Wirtschaft

Mentale Gesundheit – ein Arbeitgeberproblem?

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Adobe Stock/ ARAMYAN
geschrieben von Gerold Wolfarth

Die Fallzahlen von Menschen, die mit mentalen Problemen zu kämpfen haben, sind besorgniserregend. Die Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen sind in den vergangenen zehn Jahren um 48 Prozent gestiegen. Gerade die Krankschreibungen aufgrund von Depressionen oder Ängsten bei jungen Frauen und Männern haben extrem zugenommen. Ich als Unternehmer mache mir diesbezüglich Sorgen.

Der Frage nach dem Warum möchte ich gerne nachgehen. Stress ist verallgemeinert gesagt eine der Hauptursachen für mentale Probleme. Doch die Frage, die wir uns eigentlich stellen müssen, ist, warum haben wir Stress?

Mentale Gesundheit: Warum entsteht Stress auf der Arbeit?

Ich sehe folgende Faktoren als Risiko. Die momentanen Zeiten sind herausfordernd. Krieg, Inflation, gestiegene Zinsen oder die allgemein angespannte gesellschaftliche Lage. Sicher gab es solche Herausforderungen auch schon früher, aber eine Sache hat sich seitdem verändert:


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Durch Social Media, Internet und weitere Kommunikationskanäle werden wir kontinuierlich und von mehreren Seiten auf diese Missstände aufmerksam gemacht. Ein Zurückziehen von Negativmeldungen gestaltet sich sehr schwierig!

Auch im beruflichen Umfeld stehen wir oft vor Herausforderungen, die uns noch mehr stressen. Wenn etwa weit im Voraus aufgestellte Planungen plötzlich von vorne bis hinten nicht mehr stimmen, weil Notfälle dazwischengeschoben werden, das Timing aber dennoch gehalten werden muss.

Oder wenn kurz vor einer Veranstaltung der Caterer krankheitsbedingt absagt. Wem dabei die mentale Stärke fehlt, der kann mit diesem Druck immer schlechter umgehen. Das geht umgangssprachlich gesprochen „auf die Psyche“.

Auswirkungen auf Unternehmen

Wenn sich Arbeitnehmer aufgrund von mentalen Problemen krankschreiben lassen, liegt der finanzielle Schaden in den ersten sechs Wochen beim Unternehmen, denn dieses trägt die Gehaltskosten trotz nicht erbrachter Arbeit selbst. Oft ist die Dauer der Krankschreibung im Vergleich zu physischen Erkrankungen deutlich höher.

Damit entfällt eine Arbeitskraft für lange Zeit komplett. Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Punkt ist das plötzliche Eintreten des Ausfalls. Auch wenn sich mentale Probleme in den meisten Fällen bestimmt über einen längeren Zeitraum ankündigen, kommt die Nachricht an den Vorgesetzten meistens aus dem Nichts.

Dann sind keine Übergaben oder Vorbereitungen mehr möglich. Die Aufgaben verteilen sich auf andere Kollegen und erhöhen dadurch deren Work-Load, was wiederum Auswirkungen auf deren mentale Gesundheit nach sich zieht. Ein Negativ-Kreislauf mit einer schlechten Situation für alle Beteiligten.

Kultur der offenen Tür

Ich sehe die Arbeitnehmer hier durchaus selbst in der Pflicht. In der Pflicht sich mitzuteilen. Ich kann nichts verändern, wenn ich nicht von den Problemen in Kenntnis gesetzt werde! Kommunikation ist dabei von essenzieller Bedeutung. Und die sollte in der Firmenkultur verankert sein.

Eine Kultur der offenen Tür und der direkten Kommunikation muss so gelebt werden, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich trauen mit ihren Vorgesetzten über Probleme im beruflichen Umfeld zu sprechen. Aus meiner Sicht macht es zudem Sinn, stark auf Prävention zu setzen.

Was Unternehmen sonst noch tun können

Wie meine Angestellten ihre Freizeit gestalten, kann ich nicht steuern, aber ich kann Möglichkeiten für einen gesunden und ausgleichenden Lebensstil schaffen. Meine Mitarbeiter sollen raus an die frische Luft, sollen sich sportlich betätigen, sollen ihre Freizeit so gestalten, dass sie Ausgleich und Entspannung darin finden.

All diese Sachen können Unternehmerinnen und Unternehmer unterstützen! Mit Benefits wie Jobrad, Gesundheitsleistungen, Mentalchecks, Sportangeboten und Firmensportevents. Denn Stressabbau bedeutet mentale Entlastung.

Mentale Gesundheit und Arbeit: Wer ist in der Pflicht?

Ich stimme der Aussage zu, dass Arbeitsgeber eine Verantwortung für ihre Mitarbeitenden haben – und damit auch für ihre mentale Gesundheit. Immerhin verbringen Angestellte im Schnitt acht Stunden bei der Arbeit. Und natürlich sollte diese Zeit möglichst angenehm für alle gestaltet werden.

Zumutbare Aufgaben, ein funktionierendes Team und ein allgemein positives Arbeitsklima sind hierbei unabdingbar. Aber ein großer Teil liegt eben auch außerhalb der Zuständigkeit des Unternehmens. Und hier ist es umso wichtiger, dass auch gesamtgesellschaftliche Strukturen helfen.

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Über den Autor

Gerold Wolfarth

Gerold Wolfarth ist Gründer und CEO der bk Group AG, dem Marktführer im Bereich Ladenbau und technisches Facility Management. Als Gründer und CEO der bk World Holding GmbH revolutioniert er das Langstreckenreisen mit dem Elektroauto. Er ist Gesellschafter der NIXDORF KAPITAL AG und Impact-Investor. Seine Themen sind Innovationen, Nachhaltigkeit und Visionen. Zudem ist er Autor des Buches „Gewinn ist nur ein Nebenprodukt“.

1 Kommentar

  • „Ich sehe die Arbeitnehmer hier durchaus selbst in der Pflicht. In der Pflicht sich mitzuteilen. Ich kann nichts verändern, wenn ich nicht von den Problemen in Kenntnis gesetzt werde! “ was für ein Hohn, lieber Gerold! Wer diese Probleme von deinen Mitarbeitern hat, wird ganz bestimmt zu Dir kommen……

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