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Stromverbrauch: Wie viel Strom verbraucht eigentlich eine Wärmepumpe?

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geschrieben von Beatrice Bode

Um klimafreundlich zu heizen, entscheiden sich immer mehr Menschen für die Installation einer Wärmepumpe. Aber: Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe eigentlich? Wir zeigen dir, wie du den Stromverbrauch berechnest.

Die Nachfrage nach Wärmepumpen als Alternative zu Öl- und Gasheizungen nimmt zu. Statistiken zeigen, dass immer mehr Menschen die alternativen Wärmeerzeuger als primäre Heizenergiequelle nutzen.

Vor allem für Menschen, die kurz vor der Entscheidung stehen und wissen wollen, ob sich die Investition in ein entsprechendes Gerät lohnt, ist der Stromverbrauch interessant.

Wie funktioniert eine Wärmepumpe?

Wärmepumpen nutzen unterschiedliche Energieträger. Sie beziehen Wärme aus der Umgebungsluft, der Erde oder dem Grundwasser. Über einen Kältemittelkreislauf innerhalb des Geräts wird die Wärme zum Heizen nutzbar gemacht.

Ein Kompressor, Pumpen und ein Gebläse halten den Kreislauf in Gang. So wird die Wärme in die entsprechenden Wohnräume transportiert. Dieser Prozess benötigt Strom. Dabei nutzen die Pumpen aber bis zu 75 Prozent Umweltwärme und lediglich 25 Prozent Strom als Antriebsenergie.

Stromverbrauch Wärmepumpe: Auf diese Faktoren kommt es an

Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe setzt sich grundsätzlich aus fünf wesentlichen Faktoren zusammen. Jeder Einzelne ist ausschlaggebend für die Berechnung.

  • Art und Leistung: Abhängig davon, welchen Energieträger eine Wärmepumpe nutzt, wirkt sich die Art des Modells auf den jeweiligen Stromverbrauch aus.
  • Jahresarbeitszahl: Auch JAZ genannt, beschreibt den Wirkungsgrad der Wärmepumpe. Dabei nimmt man die erzeugte Wärmeenergie eines Jahres und teilt sie durch den Stromverbrauch der Pumpe im gleichen Zeitraum. Die JAZ lässt sich zwar erst im Nachhinein exakt berechnen, für die einzelnen Pumpen-Modelle gibt es allerdings Richtwerte.
  • Personenanzahl im Haushalt: Besonders beim Warmwasserverbrauch ist die Jahresarbeitszahl ausschlaggebend. Pro Person und Tag steigt sie um rund 100 Liter. Diese Menge muss die Wärmepumpe erwärmen – was zusätzlichen Strom kostet.
  • Wohnfläche: Je mehr Wohnfläche zur Verfügung steht, desto mehr muss die Wärmepumpe heizen, was sich wiederum auf den Stromverbrauch auswirkt.
  • Gebäudedämmung: Nur bei einer modernen Dämmung kann die Wärmepumpe optimal arbeiten. Gebäude mit schlechter Dämmung verlieren Wärme schneller und sorgen somit für einen erhöhten Stromverbrauch.

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe?

Zwar geben die genannten Faktoren eine Berechnungsrichtung vor. Grundsätzlich gilt allerdings: Wie viel Strom du verbrauchst, hängt letztendlich von deinem Heizverhalten ab. Um den Stromverbrauch einer Wärmepumpe zu berechnen, kannst du folgende Faustregel anwenden: Jahresarbeitszahl (JAZ) x Heizstunden = Stromverbrauch der Wärmepumpe pro Jahr. 

Stromverbrauch: So viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe?

Das Berliner Energieunternehmen Gasag hat für die verschiedenen Arten von Wärmepumpen Beispielrechnungen erstellt. Durch ihre Ergebnisse lässt sich abschätzen, wie hoch der Stromverbrauch pro Wärmepumpe unter den jeweiligen Voraussetzungen sein könnte.

Alle Beispiele gehen von einem Neubau mit Standardwärmedämmung und 120 Quadratmetern Wohnfläche aus, der pro Jahr 2.000 Stunden lang beheizt und von vier Personen bewohnt wird.

Die benötigte Heizleistung liegt bei 7,2 Kilowatt. Hinzu kommt die Warmwasserbereitung, die mit 0,25 Kilowatt pro Person und Tag angenommen wird. Der Beispielhaushalt nutzt deshalb eine Wärmepumpe mit einer Gesamtheizleistung von neun Kilowatt.

Wie viel Strom verbraucht eine Grundwasser-Wärmepumpe?

Neun Kilowatt Heizleistung geteilt durch die angenommene JAZ von fünf mal 2.000 Heizstunden ergeben 3.600 Kilowattstunden Stromverbrauch.

Wie viel Strom verbraucht eine Erdwärmepumpe?

Neun Kilowatt Heizleistung geteilt durch die angenommene JAZ von vier mal 2.000 Heizstunden ergeben 4.500 Kilowattstunden Stromverbrauch.

Wie viel Strom verbraucht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe?

Neun Kilowatt Heizleistung geteilt durch die angenommene JAZ von drei mal 2.000 Heizstunden ergeben 6.000 Kilowattstunden Stromverbrauch.

Stromkosten einer Wärmepumpe berechnen

Mit dem errechneten Stromverbrauch kannst du nun auch die Stromkosten pro Jahr überschlagen. Dazu multiplizierst du den jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden mit dem Arbeitspreis deines Stromtarifs, den du in deiner Stromrechnung ablesen kannst.

