Technologie

Warntag 2022: Bitte lass es in Deutschland keine Katastrophe geben!

Alarm, Sirene, Notfall, Katastrophe, Warntag, Warntag 2022
Pixabay.com / TBIT
geschrieben von Christian Erxleben

Am 8. Dezember 2022 fand in Deutschland der bundesweite Warntag 2022 statt. Bund, Länder und Kommunen haben die Warnsysteme für Katastrophen getestet – erstmals auch via Cell Broadcast. Das Ergebnis ist ernüchternd. Eine persönliche Analyse.

Nach der schrecklichen Flutkatastrophe im Sommer 2021 war vielen Bürger:innen in Deutschland klar: Im Ernstfall schafft es unsere Regierung mehr schlecht als recht uns zu informieren. Das haben auch die Staats- und Regierungschef:innen selbst erkannt.

Deshalb hat die Bundesnetzagentur im Februar 2022 den Weg dazu geebnet, dass Katastrophenwarnungen auch über das sogenannte Cell-Broadcast-System verschickt werden können. Um genau das zu testen, hat die Bundesregierung am heutigen 8. Dezember 2022 einen bundesweiten Probealarm ausgelöst. Eigentlich.


Neue Stellenangebote

Social Media Specialist (w/m/d)
statworx GmbH in Frankfurt am Main
Werkstudent:in Social Media Performance (m/w/d)
Bayernwerk AG in Regensburg
Social Media Manager (m/w/d)
Deutsches Rotes Kreuz in Berlin

Alle Stellenanzeigen


Der bundesweite Warntag 2022: zum Glück nur eine Warnung

Nachdem um 11.45 Uhr bei manchen Smartphone-Besitzer:innen die offizielle Entwarnung eingetrudelt ist, muss man leider ein durchwachsenes Fazit ziehen. Zum Glück für Millionen von Menschen gab es keine wirkliche Katastrophe.

Denn reibungslos hat das Warnsystem keinesfalls funktioniert – weder über das neue Cell-Broadcast-System noch über die NINA-App oder andere Informationskanäle. Deshalb bleibt zu hoffen, dass die Regierung relativ zeitnah einen zweiten Testlauf durchführt.

Cell Broadcast, NINA und Co.: Kein System funktioniert bundesweit

Dieses gemischte Fazit offenbaren auch die Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Und überall sieht die Situation gleich aus: An manchen Orten und bei manchen Menschen haben manche Systeme funktioniert – und an anderen Stellen mit den gleichen Grundlagen nicht.

Jan Böhmermann beispielsweise hat keine Warn-SMS erhalten. Die Bundestagsfraktion der FDP hat sich und die Arbeit der Regierung pünktlich mit einem Meme auf Twitter gefeiert.

Und selbst in der Redaktion von BASIC thinking sind manche Mitglieder von der Lautstärke des Alarms fast vom Bürostuhl gefallen, währenddessen andere Kolleg:innen nicht einmal den Sirenenlärm im eigenen Office vernommen haben.

Manchmal hat die NINA-App gewarnt, manchmal nur nach dem Öffnen der App und an einem Smartphone hatte sich die Anwendung sogar aufgehängt. Letztendlich bleibt klar, dass nichts klar ist.

iPhone-Besitzer müssen Notfallbenachrichtigungen erst aktivieren

Dass Cell Broadcast auf älteren Geräten nicht funktioniert, weiß selbst die Bundesregierung. Deshalb gibt es eine Liste mit Geräten, die nicht über die notwendigen technischen Voraussetzungen verfügen. Bei iPhones geht es beispielsweise ab dem iPhone 6s los.

Doch auch Besitzer:innen von neueren iPhones haben am Warntag 2022 teilweise keine Warnung bekommen, weil Testwarnungen und Notfallwarnungen zunächst manuell in den Einstellungen deaktiviert werden müssen. Ein Fakt, der von der Regierung beispielsweise nicht ausreichend kommuniziert worden ist.

Dazu gehst du in die „Einstellungen“ und wählst dann dort „Mitteilungen“ aus. Dort wiederum scrollst du lange bis ans Ende des Menüs und aktivierst bei „Cell Broadcast Alerts“ alle auszuwählenden Funktionen.

