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WM 2022: Katar zwingt Stadionbesucher umstrittene Apps zu installieren

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unsplash.com / Gilles Lambert
geschrieben von André Gabriel

Sollte das private Smartphone lieber zu Hause bleiben? Wer die WM 2022 vor Ort in Katar erleben möchte, muss sich zwei Apps zwingend installieren. Doch Expert:innen warnen vor erheblichen Sicherheitslücken.

Die Weltmeisterschaft in dem arabischen Golfküstenstaat gilt schon vor dem ersten Anstoß als skandalöses Massenevent. Neben den zahlreichen Menschenrechtsverletzungen und Korruptionsvorwürfen gerät Katar nun wegen zwei WM-Apps in den kritischen Fokus.

Es heißt, dass sich Fußball-Fans, die für die WM nach Katar reisen, zwingend die Apps Ehteraz und Hayya installieren müssen. Auch Amnesty International warnt vor einem großen Sicherheitsrisiko für die Privatsphäre.

WM 2022 in Katar: Diese App ist besonders gefährlich

Die Appplikation Ehteraz ist eine Corona-App, die dabei unterstützen soll, Infektionen effektiv nachzuverfolgen. Laut NRK, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Norwegen, kann die Software aber auch auf alle Daten zugreifen, die sich auf dem entsprechenden Smartphone befinden.

Zudem soll Ehteraz WLAN- und Bluetooth-Verbindungen sowie konkrete Informationen zum eigenen Standort in Echtzeit ermitteln und überwachen können. Wer trifft sich mit wem – solche Fragen kann die App leicht beantworten.

Das Grundprinzip von Ehteraz ist mit der deutschen Corona-Warn-App vergleichbar. Allerdings landen die von Ehteraz erhobenen Daten an einem zentralen Speicherort. Auf diese Weise lassen sie sich, kombiniert mit einer ID-Nummer, sehr viel einfacher einzelnen Personen zuordnen.

Hayya: Offizielle WM-App

Wer in das Land einreisen und Stadien besuchen möchte, benötigt die Hayya Card. Um diese zu verwalten, ist wiederum die offizielle WM-App Hayya nötig.

Katar lockt die Fußball-Fans vor Ort zudem mit einem Hayya-exklusiven Bonus: Mit der App können sie die öffentlichen Verkehrsmittel im Nahverkehr kostenlos nutzen.

Hayya sei weniger gefährlich als Ehteraz, heißt es. Doch auch hier sind sensible Daten nicht sicher. So könne Hayya beispielsweise private Informationen auslesen, Netzwerkverbindungen und den Standort überwachen sowie verhindern, dass das Smartphone in den Ruhemodus wechselt.

WM 2022: Expert:innen warnen vor den WM-Apps in Katar

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte schon im Sommer 2020 unter anderem vor der Ehteraz-App, die „menschenrechtlich problematisch bis gefährlich in Bezug auf willkürliche Überwachung und Verletzungen von Privatsphäre sowie Datenschutz“ sei.

Naomi Lintvedt forscht an der Universität Oslo zu Sicherheitsfragen. Auch sie bemängelt beide Katar-WM-Apps und rät deutlich davon ab, sie zu verwenden.

So sei es für die Nutzer:innen nicht möglich, ausgewählten Aspekten zu widersprechen, die sie als problematisch einstufen. Stattdessen müssen sie die Nutzungsbedingungen vollumfänglich akzeptieren – und enorme Zugriffsrechte erteilen.

„Das erlaubt Überwachung durch die Regierung, und weil es sich um Katar handelt, muss man das zusätzlich berücksichtigen“, sagt Lintvedt und ergänzt: „Damit erhöht sich das Risiko, dass die Daten für andere Zwecke verwendet werden als nur für das Nachverfolgen von Coronainfektionen.“

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Über den Autor

André Gabriel

André Gabriel schreibt seit Januar 2021 für BASIC thinking. Als freier Autor und Lektor arbeitet er mit verschiedenen Magazinen, Unternehmen und Privatpersonen zusammen. So entstehen journalistische Artikel, Ratgeber, Rezensionen und andere Texte – spezialisiert auf Entertainment, Digitalisierung, Freizeit und Ernährung. Nach dem Germanistik-Studium begann er als Online-Redakteur und entwickelte sich vor der Selbständigkeit zum Head of Content.

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