Dort findest du auch den monatlichen Grundpreis. Die Formel dazu lautet: JAZ x Heizstunden x Arbeitspreis des Stromtarifs + Grundpreis des Stromtarifs = Stromkosten pro Jahr

Stromverbrauch: Spezielle Tarife für Wärmepumpen

Verschiedene Stromanbieter:innen haben sogenannte Wärmepumpentarife mit Sonderpreisen in ihrem Angebot. Um sie in Anspruch zu nehmen, brauchst du allerdings einen separaten Stromzähler, um den Wärmepumpenstrom vom Haushaltsstrom zu trennen.

Insgesamt ist die Anschaffung einer Wärmepumpe teilweise recht kostenintensiv. Dafür liegen die Betriebskosten aber unter denen anderer Heizsysteme. Wie viel Strom deine Wärmepumpe letztlich wirklich verbraucht, wirst du allerdings erst nach einer abgeschlossenen Heizsaison erkennen können.

Sind Wärmepumpen Stromfresser?

Trotz der wachsenden Beliebtheit hält sich der Mythos, dass die alternativen Energieerzeuger Stromfresser sind. Deshalb hat sich der Bundesverband Wärmepumpe unter anderem mit diesem Thema auseinandergesetzt.


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Das Fazit: Ja, Wärmepumpen verbrauchen mehr Strom. Allerdings benötigen sie deutlich weniger Energie als eine Erdgas- oder Ölheizung, die den gleichen Raum beheizt. Bei einer Jahresarbeitszahl von drei haben sie beispielsweise nur noch ein Drittel des Energiebedarfs einer vergleichbaren Brennwertheizung.

Das heißt, dass der individuelle Energiebezug wesentlich niedriger ist. Er erfolgt nun jedoch lediglich über den Energieträger Strom. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Haushaltsverbrauch beim Strom ansteigt.

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Über den Autor

Beatrice Bode

Beatrice ist Multi-Media-Profi. Ihr Studium der Kommunikations - und Medienwissenschaften führte sie über Umwege zum Regionalsender Leipzig Fernsehen, wo sie als CvD, Moderatorin und VJ ihre TV-Karriere begann. Mittlerweile hat sie allerdings ihre Sachen gepackt und reist von Land zu Land. Von unterwegs schreibt sie als Autorin für BASIC thinking.

10 Kommentare

  • Berliner GASAG:

    „Die benötigte Heizleistung liegt bei 7,2 Kilowatt. Hinzu kommt die Warmwasserbereitung, die mit 0,25 Kilowatt pro Person und Tag angenommen wird. Der Beispielhaushalt nutzt deshalb eine Wärmepumpe mit einer Gesamtheizleistung von neun Kilowatt.‘

    Na toll – pro Stunde, pro Tag, pro Person ????

  • Leute, bei all Euren unter theoretischen Annahmen getroffenen Aussagen vergesst Ihr nur, dass die Wärmepumpen nur eine sehr begrenzte Lebensdauer haben, die Anschaffung sehr teuer ist und Strom als Energiequelle natürlich eine veredelte Form der Energie ist. Und hierzulande gewinnen wir immer noch den Hauptteil der Primärenergie aus Kohle und Gas… Daraus erst gewinnen wir Strom…
    Und jetzt die Gretchenfrage:
    Wenn doch die Netzinfrastruktur nicht für E-Autos in jedem Stadtviertel ausreicht, wie will man denn dann genügend Strom in alle Haushalte bringen, um noch zusätzlich eine Wärmepumpe (mit einem jährlichen Verbrauch eines durchschnittlichen 3 Personenhaushaltes) zu speisen. Das funktioniert ja jetzt nicht mal ohne Probleme… Und wenn die staatlich verordnete Sanierungswelle startet, werden sich die Leute wundern über Zwangsabschaltung des Netzes, explodierende Heizkosten etc.

  • Die angenommen Werte sind beim Großteil der Bestandsgebäude nicht erreichbar, die JAZ ist hier deutlich niedriger, etwa bei max. 2,5. Berücksichtigt man dann den derzeitigen Strompreis von ca. 40 Cent/Kwh, dann bedeutet dies einen Preis von ca. 16 Cent/Kwh. Im Vergleich zu den bisherigen Energieträgern ergibt sich für den Betreiber kein Kostenvorteil, sondern ein Nachteil. Dabei sind die deutlich höheren Investitionskosten für eine WP noch nicht berücksichtigt.
    Ich befürworte ausdrücklich einen Umstieg für die zukünftige Beheizung unserer Gebäude, erwarte aber auch eine faire und ehrliche Gegenüberstellung aller Kosten. Daher wünsche ich mir eine klare Trennung der Betrachtungsweise zwischen Bestand und Neubau, alles andere führt zu falschen Ergebnissen für den Hausbesitzer.
    Ich erlaube mir noch einen wichtigen Hinweis: Bei Gesprächen mit Heizungsbauern ist feststellbar, dass viele Handwerker noch nie, oder nur vereinzelt eine WP eingebaut haben. Daher fehlen auch die Argumente und die Erfahrungswerte für diese zukünftige Heiztechnik.

    • Mittlerweile sind JAZ von 4 oder mehr realistisch-sogar bei Luftwärmepumpen.
      Ich habe selbst Fernwärem, aber Bekannte mit Wärmepumpen berichten von Heizkisten günstiger als Ölheizung und auch günstiger als Gastherme.

  • Wir haben uns eine LWP angeschafft und hatten gleich Mal 3500 Euro mehr Stromkosten. Daraufhin haben wir einen Stromvertrag für kleine und Mitelständige Betriebe angeboten bekommen. Das ging gar nicht. Wir haben die Pumpe ausgeschalten heizen mit Flüssiggas und leben zufrieden in unserem Häuschen ( WF.: 94 m² ).