Wirtschaft

Wie man die Angst vor Präsentationen verliert

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Unsplash.com/ Nathan Dumlao
geschrieben von Carsten Lexa

Gründer:innen müssen nicht nur immer wieder präsentieren, sei es vor Kunden, Geschäftspartnern oder Investoren. Sie müssen sich auch immer wieder spontan zu etwas äußern – sei es, auf eine Frage im Rahmen einer Präsentation oder eine spontane Präsentation ohne Vorbereitung. Wie bereiten sich Gründer:innen darauf am besten vor?

Die größte Angst der Menschen

Laut Statista ist die Angst vor dem öffentlichen Reden diejenige Angst, die am häufigsten bei Menschen vorkommt. 41 Prozent aller Menschen fürchten sich davor, eine Rede vor Publikum halten zu müssen. Zum Vergleich: Nur 19 Prozent aller Menschen fürchten sich vor Krankheiten oder Tod.

Angst vor Präsentationen: Gründer und die Folgen

Auch Gründer:innen sind vor dieser Angst nicht gefeit. Hier aber besteht nun ein Problem: Denn Gründer:innen müssen immer wieder vor anderen Menschen sprechen, sei es im kleinen Kreis, sei es vor einer größeren Gruppe von Menschen.

So müssen sie ihre Produkte und Dienstleistungen erläutern, ihr Unternehmen Investoren „schmackhaft“ machen und Geschäftspartnern zeigen, warum eine Zusammenarbeit mit ihnen erfolgversprechend ist. Angst vor einer Präsentation sorgt nun dafür, dass die Präsentation nicht souverän und locker rüber kommt, sondern dass sie bemüht und angestrengt wirkt.

Dies behindert den Effekt und im Ergebnis die Erfolgschancen. Ähnlich ist es mit Fragen im Rahmen einer vorbereiteten und geübten Präsentation, die einen „kalt erwischt“, auf die man also nicht vorbereitet ist.

Es stellt sich also die Frage, wie Gründer:innen sich so auf Präsentationen vor anderen Menschen – seien diese vorbereitet oder spontan auftretend – so vorbereiten können, dass die drohende Angst und die damit verbundenen Folgen handhabbar werden.

Eine sinnlose Standardempfehlung

Die Standardempfehlung, die man an dieser Stelle nun immer wieder hört, lautet viel Üben – also im Ergebnis das Halten möglichst vieler Reden. Nur dieses würde helfen, die Angst vor dem öffentlichen Reden in den Griff zu bekommen. Ich persönlich finde diese Empfehlung jedoch nicht sonderlich hilfreich.

Denn es ist leicht gesagt, dass Gründer:innen mehr üben sollen. Jedoch fehlt dabei das An-die-Handnehmen, also das zielgerichtete Üben, um die Angst abzubauen. Denn es besteht ja gerade die Angst, Reden zu halten. Wie dann der Tipp, MEHR REDEN ZU HALTEN hilfreich sein soll, ist mir nicht klar.

Angst vor Präsentationen: Drei konkrete Tipps

Aus diesem Grund möchte ich heute allen Gründer:innen drei konkretere Tipps geben, wie man zielgerichtet das öffentliche Reden trainieren und insbesondere lernen kann, sich spontan zu einem Thema zu äußern.

1. Zeigt eure Fähigkeiten

Zum einen möchte ich euch empfehlen, mit etwas vor anderen aufzutreten. Dies kann beispielsweise das Spielen eines Instrumentes sein, das Leiten einer Jugendgruppe oder, wie in meinem Fall, das Auftritt als Zauberkünstler. Die Besonderheit liegt dabei auf der Darbietung von Fähigkeiten, die nichts primär mit Reden zu tun haben.

Jedoch erfolgt die Präsentation vor anderen Menschen. Ihr lernt so, wie sich ein Auftritt vor anderen anfühlt, müsst aber den Fokus nicht auf der verbalen Informationsweitergabe legen. Da ihr aber eine Fähigkeit präsentiert, die euch liegt, habt ihr eine relativ entspannte Umgebung, die euch Sicherheit gibt.

Im Laufe der Zeit plant ihr dann kleine sprachliche „Einlagen“ ein, beispielsweise indem ihr Informationen zu den Stücken, die ihr spielt, mitteilt. Und diese Einlagen werden dann immer mehr ausgebaut. Einen Nebeneffekt hat dies übrigens: Die meisten Menschen, die Angst vor Präsentationen haben, haben Angst, dass eine unbekannte Situation auftritt, sie also nicht wissen, was sie sagen sollen bzw. dass ihnen die Stimme wegbleibt.

