Testbericht

Samsung Galaxy Z Fold4 im Test: Faltbares Mini-Tablet ohne Kompromisse?

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Samsung
geschrieben von Nils Ahrensmeier

Mit dem Samsung Galaxy Z Fold4 will Hersteller Samsung den Markt für faltbare Mini-Tablets aufmischen. Wir haben das Gerät ausgiebig getestet. 

Samsung Galaxy Z Fold4: Design und Verarbeitung

Das Samsung Galaxy Z Fold4 ist vom Design und der Verarbeitung fast identisch zu seinem Vorgänger, dem Fold3. Doch kleine Änderungen – es ist zwei Millimeter kürzer und zwei Millimeter breiter – machen im Alltag einen deutlichen Unterschied aus. Damit liegt das Gerät besser in einer Hand und Apps können im aufgefalteten Modus mehr Inhalte anzeigen.

Samsung Galaxy Z Fold4 Verarbeitung 2

Das Fold4 ist ein wenig breiter und kleiner als sein Vorgänger (Bild: BASIC thinking)

Die Verarbeitung ist gewohnt hochwertig. Vor allem der Faltmechanismus wirkt sehr genau. Dadurch kann das Gerät in jeder Position stehen bleiben ohne zusammenzufallen. Im geschlossenen Modus befindet sich aber weiterhin ein Spalt, sodass das Fold4 kaum gegen Staub geschützt ist.

Was außerdem direkt auffällt, ist eine Falte in der Innenseite. Vor allem beim Aufklappt schaut man drauf, wenn Licht reflektiert. Sobald man das Gerät aber nutzt, ist die Falte nicht mehr stark sichtbar. Eine Verbesserung für das nächste Modell wäre aber wünschenswert.

Samsung Galaxy Z Fold4 Verarbeitung

Das Fold4 hat weiterhin einen kleinen Spalt im zugeklappten Modus (Bild: BASIC thinking)

Mit 263 Gramm ist das Samsung Galaxy Z Fold4 nach wie vor ein recht schweres Smartphone, dennoch aber acht Gramm leichter als sein Vorgänger. Merkt man das im Alltag? Nein, das Fold4 ist weiterhin ein echter Brocken. Ist es trotzdem schön zu sehen, dass Samsung dieses Problem wohl Schritt für Schritt angehen will? Absolut, es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Samsung Galaxy Z Fold4 Falte

Das Fold4 hat eine weiterhin sichtbare und spürbare Falte (Bild: BASIC thinking)

Samsung Galaxy Z Fold4: Das Display

Das Gerät verfügt weiterhin über zwei Displays – ein schmales auf der Vorderseite und ein großes im aufgefalteten Modus. Das kleine 6,2 Zoll Außendisplay hat nun ein neues Seitenverhältnis von 23.1:9. Das erleichtert die Einhandnavigation deutlich. Sie ist aber nach wie vor nicht so einfach wie bei einem normalen Smartphone und ab und zu vertippt man sich.

Das Display selbst sieht wiederum sehr gut aus. Es wird hell genug und ist damit auch bei Sonne lesbar. Mit OLED, HDR 10+ und 120 Hertz Bildwiederholrate nach LTPO-Standard befindet sich dabei die neueste Technologie an Bord.

Samsung Galaxy Z Fold4 Display

Das Highlight des Fold4: Das Innendisplay (Bild: BASIC thinking)

Der Star ist aber weiterhin klar das 7,6 Zoll große Innen-Display. Aufgefaltet hat man dabei ein kleines Mini-Tablet in der Hand, wodurch Samsung das Lesen von E-Mails oder Websites und das Mobile-Gaming auf das nächste Level hebt. Denn die sind bereits größtenteils auf das Display optimiert und machen damit richtig Spaß.

Anders sieht es noch bei Social-Media oder Videos aus. Mittlerweile ist Twitter auch auf dem großen Display akzeptabel nutzbar, gerade im Multitasking mit einer anderen App. Auch Instagram hat softwareseitig Abhilfe bekommen, im Vergleich zu der iPad-App ist das schon ein großer Schritt.

