Technologie

Wenn Linux so gut ist: Warum nutzt es dann niemand?

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Screenshot / YouTube
geschrieben von Marinela Potor

Die Open-Source-Software von GNU/Linux gilt als sicher, effizient und sie ist zudem frei verfügbar. Dennoch nutzen die meisten Menschen auf ihren Desktop-Computern Windows oder Apple OS. Wieso ist das so?

Linux hat 2021 seinen 30. Geburtstag gefeiert. Gründer Linus Torvalds kündigte den ersten Kernel 1991 als „freies System“ an – aber auch als etwas, das er nur als Hobby und nicht professionell entwickeln wollte.

Drei Jahrzehnte später wird Linux immer noch häufig in einem Atemzug mit den Desktop-Betriebssystemen Windows und Apples OS genannt – und von vielen sogar als das bessere System gelobt. Nur: Wenn das System so gut ist: Warum nutzt es dann kaum jemand am Desktop?


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Linux: Verschwindend geringer Marktanteil

Die Frage ist natürlich provokant formuliert. In der Tat gibt es durchaus Millionen treuer Fans. Insbesondere Entwickler:innen schätzen die Distributionen. Doch im Vergleich zu Betriebssystemen wie Windows oder OS X ist der Anteil gering.

Nach Erhebungen des Statistik-Portals Global Stats Statcounters lag der Desktop-Marktanteil von Linux 2021 bei rund zwei Prozent (auch wenn Linux strenggenommen kein Betriebssystem ist). Zum Vergleich: Die Marktanteile von Windows unter Desktop-Betriebssystemen lagen bei rund 75 Prozent.

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Geringe Marktanteile für Linux. (Foto: Screenshot / GS Statcounter)

Warum ist der Marktanteil von Linux so gering?

Die Gründe für den geringen Marktanteil sind vielfältig.

1. Zu umständlich

Der Hauptgrund ist ganz einfach: Bequemlichkeit. Die meisten Menschen nutzen einen Windows-Desktop-Computer oder ein Apple-Gerät. In beiden Fällen ist ein gutes, funktionsfähiges Betriebssystem vorinstalliert. Wer setzt sich nun hin, um ein anderes System zu installieren?

Die wenigsten. Oder nur diejenigen, die entweder von Linux überzeugt sind oder es für spezifische Anwendungen nutzen möchten. Das sind beispielsweise Entwickler:innen, die nicht viel Geld für bestimmte Lizenzen ausgeben möchten oder User, die eine hohe Performance benötigen.

Gleichzeitig ist die Open-Source-Software für Nutzer:innen, die sich mit Computern gar nicht auskennen, nicht unbedingt intuitiv. Wer es nutzen möchte, muss sich also etwas damit auseinandersetzen. Das Interesse dafür ist in der breiten Masse sicherlich nicht sehr hoch.

2. Microsoft Office

Wer wiederum Linux auf seinem Desktop-Computer installiert, merkt schnell, dass sich damit gewisse Anwendungen nicht nutzen lassen. Dazu gehört die Editing-Software Final Cut, aber auch Microsoft Office. Für viele User ist das ein großes Problem.

Es gibt zwar Open-Source-Alternativen zu Microsoft Office, wie etwa Open Office. Doch die Anwendungen sind teilweise reduzierter oder nicht vorhanden. Es ist möglich, einzelne Anwendungen wie etwa Excel mit spezialisierten Programmen zu ersetzen.

Doch das erfordert Zeit, Recherche und das Einarbeiten in verschiedene Programme. Für die meisten Menschen ist das viel zu aufwändig, wenn sie stattdessen einfach ein vorinstalliertes Programm nutzen können.

3. Gaming

Gleiches gilt für Spiele. Die meisten Games werden nicht unterstützt und damit scheidet die Open-Source-Distribution für viele Nutzer:innen direkt schon aus, auch wenn Entwickler:innen hier momentan an Lösungen arbeiten.

Die geringe Nutzung von Linux liegt also nicht an der Qualität. Vielmehr sind es Nutzungsgewohnheiten, Bequemlichkeit oder schlicht auch Unwissen, die dahinterstecken.

Fast alle Menschen nutzen Linux, ohne es zu wissen

Gleichzeitig gilt der geringe Marktanteil vornehmlich für den Einsatz am Desktop. Denn darüber hinaus nutzen Milliarden von Menschen Linux, ohne es zu wissen.

