Wirtschaft

Bezahlen mit PayPal? Wer braucht das schon!

Bezahlen mit PayPal, Paypal bezahlen
PayPal
geschrieben von Christian Erxleben

„Wie? Du hast kein PayPal?“ Diese Frage höre ich in regelmäßigen Abständen seit Jahren – und ich verstehe sie einfach nicht. Ich war noch nie in einer Situation, in der ich das Bezahlen mit PayPal wirklich gebraucht hätte. Deshalb ist der Abstieg der PayPal-Aktie auch nur logisch. Ein zynischer Kommentar.

9 von 10 Deutschen bezahlen mit PayPal

PayPal ist eine Instanz in Deutschland. Wenn es um digitale Bezahlungen und Überweisungen geht, scheint kein Weg am Dienst aus dem kalifornischen San José vorbeizuführen. Eine repräsentative Umfrage der Marktforscher von Statista zur Nutzung von Online-Bezahldiensten liefert beeindruckende Ergebnisse.

So haben von den 4.115 Befragten im Zeitraum zwischen Januar und Dezember 2022 immerhin 91 Prozent eine Rechnung via PayPal beglichen. Weit abgeschlagen mit 50 Prozent folgt Klarna auf dem zweiten Platz. Auf nur noch 28 Prozent kommt Amazon Pay. Das reicht immerhin noch für den dritten Platz.


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33 Millionen PayPal-Kunden in Deutschland

Und noch eine weitere Zahl ist durchaus beeindruckend: So gab es Ende 2022 in Deutschland rund 33 Millionen PayPal-Nutzer. Selbstverständlich gehören dazu auch einige Händler. Trotzdem entfällt der Großteil der aktiven Kundenkonten in Deutschland auf Privatpersonen.

Im Vergleich zum Vorjahr konnte PayPal damit in Deutschland rund eine Million neue Kunden gewinnen. Rund um den Globus gibt es sogar 430 Millionen aktive PayPal-Accounts. Insbesondere zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 sind die Nutzerzahlen massiv in die Höhe geschossen. Schließlich war bargeldloses Zahlen vielerorts unerwünscht.

PayPal-Aktie seit dem Ende der Corona-Pandemie auf dem Abstieg

Gemeinsam mit dem massiven Nutzerzuwachs zu Beginn der Corona-Pandemie hat sich in der ersten Zeit auch der Aktienkurs entwickelt. Vom Corona-Crash-Tief im März 2020 hat sich die PayPal-Aktie von einem damaligen Kurs von rund 85 Euro auf über 262 Euro im Juni 2021 hochgeschraubt.

Doch seitdem geht es für die PayPal-Aktie steil bergab. Anfang 2024 pendelt der Wert einer PayPal-Aktie gerade einmal um die 50 Euro. Dabei liefert das Bezahl-Unternehmen eigentlich solide Zahlen. So lag der Quartalsumsatz im September 2023 bei 7,42 Milliarden US-Dollar und der Gewinn lag bei knapp über einer Milliarde US-Dollar.

Wo liegt also das Problem? Eine einfache Antwort – insbesondere mit Blick auf den Aktienkurs – gibt es selbstverständlich nicht. Trotzdem sehe ich mich mehr und mehr in meiner Meinung bestätigt: Bezahlen mit PayPal? Das braucht es nicht!

Seit mehreren Jahren werde ich in regelmäßigen Abständen schräg angeschaut, wenn ich erzähle, dass ich kein PayPal nutze. Tatsächlich habe ich nie einen gesteigerten Mehrwert darin gesehen. Schließlich gab und gibt es mehr als genug Alternativen. Das scheint mittlerweile auch am Börsenparkett angekommen zu sein, weswegen die rosigen Wachstumsphasen der PayPal-Aktie wohl der Vergangenheit angehören.

PayPal und die zwei Seiten der Bequemlichkeit

Wer im Freundeskreis zusammen Pizza bestellt, überweist sich schnell das fehlende Geld per PayPal. Das mag praktisch sein. Trotzdem besteht keine Notwendigkeit dazu, den Online-Bezahldienst zu nutzen. Schließlich gibt es (zum Glück) noch Bargeld. Insbesondere im Freundschaftskreis ist es nicht notwendig, alles sofort zu bezahlen.

Natürlich kann ich verstehen, dass der Faktor Bequemlichkeit eine große Rolle spielt. Und genau diesen erfüllt PayPal. Ein paar Taps auf dem Smartphone genügen und schon hast du deine Schulden beglichen.

Kreditkarte + Smartphone = <3

Allerdings hat auch der Rest der Finanzwelt in den letzten Jahren nicht geschlafen. So gibt es für mich schon immer – und auch immer mehr – eine komfortable Alternative zu PayPal: die gute alte Kreditkarte. In Kombination mit den digitalen Geldbörsen Google Pay und Apple Pay stellen Kreditkarten die ultimative Allzweckwaffe dar.

Eine zusätzliche Bezahl-App wie PayPal wird damit überflüssig. Zumal Kreditkarten immer erschwinglicher werden und neben dem Bezahlen auch noch zahlreiche andere Vorteile wie kostenlose Versicherungen mit sich bringen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass laut einer Untersuchung der Bundesbank immerhin 54 Prozent der Deutschen eine Kreditkarte besitzen. Die Anzahl der ausgegebenen Kreditkarten hat sich schon Ende 2021 auf über 38 Millionen belaufen – Tendenz steigend.

Sofort-Überweisungen bei Banken werden kostenlos

Während sich PayPal also auf seiner Bequemlichkeit ausruht, nehmen klassische Finanzinstitute dem ehemaligen Online-Pionier nach und nach die sprichwörtliche Butter vom Brot. Und damit nicht genug: Selbst die Europäische Union trägt dazu bei, dass PayPal womöglich noch weiter an Bedeutung verliert.

Ende 2023 haben der Europäische Rat und das Europäische Parlament eine Einigung darüber erzielt, dass Sofortüberweisungen in Europa (inklusive Norwegen, Liechtenstein und Island) künftig kostenlos sein sollen. Dies ist die Konsequenz der Entscheidung, dass Echtzeitüberweisungen in Euro nicht mehr teurer sein dürfen als Standard-Überweisungen.

Somit verlieren zwar Banken eine Einnahmequelle. Aus Nutzersicht wird es jedoch noch einfacher, Rechnungen online schnell und unkompliziert zu begleichen. Damit wird das Bezahlen mit PayPal noch ein Stück weit unnötiger.

Das liegt auch daran, dass (fast) jeder Mensch ohnehin bei einer Bank ist. Wenn das Spektrum der Finanzinstitute wächst, sind weniger zusätzliche Dienstleister wie PayPal notwendig. Denn dann schlägt wieder die Bequemlichkeit zu: Wieso soll ich die PayPal-App nutzen, wenn ich doch ohnehin alles über die App meiner Bank am Smartphone abwickeln kann?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Kommentar. Diese journalistische Stilform spiegelt die Meinung des Autors wider. Kommentare sind weder objektiv noch sind sie für die gesamte Redaktion repräsentativ.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig.