Wirtschaft

Warum Innovation in Deutschland keine Chance hat!

Innovation, Deutschland, Innovationsbremse
undsplash.com/ Robbie Noble
geschrieben von Gerold Wolfarth

Innovation hat in Deutschland keine Chance! Diese Aussage findest du provokant? Ist sie auch, aber im Moment kommt es mir genau so vor. Deutschland gilt als Land der Tüftler und Erfinder. Das sind wir auch, aber wir machen zu wenig daraus. Ein Grund dafür ist die Trägheit unseres Verwaltungsapparats.

Innovation: Tempo, was ist das eigentlich?

Kennst du Beamtenwitze? Bestimmt hast du dich selbst schon über die „langsamen Ämter“ lustig gemacht. Was so unbeschwert daher kommt, strapaziert im Alltag aber nicht nur die Nerven, sondern kann insbesondere im unternehmerischen Umfeld ernste Folgen haben.

In Ämtern oder andere Institutionen, in denen elementaren Entscheidungen in unserem Land getroffen werden, scheint statt frischem Wind eher staubige Büroluft durch die Gänge zu wehen. Und das passt nicht zu einem innovativen Land. Ich selbst muss das aktuell leider im Zusammenhang mit der BaFin, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, erleben.


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Was macht die BaFin?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) untersteht dem Bundesministerium für Finanzen und ist die Finanzmarktaufsichtsbehörde, die zur Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands beitragen soll. Neben Bankenaufsicht oder Versicherungsaufsicht ist die BaFin auch für die Wertpapieraufsicht zuständig.

Wer Wertpapiere anbieten möchte, muss ein Wertpapierprospekt erstellen, damit sich Anleger ausreichend informieren können. Dieses Prospekt muss von der BaFin geprüft und gebilligt werden. Diese Prüfung soll laut offiziellen Angaben nur 10 bis 20 Werktage dauern. So weit so gut.

Innovation: Wenn der Beamtenwitz Realität wird

Um sicher zu gehen, dass unser Prospekt nicht abgelehnt wird, haben wir, wie üblich, eine Voranfrage eingereicht. Es geht bei der Anfrage um einen Fonds, der nachhaltige Start-ups unterstützen soll. Und zwar durch Wertpapiere mit denen man kleine Summen gezielt in Start-ups investieren kann.

Es handelt sich bei dieser Voranfrage um drei Seiten Papier und nicht um ein umfangreiches Prospekt. Und diese drei Seiten sind seit drei Monaten nicht bearbeitet. Auf eine Nachfrage durch den Rechtsbeistand, erhielten wir nur die Information, dass sich darum aktuell niemand kümmern kann, und teilweise sogar noch Anfragen aus dem Januar auf dem Tisch lägen.

Das war im Juli! Wie kann es sein, dass eine der wichtigsten Bundesanstalten so langsam ist? Als Unternehmer ist man hier willkürlich ausgeliefert und kann de facto gar nichts tun, außer abzuwarten. Wenn alle Genehmigungsprozesse so lange dauern, laufen uns Start-ups und Innovatoren davon oder geben auf. Das ist eine echte Innovationsbremse!

Innovationsbremse: Verstaubte Strukturen aufbrechen

Es muss doch möglich sein, Verwaltungsprozesse in Deutschland schneller abzuwickeln. Neue Ansätze zu denken und umzusetzen. Agil zu sein. Digital zu sein. Schnell zu sein. Mich verlässt hier leider langsam mein Optimismus. Zwei der drei Start-ups, die durch den angesprochenen Fonds bereits vorgesehen waren, gibt es nicht mehr.

Ich selbst sah mich nun gezwungen mein Wertpapierprospekt von der CSSF in Luxemburg genehmigen zu lassen, denn dort hatte ich schon nach drei Tagen die Bearbeitungsnummer und die verbindliche Terminzusage des Prüfungsergebnisses.

Wieder eine verpasste Chance auf Innovation in unserem Land. So werden wir Start-ups und somit die wichtige Innovation nicht fördern!

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Über den Autor

Gerold Wolfarth

Gerold Wolfarth ist Gründer und CEO der bk Group AG, dem europäischen Marktführer im Ladenbau und technischem Facility Management. Als Familienunternehmer, Startup-Mentor, Serial-Investor, Chairman des Unternehmernetzwerks THE GROW, Geschäftsführer des Ökovation Ventures Fonds und Autor des Buches „Gewinn ist nur ein Nebenprodukt“ ist er Experte für Innovationen und sucht zukunftsträchtige Ideen sowie neue Wege für Unternehmen. So betreibt er mit der bk World selbst die modernsten Ladeparks der Welt in Kooperation mit TESLA.
Gleichzeitig lebt er eine werteorientierte Führungskultur, welche Menschlichkeit und die Familie in den Mittelpunkt stellt.