Bei einem Auftritt kann aber auch, und wird, immer mal was nicht klappen. Ihr lernt also gleich, mit solchen Situationen, in denen etwas nicht funktioniert, umzugehen. Im Laufe der Zeit werdet ihr immer sicherer.

2. Improvisiert beim Theaterspielen

Wenn das gut geklappt hat, dann könnt ihr den nächsten Tipp ausprobieren: Macht bei einer Impro-Theatergruppe mit. Diese gibt es in den meisten Städten als Schauspielgruppe oder im Rahmen von Universitäts- oder Volkshochschulkursen.

Bei Impro-Theater, also improvisiertes Theater(stück), geht es um Theaterstücke, bei denen der Verlauf nicht klar ist, weil die Zuschauer den Verlauf des Stückes mit ihren Entscheidungen beeinflussen. So findet beispielsweise im Rahmen eines Theaterstückes einer der Schauspieler auf der Bühne ein Messer. D

ie Zuschauer entscheiden nun, wem dieses Messer gehört. Je nach Entscheidung müssen die Schauspieler auf der Bühne den Verlauf des Stückes weiterentwickeln. Für Gründer:innen ergibt sich aus diesen Improvisationen ein starker Lerneffekt. Denn sie können die Vorgaben bzw. Entscheidungen des Publikums nicht ignorieren, stehen jedoch regelmäßig nicht alleine auf der Bühne.

Die Gefahr, mit der Entscheidung nichts anfangen zu können, wird somit minimiert, da im Zweifel die Kolleg:innen einspringen können. In dieser relativ sicheren Umgebung kann man ausgezeichnet lernen, mit spontanen Vorgaben umzugehen. Je öfters ihr also bei so einem Theaterstück mitspielt, um so sicherer und souveräner werdet ihr. Und ihr werdet feststellen, dann man mit solchen spontanen Situationen wunderbar „spielen“ kann.

3. Bringt einen Toast aus

Mein letzter Tipp nun ist der Hinweis auf eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen in der Kunst der öffentlichen Rede zu schulen. Es handelt sich um die „Toastmasters“, eine weltweite Organisation mit über 300.000 Mitgliedern. Im Rahmen von regelmäßigen Treffen üben die Mitglieder bestimmte Arten von Reden.

Dies sind zum einen Reden mit einer Länge von 7 Minuten, die zu einem bestimmten Thema vorbereitet und dann vorgetragen werden. Zum anderen sind dies sog. Stehgreifreden, die gehalten werden zu einem Thema, welches von einem Organisator spontan im Rahmen des Treffens bekannt gegeben werden.

Und dann werden die gehaltenen Reden bewertet, was die letzte Art der Reden bei Toastmasters ist. Und weil es sich um eine Trainingsorganisation für öffentliche Reden handelt, gibt es für alle Arten von Reden bestimmte Kriterien und Vorgaben sowie Trainingspfade, die bei der Verbesserung der Redekünste helfen.

Toastmasters gibt es in allen größeren Städten in Deutschland und in der ganzen Welt. Ich selbst hatte dabei das Glück, nicht nur die Toastmasters Würzburg als Mitglied Nummer eins mitgründen zu können, sondern ich dürfte diese Organisation sogar zwei Jahre als Gründungspräsident leiten. Wenn ihr Fragen zu den Toastmasters habt, dann meldet euch gerne bei mir.

Angst vor Präsentationen: Fazit

Die Angst vor Präsentationen vor Publikum könnt ihr in den Griff bekommen. Übung macht dabei, wie so oft, den Meister. Aber ihr solltet zielgerichtet üben. Dabei solltet ihr zum einen versuchen, ein Gefühl für die Situation zu bekommen, vor Menschen aufzutreten. Dies könnt ihr üben, ohne das ihr dabei reden müsst.

Sodann solltet ihr euch bewusst in Situationen bringen, bei denen ihr gezwungen seid, vor Publikum zu reden. Dies passiert aber freiwillig und in einer Situation, bei der ihr eine Art „Sicherheitsnetz“ habt, durch andere Menschen auf der Bühne oder durch klare Vorgaben an euch, die nicht zu umfassend sind und auf euren Wissens- und Kenntnis- und „Angstzustand“ eingehen.

Wenn ihr euch dann so Sicherheit erarbeitet habt, dann plant eure weiteren „richtigen“ Präsentationen für euer Unternehmen.

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Über den Autor

Carsten Lexa

RA Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs´ Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Er ist Mitinitiator der Gründerinitiative Gründen@Würzburg und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für die Auszeichnung „Großer Preis des Mittelstands“. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und unternehmensrechtlichen Fragen.

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