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E-Auto-Förderung: Mit diesem Trick kannst du (fast) gratis Tesla fahren

Tesla Model 3, Elektroauto
Tesla
geschrieben von Marinela Potor

Die E-Auto-Förderung soll eigentlich nachhaltigere Mobilität vorantreiben. Doch pfiffige Autofahrer haben damit einen Weg gefunden, um (fast) gratis einen Tesla zu fahren und sogar nahezu verlustfrei zu verkaufen. 

Mit der E-Auto-Förderung möchte die Bundesregierung den Wechsel zur Elektromobilität anstoßen. Entsprechend gibt es beim Kauf von Elektroautos eine bezuschusste Förderung. Für Elektroautos mit einem Nettolistenpreis unter 40.000 Euro gibt es eine Umweltprämie von 9.000 Euro. 6.000 Euro kommen dabei vom Staat, 3.000 Euro vom Hersteller. Teurere Autos bekommen auch einen Zuschuss. Dieser fällt allerdings etwas geringer aus.

Das Geld gibt es aber nur, wenn das Elektroauto mindestens sechs Monate lang auf der Straße ist. Und genau das hat einige Autobesitzer auf eine Idee gebracht. Sie kaufen sich brandneue Teslas, kassieren die Prämie und verkaufen die Fahrzeuge nach sechs Monaten fast ohne Verluste.

Mit E-Auto-Förderung ist ein Tesla ein Schnäppchen

So berichtet Autobild von einem Fall, bei dem ein Ehepaar aus Schleswig-Holstein seinen Tesla bei einem Tesla-Händler in Mönchengladbach in Zahlung gibt. Das Ehepaar hatte nach Informationen von Autobild den Tesla Model 3 im Herbst 2021 für 49.000 Euro (abzüglich Prämie) gekauft und gibt es nun beim Autohändler „Autozentrum Schmitz“ in Zahlung.

Schmitz gilt als einer der größten Tesla-Händler in Deutschland und das Unternehmen betreibt sogar ein Online-Portal für Tesla-Ankäufe. Er ist damit nicht alleine. Im Netz finden sich auch viele andere Portale, die sich auf den Ankauf des Tesla Model 3 spezialisiert haben.

Inhaber Sascha Schmitz bietet bei seinem Ankauf dem Ehepaar aus Schleswig-Holstein jedenfalls 48.000 Euro für den Tesla mit 9.000 Kilometer auf dem Tacho. Umgerechnet bedeutet das: Das Ehepaar konnte den Tesla sechs Monate lang zum Preis von 1.000 Euro fahren.

Schmitz kann den hohen Preis anbieten, weil er das E-Auto nach Skandinavien weiterverkauft, wo die Fahrzeuge im Schnitt einen 3.000 Euro teureren Listenpreis haben als in Deutschland.

Missbrauch der E-Auto-Förderung?

Auch wenn die Geschäfte nach aktueller Gesetzeslage legal sind, ist das natürlich nicht, wofür die E-Auto-Förderung gedacht ist.

Denn schließlich ist das langfristige Ziel, die Verbrennerflotte durch E-Autos zu ersetzen. Da die Förderung sich auch über Steuergelder finanziert, ist dies auch anderen Steuerzahler:innen gegenüber nicht fair.

Autohändler Sascha Schmitz wiederum sieht das etwas anders. „Die kur­ze Mindesthaltedauer führt ja nicht nur dazu, dass Kunden fast kostenlos ein Auto fahren können. Das unterstützt auch den Auto­handel, der ja unter Corona sehr gelitten hat. Als Steuerzahler wäre ich aber auch damit einver­standen, wenn die Mindesthaltedauer auf zwölf Monate ausgeweitet würde.“

Gegenüber Autobild sagte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, dass man sich eines großangelegten Handels mit gebrauchten E-Autos unter Nutzung der Umweltprämie nicht bewusst sei.

Handel mit E-Autos online rege diskutiert

Tatsächlich zeigt eine spontane Google-Suche, dass es zahlreiche deutschsprachige Tesla-Foren gibt, in denen Autofahrer:innen genau dieses „Geschäftsmodell“ diskutieren. Insbesondere der Tesla Model 3 scheint in nordischen Ländern heiß gehandelt zu werden.

Allerdings sprechen viele User auch von spekulativen Anlagen. Denn schließlich prüft auch das Bundeswirtschaftsministerium regelmäßig, ob die E-Auto-Prämie angepasst werden muss. Und auch Dänemarks Anforderungen an gebrauchte E-Autos könnten sich ändern.

Denkbar ist etwa, dass der Gesetzgeber die Mindesthaltedauer für die E-Auto-Förderung in Deutschland von sechs Monaten auf einige Jahre anpasst oder Dänemark seine Kilometerzahl für Gebrauchtwagen nach oben korrigiert. Und natürlich können sich die Preislage und die Marktsituation jederzeit ändern.

Es ist also gut möglich, dass das fast kostenlose Tesla-Fahren bald ein Ende hat.

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mittwald

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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