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Erkenntnisse aus der Startup-Szene: Der neunte Deutsche Startup-Monitor

Carsten Lexa
unsplash.com/ Israel Andrade

Ende 2021 wurde der neunte Deutsche Startup Monitor veröffentlicht. Der Report gilt als wichtiger Gradmesser. Er befragt nicht nur viele deutsche Start-ups zu ihrem Tätigkeitsfeld, der Finanzierung oder ihrem Mitarbeiterstand, sondern schließt auch auf Folgen für die Szene. Höchste Zeit, einen genaueren Blick darauf zu werfen.  

Dass der neunte Deutsche Startup Monitor (DSM) nicht nur eine Randerscheinung ist, sondern den wohl tiefsten Einblick in diese Szene bietet, belegen die Zahlen: Über 2.000 Start-ups mit mehr als 5.000 Gründer:innen haben sich beteiligt, wobei diese Unternehmen rund 33.000 Arbeitnehmer:innen repräsentieren.

Der DSM definiert dabei „junge“ Unternehmen, die maximal zehn Jahre alt sind als Start-ups. Zudem müssen sie sich durch ein geplantes Mitarbeiter- und Umsatzwachstum sowie einen hohen Innovationsgrad auszeichnen. Über diese Definition werden zwar nicht alle Unternehmensgründungen erfasst.

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Denn bei vielen Gründungen in Deutschland fehlt es an geplantem Mitarbeiterwachstum oder einer besonderen Innovationskraft. Der DSM zeigt jedoch das Bild des unternehmerischen Bereichs in Deutschland, in dem die dringend benötigten Innovationen stattfinden, die auf Dauer die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland erhalten.

Startup-Monitor: Geringer Frauenanteil

Schaut man sich den DSM genau an, dann fällt zuerst auf, dass die Zahl der Gründerinnen niedrig ist. Zwar steigt deren Anteil von 15 auf 18 Prozent, aber dieser Anstieg ist gering. Gründe dafür sind wohl immer noch, dass Gründerinnen in den Bereichen mit hohen Innovationen wie Maschinenbau, IT oder Chemie stark unterrepresentiert sind.

Hoffnungsvoll stimmt aber zumindest die ansteigende Zahl von Investmentgesellschaften, die von Frauen initiiert werden und sich gezielt an Frauen richten. Es erscheint aber vermessen, hier schnelle Erfolge zu erwarten.

Digitale Geschäftsmodelle

Deutschland gilt nicht unbedingt als digitales Vorzeigeland. Zu offensichtlich wurden in den vergangenen beiden Jahren die Unzulänglichkeiten insbesondere in der Verwaltung und im Gesundheitswesen. Umso mehr lassen die deutschen Startups hoffen, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung besser genutzt werden können.

Denn rund 65 Prozent der Startups des DSM befassen sich mit digitalen Geschäftsmodellen, also digitalen Lösungen für bestehende Herausforderungen. Dabei spielen Geschäftsmodelle in den Bereichen Softwareentwicklung und -anwendung, Lösungen für den Onlinehandel und die Entwicklung sowie der Betrieb von Online-Plattformen die größte Rolle.

Insbesondere durch die Verbindung der Startups ergeben sich große Chancen, neue Entwicklungen nicht nur durch Innovationen anzustoßen, sondern auch am Markt zu etablieren.

Hochschulen als Innovationstreiber?

Mehr als ein Viertel aller Start-ups kommen aus den Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das unterstreicht die Bedeutung von Bildungseinrichtungen, nicht nur für Innovationen, sondern auch für sich daraus ergebende Unternehmensgründungen.

Hochschulen vermitteln also offensichtlich nicht nur die Theorie, sondern auch die Lust auf das Gründen. Dabei ist bemerkenswert, dass von den für den DSM befragten Gründer:innen mehr als ein Drittel angaben, ihre Mitgründer:innen an einer Hochschule kennengelernt zu haben und über drei Viertel mit der Nähe zur Hochschule zufrieden sind.

Wünschenswert wäre es nun, Gründungen auch außerhalb der Hochschulbereiche zu stärken und insbesondere schon im schulischen Bereich die Lust auf Unternehmertum und Gründungen zu wecken.

Internationalität gefragt

Unverändert im Vergleich zu den letzten Jahren kommen die meisten Startups mit rund 18 Prozent aus Berlin. Stark sind darüber hinaus noch Städte wie Hamburg und München. Dabei fällt auf, dass diese drei Städte, mit noch ein paar anderen, aufgrund ihrer Internationalität punkten können.

Deutsche Startups scheinen ihren Blick in die Welt zu richten, was mit Deutschland als Exportnation und als wirtschaftlichem Schwerpunkt in Europa durchaus Sinn macht.

Darüber hinaus bietet der europäische Markt Chancen über die Landesgrenzen hinaus. Hier zeigen sich offensichtlich die Stärken Europas durch einen gemeinsamen Markt und der Freizügigkeit der Arbeitnehmer.

Schon aus diesem Grund sollte Deutschland weiterhin daran interessiert sein, die EU zu stärken und insbesondere in Abstimmung mit anderen Mitgliedsstaaten die Marktzugänge und -eintritte durch vereinfachte steuerliche und rechtliche Regelungen zu erleichtern.

Die Politik ist gefordert

Die Durchsicht des DSM zeigt wie schon in den letzten Jahren, dass die Bedingungen für das Schaffen von Innovationen mit einfachen Mitteln möglich wäre, aber leider nicht immer erfolgt.

So könnte durch ein einfacheres Gründungsprozedere und durch vereinfachte Bedingungen für Investments, insbesondere von Privatpersonen, sowie von Mitarbeiterbeteiligungen die Gründungsaktivitäten gestärkt werden.

Darüber hinaus haben insbesondere die beiden vergangenen Jahre gezeigt, dass zwar der Wille von Regierung und Verwaltung, Unternehmen in der Krise zu helfen, vorhanden war.

Die tatsächliche Durchführung der Unterstützung erfolgte aber oftmals zu bürokratisch, zu langsam und unter zu lebensfremden Bedingungen. Hier ist ein Umdenken erforderlich – hin zu weniger Regulierung.

Startup Monitor: Fazit und Ausblick

Der DSM ist mehr als nur ein kurzer Blick auf den aktuellen Stand der deutschen Startup-Szene. Er zeigt Trends und Richtungen  auf, die nicht nur junge Unternehmen betreffen, sondern sich auf die Wirtschaft allgemein beziehen.

Insbesondere mit Blick auf die im DSM deutlich werdenden Entwicklungen beziehungsweise nicht erfolgten Entwicklungen wie beispielsweise der Forderung nach eine Bürokratieabbau oder Maßnahmen zum Gegensteuern beim Fachkräftemangel wird deutlich, wo es hakt.

Es bleibt zu wünschen, dass viele Politiker egal auf welchen Ebenen und unabhängig von ihren Posten diesen Report lesen. Er beinhaltet viel Positives. Er zeigt aber auch die Schwächen in der deutschen Wirtschaft auf.

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Rechtsanwalt Carsten Lexa berät seit 20 Jahren Unternehmen im Wirtschafts-, Gesellschafts- und Vertragsrecht. Er ist Lehrbeauftragter für Wirtschaftsrecht, BWL und Digitale Transformation sowie Buchautor. Lexa ist Gründer von vier Unternehmen, war Mitinitiator der Würzburger Start-up-Initiative „Gründen@Würzburg”, Mitglied der B20 Taskforces Digitalisierung/ SMEs und engagiert sich als Botschafter des „Großer Preis des Mittelstands” sowie als Mitglied im Expertengremium des Internationalen Wirtschaftsrats. Er leitete als Weltpräsident die G20 Young Entrepreneurs´Alliance (G20 YEA). Bei BASIC thinking schreibt Lexa über Themen an der Schnittstelle von Recht, Wirtschaft und Digitalisierung.