Für Videos stimmt das Seitenverhältnis aber einfach nicht. Vor allem 21:9 Filme haben oben und unten große Ränder. Damit ist der Nutzen nicht viel größer als bei einem Smartphone. Für E-Books ist das Display aber grandios geeignet.

Samsung Galaxy Z Fold4: Performance

Im Inneren des Samsung Galaxy ZFold4 sitzt der Snapdragon 8+ Gen 1 Prozessor aus dem Hause Qualcomm, der von einem zwölf Gigabyte RAM-Speicher unterstützt wird. Samsung bietet standardmäßig 256 Gigabyte an Speicher. Das Fold4 gibt es aber auch mit 512 Gigabyte oder einem Terabyte internem Speicher.

Gerade im Vergleich zum normalen Snapdragon 8 Gen 1 scheint das Gerät deutlich effizienter zu arbeiten. Das mag an den Verbesserungen des Prozessors liegen. Ich würde es aber eher am besseren Fertigungsprozess der Firma TSMC knüpfen.

Samsung Galaxy Z Fold4 Performance

Das Fold4 kann auch Spiele emulieren (Bild: BASIC thinking)

So oder so ist das Fold4 im Alltag super schnell und auch für das Multitasking bestens ausgestattet. Jedes Spiel lief ohne Probleme, jede App öffnete schnell und zuverlässig. Einzig und allein Animationen waren manchmal ruckelig, was ich aber eher auf die OneUI-Oberfläche schieben würde.

Der Sound

Das Fold4 hat zwei „echte” Lautsprecher, die an der oberen und an der unteren Seite des Gerätes sitzen. Sie sorgen für einen sehr guten Klang. Das konsumieren von Inhalten macht dadurch richtig Spaß.

 Sound

Das Z Fold4 hat sehr große Lautsprecher (Bild: BASIC thinking)

Auch Podcasts, Filme und Musik habe ich gerne darüber gehört, obwohl Musik bei voller Lautstärke ein wenig blechern wirkt. Die Lautsprecher des Samsung Galaxy Z Fold4 sind wohl mit die Besten, die ihr in einem Smartphone bekommen könnt.

Die Kameras

Samsung hat dem Fold4 zwei neue Linsen spendiert. Das Unternehmen spricht dabei von einer „Flaggschiff-Kamera“ auf dem “Level des Galaxy S22”.

Gehen wir also ins Detail: Hier finden wir das identische Kamerasystem aus dem Galaxy S22 Plus. Eine 50-Megapixel-Hauptkamera (anders als die 12 Megapixel-Linse aus dem Fold3), eine 10-Megapixel-Telefotolinse und eine 12-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera.

Kameras

Fotos machen mit dem Fold4 sieht manchmal ziemlich gewöhnungsbedürftig aus (Bild: BASIC thinking)

Die Fotos sind deutlich besser geworden, vor allem im Vergleich zum Fold3. Gerade die 23 Prozent mehr Licht, die in den Sensor einfallen, machen einen großen Unterschied aus. Fotos sehen jetzt deutlich heller aus, gerade bei Nacht. Die Telefotolinse hat zwar auf dem Datenblatt eine geringere Auflösung als beim Vorgänger, macht jedoch ebenfalls bessere Fotos.

Auch der dreifach optische Zoom hat im Alltag immer wieder seinen Nutzen erwiesen. Zwar sollten Kunden mit einem Fokus auf Fotografie immer noch zum Vivo X80 Pro oder Samsung Galaxy S22 Ultra greifen, doch die maximal 30-fache Zoomfähigkeit (digital) ist ein großer Fortschritt zum Vorgänger.

Eine Galerie an Testfotos findet ihr hier.

Die beste Kamera in einem Smartphone kriegt ihr mit dem Fold4 also nicht, aber für viele dürfte sie ausreichen. Die Konkurrenz aus China zeigt aber, dass es auch möglich ist, noch mehr „Kamera“ in ein Foldable zu stecken. Diese Geräte gibt es allerdings noch nicht auf dem deutschen Markt.

