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Fingerabdrücke nicht einzigartig? Künstliche Intelligenz lässt Forscher verzweifeln

Fabian Peters
Adobe Stock/ WavebreakMediaMicro

US-Forscher haben ein KI-Tool programmiert, um 60.000 Fingerabdrücke zu untersuchen. Das Resultat: Die Künstliche Intelligenz behauptet, dass menschliche Fingerabdrücke nicht einzigartig sind. Die Forscher können sich die Ergebnisse bislang nicht erklären. 

Fingerabdrücke sind einzigartig: So lautet ein weit verbreiteter Glaube. Doch Forschungsergebnisse von der Columbia University in New York stellen das nun in Frage. Denn ein Team rund um den Robotik-Forscher Hod Lipson hat ein KI-Tool programmiert, um 60.000 Fingerabdrücke zu untersuchen.

KI behauptet, dass Fingerabdrücke nicht einzigartig sind

Einige der Abdrücke gehörten zu ein und derselben Person, aber zu unterschiedlichen Fingern. Andere stammten von verschiedenen Personen. Das Ziel der Forscher: Sie wollten herausfinden, welche Fingerabdrücke von welcher Person stammen.

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Den Ergebnissen zufolge wurde die KI mit der Zeit immer besser darin, die Abdrücke zuzuordnen. Die Forscher sprechen von einer Genauigkeit von bis zu 77 Prozent.

Bei mehreren Abdrücken von einer Person war der Wert dabei am höchsten. Das würde jedoch bedeuten, dass nicht jeder Fingerabdruck einzigartig ist, sondern es gewisse Übereinstimmungen geben muss. Die KI sei außerdem zehnmal effizienter gewesen als die derzeitige Forensik.

Künstliche Intelligenz lässt Forscher verzweifeln

Nachdem die Forscher ihre Ergebnisse verifiziert hatten, schickte sie sie an eine renommierte Fachzeitschrift für Forensik, erhielten aber ein Absage. Der anonyme Gutachter und Herausgeber begründete seine Entscheidung damit, dass „jeder Fingerabdruck bekanntlich einzigartig ist“.

Es sei daher nicht möglich Ähnlichkeiten festzustellen, selbst dann nicht wenn die Abdrücke von ein und derselben Person stammen. Die KI-Forscher gaben jedoch nicht auf und fütterten ihr System mit weiteren Daten, woraufhin es immer besser wurde. Nachdem die Ergebnisse erneut abgelehnt wurden, legte Forschungsleiter Hod Lipson Einspruch ein:

„Normalerweise argumentiere ich nicht gegen redaktionelle Entscheidungen, aber dieses Ergebnis war zu wichtig, um es zu ignorieren“. Denn das System könne dazu beitragen, dass ungeklärte Kriminalfälle gelöst werden oder sogar Unschuldige freigesprochen werden. Nach langem Hin und Her veröffentlichte schließlich das Wissenschaftsmagazin Science Advances die Arbeit.

Einziger Knackpunkt: Die Forscher können nicht eindeutig erklären, wie die KI funktioniert. Sie gehen jedoch davon aus, dass das System eine neue Art von forensischen Markern verwendet. Die Vermutung: Die KI nutzt keine Verzweigungen und Muster in Fingerabdrücken, sondern Winkel und Krümmungen, um zu den Ergebnissen zu gelangen.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).