So ist Android eine Linux-Distribution. Alle Menschen, die ein Android-Smartphone besitzen, arbeiten damit mit Linux. Und selbst Apple-User kommen nach Ansicht einiger nicht ohne das System aus.

Das iOS-Betriebssystem der iPhones basiert nämlich auf Nextstep. Dieses System basiert wiederum auf Unix. In den frühen Tagen des Internets kostete eine Unix-Lizenz tausende US-Dollar, weshalb Linus Torvalds Linux entwickelte – eine ziemlich genaue Kopie von Unix.

In diesem Sinne basieren iOS und Linux auf denselben Grundlagen.

96 Prozent der Webserver setzen auf Linux

Und auch wenn du das Internet nutzt, kommst du nicht um Linux herum. Schätzungen zufolge laufen 96,3 Prozent aller Web-Server auf Linux. Und was viele nicht wissen: 90 Prozent der Cloud-Struktur ist auf dem System aufgebaut, während 100 Prozent der 500 größten Supercomputer es nutzen.

Für eine Software, die eigentlich nur als Hobby-Projekt gedacht war, ist das ganz schön beachtlich.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

5 Kommentare

  • Ich nutze tatsächlich mein Linux kaum, das bootet direkt in eine VirtualBox VM ohne Netzwerkkarte mit Windows XP, damit ich die alten Programme weiterverwenden kann und nicht umlernen muss. Also Bequemlichkeit.

    Vom vorinstallierten Windows 7 bin ich weg, weil der Support endete und man mit Windows nicht verlustfrei von Spotify aufnehmen kann, da funkt das DRM dazwischen. Ist halt ein sehr seltener Usecase.

    Ein weiterer Vorteil von Linux ist, dass man selber bestimmen kann, wann man ein Update machen möchte, und dass seit BTRFS und Timeshift nichts mehr passieren kann, was das System unbrauchbar macht, seien es Updates oder eigene Fehler. Allerdings ist BTRFS noch nicht bei allen Distributionen der Standard, so dass man auch unter Linux manchmal noch mit Partitionen herumeiern muss.

    Manche Leute mögen es auch nicht, dass sie von Microsoft auf Schritt und Tritt überwacht werden. Das gibt es bei Linux nicht, aber den meisten ist es anscheinend egal.

  • Ein weiterer Grund, warum ich z.B. nie mit Linux warm geworden bin ist die Unfreundlichkeit in den Boards. Gut, das ist bei mir jetzt auch schon ein paar Jahre her und das hat sich wohlmöglich geändert. Aber ich hatte tatsächlich Probleme einen Browser zu installieren (Opera) und hatte dazu Hilfe in einem Linux-Board erfragt. Antwort war lapidar, wenn ich das nicht hinbekommen würde wäre Linux nichts für mich.
    Das war es dann schon wieder mit meinem Ausflug in diese Welt.

  • Netter Artikel… aber NextStep oder überhaupt Unix mit Linux gleichzusetzen ist schon gewagt 🙂 klar hat der gute Thorwald in enger Anlehnung an Unix Linux entwickelt, meines Wissens übrigens nicht 7m Lizensgebühren zu sparen, sondern um genau zu verstehen wie ein OS funktioniert. Aber niemand sagt ja das ein Tesla auf einem Mercedes basiert – nur weil Tesla die Grundidee (4 Räder, mindestens zwei davon durch einen Motor angetrieben) vom Erfinder des Autos übernommen hat 🙂

  • Ein wichtiges Argument für Linux ist, dass es auch auf schwacher Hardware super funktioniert. Unser Projekt sammelt gebrauchte Computer für Menschen mit geringem Einkommen und soziale Projekte. Das geht nur mit Linux, weil Windows auf den bis zu 15 Jahre alten Computern garnicht mehr laufen würde.
    Dazu kommt die leichtere Bedienbarkeit. Vor allem Menschen mit geringen PC-Kenntnissen kommen damit nach unserer Erfahrung viel besser zu Recht, weil Linux übersichtlicher und logischer aufgebaut ist.
    Privat nutze ich seit 5 Jahren fast nur noch Linux, vor allem Xubuntu. Wenn ich dann doch mal wieder an einen Windows-PC muss, frage ich mich immer, warum sich die Leute dieses Durcheinander antun – und auch noch Lizenzgebühren dafür bezahlen.

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