Samsung Galaxy Z Fold4: Software

Auf dem Samsung Galaxy Z Fold4 läuft Android 12L (12.1), mit OneUI 4.1.1 Oberfläche. Der Hersteller verspricht drei große Android-Updates und fünf Jahre Sicherheitsupdates. Das ist einmalig in der Branche und Samsung führt damit vor Google die Liste mit den meisten großen Softwareupdates an.

Doch was ist neu an OneUI 4.1.1? Die Unterstützung von Android 12L fügt eine Taskleiste hinzu, durch die Apps deutlich leichter geöffnet werden können. Gerade im Multitasking hilft das enorm. Auch ein App-Launcher ermöglicht das Starten von Apps erheblich, da die aktuelle Anwendungen nicht mehr geschlossen werden müssen.

 Software

Das Galaxy Z Fold4 ist für Multitasking sehr gut geeignet (Bild: BASIC thinking)

Doch diese Funktionen werden wohl alle auch auf das Fold3 kommen. Damit bleiben sie nicht exklusiv für das Fold4. Samsung hat aber im Foldable-Bereich mit Google weiterhin die Nase vorn, wenn es um die Software geht.

Samsung Galaxy Z Fold4: Akku

Zwar ist der Akku mit 4.610 Milliampere nicht größer geworden, doch durch die Effizienz des Snapdragon 8+ Gen 1 ist der Akkuverbrauch geringer als noch beim Vorgänger. Ist er auf dem Niveau eines aktuellen Flaggschiff-Smartphones? Nein, gerade bei Onlinetelefonie saugt sich der Akku wie von allein leer.

Ich kam aber immer gut durch den Tag, was für mich ein Gradmesser für gute Smartphone-Akkus ist. Gerade wenn ich aber beispielsweise um 17:00 Uhr spontan noch irgendwo hin möchte, lade ich vorsichtshalber noch einmal auf, denn durch die Nacht kommt man mit dem Fold4 nicht.

Dann wäre da noch das altbekannte Samsung-Problem mit dem Schnelladen. Denn das Unternehmen kriegt es offenbar nicht in den Griff, ein konkurrenzfähiges Schnellladesystem zu entwickeln – auch wenn man Google oder Apple außen vor lässt.

Hersteller wie OPPO, Xiaomi oder Vivo zeigen nämlich, dass man auch ohne den Akku zu schädigen ohne Probleme mit 65, 100 oder sogar 150 Watt laden kann.

Doch das Samsung Galaxy Z Fold4 lädt mit maximal 25 Watt, wenn man ein Netzteil für circa 15 Euro bei Amazon dazukauft. Damit lädt das Gerät von Null auf 100 Prozent in ungefähr 90 Minuten. Wer also spontan irgendwo hin möchte, muss immer wieder ans Netzteil.

Samsung Galaxy Z Fold4: Fazit

Das Samsung Galaxy Z Fold4 ist das erste Foldable-Smartphone, das ich auch privat im Alltag nutzen würde. Bisher war es immer eine Frage von Kompromissen: Welche Funktionen gebe ich auf, damit ich ein großes Display bekomme? Mittlerweile vermisse ich nur noch das schnelle Laden und einige App-Optimierungen (Twitter, Instagram oder YouTube).

Zum Samsung Galaxy Z Fold4

Die Technik wirkt ausgereift, die Software in einem guten Zustand. Samsung hat bei dieser Version auch meine Kritikpunkte aus dem letzten Jahr verbessert (Kamera, Software und Akkulaufzeit), wobei in einer nächsten Generation auch hier wieder verbessert werden sollte.

Was für viele weiterhin der springende Punkt sein wird: der Preis. Mit 1.799 Euro UVP ist das Gerät das teuerste Smartphone auf dem Markt. Deswegen würde ich es nur denjenigen empfehlen, der die modernste Technologie, das große Display und vor allem: etwas Neues ausprobieren wollen.

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Über den Autor

Nils Ahrensmeier

Nils Ahrensmeier ist seit März 2022 Redakteur beim Online-Magazin BASIC thinking. Bereits vorher schrieb er für MobileGeeks, das 2022 in BASIC thinking aufging. Nebenher arbeitet Nils als FSJler im Deutschen Bundestag sowie als freier Redakteur bei dem Blog "TechnikNews".

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