Wirtschaft

Bürgergeld-Mythos: Arbeit lohnt sich immer mehr als Nichtstun – sagt Studie

Bürgergeld, Geld, Münzen, Euro
Adobe Stock / zephyr_p
geschrieben von Maria Gramsch

Das Bürgergeld ist umstritten. Kritiker argumentieren, dass es Menschen davon abhalten könnte, einer Arbeit nachzugehen. Doch eine neue Studie zeigt nun, dass sich Arbeit mehr lohnt als Nichtstun.

Im Januar 2024 ist das Bürgergeld zuletzt angestiegen. Seitdem erhalten Erwachsene im Monat 61 Euro mehr als bisher. Doch das Bürgergeld, das ab 2023 das ALG II, also „Hartz IV“, abgelöst hat, hat nicht nur Befürworter:innen.

Die Kritik liegt meistens darin, dass das Bürgergeld dazu verleiten könnte, keine Arbeitsstelle anzunehmen. Es sei vielmehr leicht „verdientes“ Geld.


Neue Stellenangebote

Growth Marketing Manager:in – Social Media
GOhiring GmbH in Homeoffice
Content Marketing Expert / Social Media Expert Publications (w|m|d)
zeb.rolfes.schierenbeck.associates gmbh in Münster
Senior Social Media Manager:in im Corporate Strategy Office (w/d/m)
Haufe Group SE in Freiburg im Breisgau

Alle Stellenanzeigen


Doch laut einer neuen Studie des ifo Instituts ist das Bürgergeld nicht so lukrativ, wie viele behaupten. Arbeit führe in Deutschland „immer zu höheren Einkommen als Nichtstun“, so das Studienergebnis.

Wie sehr lohnt sich das Bürgergeld?

Für ihre Untersuchung haben die Forschenden das zur Verfügung stehende Geld von Bürgergeldempfänger:innen sowie Mindestlohnbezieher:innen miteinander verglichen. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass die Sozialleistungen allein nicht lukrativer sind als das Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit.

Dies sei insbesondere für Menschen der Fall, die arbeiten und zusätzlich alle zur Verfügung stehenden Sozialleistungen wie beispielsweise Wohngeld in Anspruch nehmen. Das geht aus den Berechnungen des ifo Instituts hervor.

Wer arbeitet und alle Sozialleistungen in Anspruch nimmt, die ihm zustehen, hat immer mehr verfügbares Einkommen als jemand, der nicht arbeitet und nur Sozialleistungen bekommt.

Behauptungen über lohnendes Nichtstun sind falsch

Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen, erklärt: „Die von manchen Politikern aufgestellte Behauptung, wer nur Sozialleistungen beziehe, bekomme netto mehr als ein Geringverdiener, ist schlicht falsch.“

Dies sei ausgeschlossen, da „die Freibeträge für Erwerbstätige bei der Anrechnung von Einkommen auf die Sozialleistungen gibt, um genau das zu verhindern“, wie ifo-Forscher Maximilian Blömer hinzufügt.

Einkommen inklusive Sozialleistungen übersteigen das Bürgergeld

Laut der Berechnung des ifo Instituts hätten nur die Menschen weniger Geld zur Verfügung, die als Geringverdiener:innen gelten und keine Sozialleistungen in Anspruch nehmen. „Nur wenn ein Alleinstehender mit 1000 Euro Brutto-Einkommen keinerlei Sozialleistungen beantragt, die er erhalten kann, dann landet er bei 357 Euro netto“, rechnet Manuel Pannier vom Center for Economic Studies (CES) in München vor.

Im Vergleich dazu stehe ein Budget von 891 Euro, das Alleinstehende in einer Stadt mit mittlerem Mietniveau bei einem Verdienst von 1.000 Euro brutto plus Sozialleistungen zur Verfügung steht. Hier sind Steuern und Sozialabgaben bereits abgezogen.

Das Bürgergeld hingegen beträgt nur 563 Euro im Monat. Ist also weit abgeschlagen hinter den Einkünften aus Erwerbstätigkeit und möglichen Sozialleistungen.

Bei Alleinerziehenden klaffen die Beträge ebenfalls auseinander. Menschen, die von Sozialleistungen leben, erhalten in einem solchen Fall netto 1.553 Euro. Arbeitende Alleinerziehende mit einem Bruttoverdienst von 1.000 Euro, die zusätzlich Sozialleistungen in Anspruch nehmen, kommen monatlich auf 2.033 Euro. „Wer allerdings keinerlei Sozialleistungen beantragt, der landet mit 1.000 Euro brutto nur bei 622 Euro“, sagt ifo-Forscherin Lilly Fischer.

Auch interessant:

Über den Autor

Maria Gramsch

Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig.

Kommentieren