Und auch hier zeigen sich wieder die beiden Gesichter am Warntag 2022: Manche Nutzer:innen haben eine Testwarnung erhalten, obwohl die Funktion nicht aktiviert war. Andere Nutzer:innen haben dagegen keine Information erhalten, obwohl alles richtig eingestellt war.

Fazit zum Warntag 2022: Deutschland ist nicht für die Katastrophe vorbereitet

Ob es nun an den Einstellungen einzelner Smartphones liegt oder an anderen Faktoren: Letztendlich ist das Fazit zum bundesweiten Warntag 2022 eindeutig. Deutschland – oder unsere Bundesregierung – ist durchgefallen.

Würde morgen tatsächlich eine bundesweite Naturkatastrophe eintreten, hätten Millionen von Menschen beim Test keine Nachricht erhalten. Das ist gerade in diesem Kontext leider nicht tragbar, weil es im Ernstfall um Millionen von Menschenleben geht.

Deshalb sollten die Verantwortlichen schnell die notwendigen Konsequenzen aus dem Scheitern ziehen. Eine Teilinformation genügt nun einmal nicht.

Damit das deutsche Katastrophenwarnsystem besser wird, sollten möglichst viele Menschen an der offiziellen Umfrage teilnehmen. Nur wenn alle Deutschen zusammenhelfen, kann auch die Regierung die möglichen Stellschrauben erkennen.

Auch interessant:

Werbung

Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

5 Kommentare

  • Es ist richtig, dass „Test Warnungen“ beim iPhone standardmäßig deaktiviert sind. Das hatte beim Alarm heute aber keine Auswirkungen. Ich hatte zwei iPhones, einmal „Test Warnungen“ aktiviert, einmal deaktiviert (= Standardeinstellung) – und beide haben Alarm geschlagen. Kolleg:innen konnten ähnliches berichten. Man musste also nichts an den Einstellungen ändern.

    • Das ist alles andere als gut recherchiert. Wie mein Vorredner / Schreiber schon aufgeführt hat, Testnachrichten sind Testnachrichten der Netzbetreiber und hatten mit der heutigen Meldung nichts zu tun. Und nur weil ein Geltungssüchtiger Möchtegern auf Twitter schreibt er habe keine Meldung erhalten muss man das nicht glauben. Hier hat alles gut funktioniert. Wenn man sich dafür interessiert hat, wurde vorab auch ausreichend informiert.

  • Sehr geehrter Herr Erxleben,

    ohne Aktien an dem Thema zu haben, finde ich es ernüchternd, wie einseitig berichtet wird, sodass ich mal eine Lanze für alle Beteiligten/Verantwortlichen brechen muss, die jetzt denken „macht’s doch selber ihr Besserwisser“ Nur weil einzelne Systeme bei Einzelnen nicht funktionieren ist Deutschland nicht gleich „nicht vorbereitet“.
    Ich bin mir sicher, dass das die Meckerfraktion auch in diesem Fall sehr viel kleiner wenn auch lauter ist, als die derjenigen, bei denen alles geklappt hat.

    Objektiv bleiben, bitte.

    Viele Grüße
    Christoph

  • Also es war in der Tat durchwachsen, was da beim Warntag passierte. Ich hatte ja die Erwartung, dass gleich eingestellte Geräte auch gleich funktionieren. Dem war nicht so.

    Telefon meiner Frau, Galaxy A53: Alarm
    Mein Telefon, Galaxy A53: kein Alarm
    Mein Firmentelefon, Galaxy A52: Alarm

    Alle 3 Telefone waren – wie gesagt – gleich eingestellt. Auch NINA hatte keinen Mucks von sich gegeben.

    Dass das Ergebnis vom Chris eher nur durchwachsen eingeschätzt wird, kann ich nachvollziehen. Denn nach Rückfrage im Kollegenkreis kann ich eben auch bestätigen, dass das Ergebnis dort auch eher „mal so, mal so“ war.

    Insofern glaube ich nicht, dass es Einzelfälle sind. Klar ist das Meckern auf hohem Niveau. Aber so vollmundig, wie das angekündigt wurde, hatte ich mehr erwartet. Und ich glaube, das meinte auch der Chris.