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Batterien: Der Solar-Moment der europäischen Autoindustrie

Fabian Peters
Bild: Volkswagen AG

Die deutsche und die europäische Autoindustrie gehörten technologisch jahrelang zur absoluten Weltspitze. Bei der Elektromobilität hat China mittlerweile einen schier uneinholbaren Vorsprung. Aufgeben ist aber keine Option. Im Gegenteil: Souveränität ist jetzt ein Muss.

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Umsatz mit E-Auto-Batterien in Europa wird steigen

  • Die Wirtschaftsberatung Deloitte geht davon aus, dass der Umsatz mit E-Auto-Batterien in Europa von 2024 bis 2030 von gut 16 auf 54 Milliarden Euro steigen könnte. Sofern Europa in den kommenden Jahren nicht aufholt, könnte die Abhängigkeit von Herstellern aus China und anderen asiatischen Ländern weiter zunehmen.
  • In den nächsten zehn Jahren wird sich der Bedarf an Antriebsbatterien in der EU laut einer Studie voraussichtlich versechsfachen. Ein wichtiges Thema dabei: Recycling. Denn aus gebrauchten Antriebsbatterien lassen sich Wertstoffe für die Produktion von neuen Antriebsbatterien gewinnen. Das kann nicht nur die Unabhängigkeit Europas, sondern auch die Umwelt- und Kreislaufwirtschaft ankurbeln.
  • Trotz steigendem Bedarf an E-Autobatterien haben die meisten deutschen Autobauer ihre Akku-Pläne aus Kostengründen und aufgrund des komplizierten Zugangs zu kritischen Rohstoffen an den Nagel gehangen. Einzig VW führt einen fast schon einsamen Kampf gegen China. In einer neuen Fabrik in Salzgitter sollen künftig bis zu 60.000 Batteriezellen pro Tag produziert werden. Paradoxerweise zunächst auch mit Batterietechnologie aus China.

Batterien aus China gefährden Europas Souveränität

Die Abhängigkeit von E-Auto-Batterien aus China gefährdet sowohl die technologische Souveränität als auch die Versorgungssicherheit europäischer Hersteller. Die geopolitischen Rahmenbedingungen in Europa stellen zwar eine Herausforderung dar, sind jedoch nicht unüberwindbar.

Zahlreiche Autobauer und Unternehmen sind mit ihren Batterie-Plänen etwa aufgrund eines fehlenden Zugangs zu kritischen Rohstoffen, hohen Kosten und einem schleppenden Hochlauf der E-Mobilität gescheitert.

Doch aufgeben darf und kann keine Option sein, wenn Europa nicht zum politischen Spielball Chinas werden will. Das Problem: Vor allem in Deutschland hat der Schlingerkurs der Politik viele Unternehmen verunsichert – ähnlich wie bei der Mobilitätswende.

Hinzu kommen hohe Energiekosten, die es zu reduzieren gilt. Strom in Deutschland ist übrigens nur aufgrund zahlreicher Abgaben relativ teuer. Die reine Stromerzeugung ist mit rund 40 Prozent in der Gesamtrechnung sogar eher erschwinglich – auch weil die Erneuerbaren günstig sind. Stromsteuer, Mehrwertsteuer und Netzentgelte verzerren jedoch das Bild.

Stimmen

  • Deloitte-Studienautor Harald Proff schlägt Alarm: „Wenn europäische Unternehmen bei der Batterieproduktion nicht massiv aufholen, zahlen sie einen hohen Preis. Unsere Versorgungssicherheit und technologische Souveränität sind in Gefahr.“
  • Die EU will die Batterieproduktion in Europa fördern. Kommissionschefin Ursula von der Leyen dazu: „Auf der Angebotsseite werden wir ein Batterie-Förderpaket namens ‚Battery Booster‘ auflegen, das 1,8 Milliarden Euro Eigenkapital bereitstellt, um die Produktion in Europa anzukurbeln. Diese Initiative stärkt daher einen Eckpfeiler unserer Unabhängigkeit“.
  • Andreas Herrmann, Direktor des Instituts für Mobilität der Universität St. Gallen, ist hinsichtlich Batterien aus Europa skeptisch: „Sie macht bei Elektroautos 35 Prozent der Wertschöpfung aus. In Europa ist das ein Zukaufteil, das in Asien beschafft wird. Alles, was ich höre, sagt mir: Da haben wir keine Chance mehr, den Zug haben wir verpasst. Wir können nur darauf hoffen, dass irgendwann ein technologischer Sprung kommt, bei dem wir wieder einsteigen können.“

Aus der aktuellen Schwächephase könnte eine Stärke werden

Die Industrie allein wäre mit der Aufholjagd voraussichtlich überfordert. Um die europäische Souveränität und Wirtschaft zu stärken, braucht es neben einer koordinierten Industriepolitik vor allem finanzielle Förderungen. Ob die angekündigten 1,8 Milliarden Euro der EU reichen, ist aber fraglich.

Die kaum noch existierende Solarbranche in Deutschland sollte ein warnendes Beispiel sein. Denn Gelder für den Aufbau von Produktionskapazitäten werden nicht reichen. Es braucht auch langfristige Zuschüsse, wenn man China nicht auch die Batterieindustrie überlassen will.

Der europäische Mittelstand sollte die Massenproduktion Großkonzernen wie VW überlassen und stattdessen in Nischen wie das Batterie-Recycling und Kühlsysteme investieren. Wenn all das Hand in Hand greift, könnte aus Europas aktuelle Schwächephase sogar eine Stärke werden – und zwar in Form von Klasse statt Masse.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).