4 Kommentare

  • Hi Gerold,
    als Geschäftsführer eines aufstrebenden Deep-Tech Startups habe bzw. mache ich dieselben Erfahrungen hier in Deutschland. Uns nervt und schadet die hiesige Behörden- ubd Beckenrandschwimmer-Mentalität, weshalb wir uns langsam aber sicher Richtung Ausland orientieren…

    • Die Abkehr von Deutschland ist eine fatale Entwicklung, darum engagiere ich mich seit 2 Jahren an mehreren Stellen um dagegen zu wirken. Der Weg ist äußerst mühsam – leider!

  • Ja, diese Erkenntnisse kann ich teilen. Egal, wie innovativ, agil und schnell dein StartUp bzw. Unternehmen ist – irgendwo und irgendwann kommt man mit staatlichen Prozessen in Kontakt. Und dann geht es steil bergab.

    Die Verwaltung Deutschlands ist geistig irgendwo im Jahr 1825 und technisch auf dem Stand von 1960 hängen geblieben. Da ist ein FAX-Gerät schon Digitalisierung.

    Traurig, aber wahr.

  • Moin Gerold,
    bin selbst Impact Founder im Bereich EE und Fintech. Unsere BaFin Sache ging schnell, aber das war vor Wirecard.
    Im Bereich EE habe wir noch üblere Erfahrungen mit Behörden und teilprivatisierten Verwaltungen gemacht.
    Seit der Subprime-Krise alles nur noch kaputte Strukturen. Hauptsache hohe Rente und teure Infrastrukturen weiter bezahlen und sparen, sparen, sparen.

    Wenn es denn nur die langsame Verwaltung wäre. Die Kartellbildung und Zombiefizierung dahinter ist noch viel fataler für Innovation. Geholfen wird nur noch den Großen mit ihrem Anwaltsteams. Allen anderen legt die Verwaltung aktiv Steine in den Weg, besonders Disruptoren.

    Was wir inzwischen belegen können.
    Die Kartellbildung in Branchenclustern ist virulent sagt das Bundeskartellamt selbst. Am Beispiel Innovationsstifting Hamburg schon bis hin zu staatliche Gelichschaltung gediehem. Weit bis in den Kulturbetrieb hinein, um disruptive Ideen nach Vorbild China gleich aktiv zu unterdrücken zu können. Olaf Scholz selbst vertritt hier bekannter Massen StaMoKa und hat das mit der SPD in Hamburg mit dem Austreten des Feuers der Energiewende in S-H erprobt.

    Spreche ich rund um den Bundestag mit über 50 Geschäftsführern, dann bekommen ich genau dies Feedback bestätigt: virulente Kartellbildung und Korruption/Umdrehen einzelner Stellen oder deren gezielte Aushebelung/Überlastung und Stellenstreichung/Zusammenlegung unter fremder Kontrolle.

    Der Staatsapparat höhlt aus und korrumpiert zum Nachteil aller.
    Wir werden wollen wegen genehmigter und wieder torpedierter Fördermittel Deutschland ebenfalls hinter uns lassen.
    Definitiv der richtige Move von dir.

    Bei uns geht es um ein paar tausend Deep Tech Arbeitsplätze im Klimaschutz und Erneuerbare Energien. Diese Disruption will die Gasslobby hier nicht haben. Die unfairen Mittel lassen nur den Weg in Ausland, wenn man nicht in Gerichtsverfahren sein Zeitfenster verpassen will. Eine freie Wirtschaft für disruptive StartUps ist Deutschland ganz bewusst längst nicht mehr.

    Die Grünen wechseln da auf höherer Ebene auch langsam die Seiten zur Industrie gegen Lobbyspenden und die FDP ist da auch eher reichlich korrupt.

    Die Fahne von Staat und Verfassung beim Freien Markt hält selbst die Justiz und Verwaltung kaum noch hoch. Weil chronisch unterfinanziert und da ein Boomer nach dem anderen ohne Ersatz in Rente geht und Kartelle diese Schwächen sofort ausnutzen. Der Staat kollabiert daran.

    Verstehe schon, das Du dir hier wie ein Pirat mit einem kleinen Boot deinen sicheren Hafen woanders suchen musst.
    Das wird deine Anwälte aber ebenso weiter mit viel unzulässigem juristischen Gegenwind beschäftigen, was Zugang zum deutschen Finanzmarkt angeht.

    Ein herzliches Willkommen im Club der Kartell-&Korruptionsopfer.

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