verhalten in die Verantwortung zu nehmen, wenn diese Männer viel Zeit in SpaceX investiert haben und viel für das Unternehmen geleistet haben.

„Wenn die weiblichen Angestellten negativ beeinflusst werden und ihre Arbeit darunter leidet, tja, das ist schade, weil dieser Typ echt gut ist“, sagt Crowley Farenga. Und dieses Denken fange ganz oben in der Chefetage an, bei SpaceX-Chef Elon Musk.

Musk sehe Ingenieur:innen als Ressource an, die man schöpfen kann und nicht wie ein Team, das man anführen sollte, sagt Kosak. Alle Personen, die sich öffentlich über sexuelle Belästigung bei SpaceX äußerten, sagten ebenfalls, dass die Burnout-Quote im Unternehmen sehr hoch sei.

Es ist nicht das erste Mal, dass einem Unternehmen von Elon Musk eine negative Arbeitskultur vorgeworfen wird. Auch bei Tesla gab es immer wieder Beschwerden über Rassismus und extreme Arbeitsbedingungen, in denen Mitarbeitende zu Überstunden angetrieben, Pausen als Schwäche angesehen werden und Burnout der Normalfall ist.

Hat Elon Musk keine Lust auf Nachhaltigkeit?

Das ist ein anderes Bild, als das, was Elon Musk von seinen Unternehmen zeichnen möchte. Nach außen hin propagiert Musk Fortschrittlichkeit, einen modernen Arbeitsplatz und Nachhaltigkeit.

All dies mag man nach den Aussagen von Ashley Kosak zumindest teilweise anzweifeln – sogar die Nachhaltigkeit. So berichtet Kosak, wie sie Elon Musk Pläne vorlegte, um SpaceX bis 2030 CO2-neutral zu machen.

Darin legte Kosak auch Ideen dar, um das Unternehmen diverser zu machen. Ihre Ideen wurden jedoch als „zu ehrgeizig“ abgelehnt. Musk schrieb ihr wohl in einer E-Mail mit dem Satz: „Wir haben Wind- und Sonnenenergie.“

In der Öffentlichkeit dagegen gibt sich Elon Musk gerne als jemand, der Nachhaltigkeit vorantreibt. So kündigte Musk erst vor Kurzem per Twitter an, dass er bei SpaceX Raketentreibstoff aus CO2 gewinnen wolle.

Arbeit wichtiger als Arbeitskultur

Intern scheint Elon Musk es dagegen mit der Nachhaltigkeit nicht so genau zu nehmen. Laut Kosak nutzen die neuen Gebäude auf dem SpaceX-Campus Gas. Auch fließe nicht genug Geld in Maßnahmen, um die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Kosak war nicht die einzige, die die Nachhaltigkeit bei SpaceX vorantreiben wollte. Mehrere Ingenieur:innen beschäftigten sich sogar in ihrer Freizeit mit dem Thema und legten immer wieder Vorschläge auf den Tisch, um die Emissionen bei SpaceX zu reduzieren.

Leider zeigte Elon Musk gar keine Begeisterung für das Thema. Eine ehemalige Mitarbeiterin von SpaceX drückt es so aus: „Was ihnen wichtiger ist, ist Arbeit, nicht die Arbeitskultur.“

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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