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Gefährliches Urteil: Sofortige Schufa-Löschung kann zur Schuldenfalle werden

Tibor Bauer
© 2025 SCHUFA Holding AG

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Am 6. November 2025 verhandelt der Bundesgerichtshof (BGH) die Speicherfristen von Schufa-Daten. Für Millionen Verbraucher bedeutet eine sofortige Schufa-Löschung Befreiung – oder Rückfall. Für die Wirtschaft wird das Urteil zu einer Frage der Stabilität. Eine Analyse von Tibor Bauer – alias „Mr. Schufa“.

Am 6. November 2025 blickt die Finanzwelt nach Karlsruhe. Dort wird der Bundesgerichtshof über ein Thema urteilen, das das Verhältnis von Datenschutz, Kreditvergabe und Eigenverantwortung neu definieren könnte: Darf die Schufa negative, aber bereits bezahlte Einträge weiterhin drei Jahre lang speichern oder müssen sie sofort gelöscht werden?

Es ist eine Frage, die tief in das Selbstverständnis der deutschen Bonitätskultur eingreift. Denn die Schufa ist längst nicht mehr nur ein Datenarchiv, sondern Teil der wirtschaftlichen Infrastruktur: Die Wirtschaftsauskunftei entscheidet mit, wer ein Konto bekommt, einen Kredit, eine Wohnung oder sogar einen Mobilfunkvertrag.

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Schufa-Löschung: Ein Urteil mit Signalwirkung

Den Anstoß gab ein Urteil des Oberlandesgerichts Köln (OLG Köln) vom 10. April 2025. Die Richter erklärten die gängige Dreijahresfrist für nicht vereinbar mit der DSGVO. Sie forderten, dass beglichene Schulden unverzüglich gelöscht werden müssten.

Die Schufa legte Revision ein, doch die Entscheidung des OLG Köln hatte bereits Spuren hinterlassen: Zahlreiche Gerichte nutzten sie als Vorlage für eigene Urteile.

Schon im Dezember 2023 hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit einem Urteil zur Restschuldbefreiung für Bewegung gesorgt. Er beschränkte die Speicherung entsprechender Daten auf sechs Monate – ein erster Bruch in der bis dahin unangetasteten Verteidigungslinie der Auskunfteien.

Nun steht das gesamte System auf dem Prüfstand. Und das früher als erwartet: Dass der BGH die Revision bereits ein halbes Jahr nach Einreichung verhandelt, überrascht selbst Branchenkenner.

Zwischen Hoffnung und Befürchtung

Die Fronten sind klar: Auf der einen Seite stehen Verbraucher, die nach Jahren der Einschränkung endlich wieder wirtschaftlich handlungsfähig sein wollen. Für sie ist die Schufa ein Symbol der Fremdbestimmung. Sie fordern, dass bezahlte Schulden nicht länger als Stigma behandelt werden.

Auf der anderen Seite stehen Banken, Händler und Dienstleister, die auf eine funktionierende Bonitätsprüfung angewiesen sind. Ihre Geschäftsmodelle beruhen auf Risikodaten. Sie wollen wissen, wem sie Kredit gewähren.

Beide Seiten haben nachvollziehbare Argumente. Doch das Spannungsfeld zeigt: Ein radikaler Schnitt hätte nicht nur ethische, sondern auch ökonomische Konsequenzen.

Folgen der Schufa-Löschung: Die Illusion der makellosen Bonität

Was in der öffentlichen Debatte selten vorkommt, ist die psychologische und praktische Folge einer sofortigen Schufa-Löschung. Wenn der letzte negative Eintrag verschwindet, springt der Schufa-Score regelmäßig auf über 90 Prozent – in Einzelfällen sogar auf 95 Prozent. Ehemalige Schuldner gelten plötzlich wieder als uneingeschränkt kreditwürdig.

Doch damit entsteht eine gefährliche Dynamik: Wer über Jahre finanziell eingeschränkt war, erlebt die neu gewonnene Bonität als Befreiung – und gerät leicht in Versuchung, alte Fehler zu wiederholen.

Studien zeigen, dass ein Großteil der Schuldner die Ursachen ihrer finanziellen Probleme außerhalb der eigenen Verantwortung sehen. Kredite, Ratenkäufe und Finanzierungen werden so schnell wieder zur Gewohnheit – und der Weg zurück in die Überschuldung ist kürzer, als viele glauben.

Auch die Wirtschaft wäre von einer sofortigen Schufa-Löschung betroffen. Ohne Bonitätsdaten müssten Unternehmen höhere Risikoaufschläge berechnen: in Form von Zinserhöhungen, höheren Sicherheiten oder strengeren Vertragsbedingungen. Was Verbraucher eigentlich schützen soll, könnte sich gegen sie richten – weil der Zugang zu günstigen Krediten schwieriger wird.

Eine Frage der Balance

Die Lösung liegt nicht im Extrem, sondern im Ausgleich. Eine Abkühlphase von sechs bis zwölf Monaten nach Erledigung einer Forderung könnte beiden Seiten gerecht werden: Verbraucher erhielten Zeit, ihre finanzielle Stabilität zu sichern, während Gläubiger weiterhin auf nachvollziehbare Bonitätsdaten zugreifen könnten.

Langfristig wäre auch ein differenziertes Modell denkbar: Wer Schulden schnell begleicht, profitiert von einer verkürzten Speicherfrist. Wer länger braucht, wird erst später gelöscht. Das wäre nachvollziehbar, fair und würde den Charakter von Bonität als Vertrauensbeziehung bewahren.

Schufa-Löschung: Das Urteil mit Sprengkraft

Das BGH-Urteil am 6. November 2025 wird meiner Ansicht nach weitreichende Folgen haben. Es wird entscheiden, wie Deutschland künftig das Gleichgewicht zwischen Datenschutz, Verantwortung und Vertrauen definiert.

Wird es die Ära der persönlichen Datenbefreiung von Verbrauchern einläuten oder eine Welle ungewollter Neuverschuldung auslösen? Beides ist möglich. Und genau deshalb handelt es sich um eines der gefährlichsten Urteile des Jahres.

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Tibor Bauer ist Affiliate Consultant mit über 20 Jahren Berufserfahrung. Ende 2023 startete er unter dem Namen „Mr. Schufa“ einen TikTok-Kanal Seine Kernkompetenzen sind die Schufa, Schulden und Insolvenzen. Seine Community umfasst mittlerweile über 130.000 Follower. Pro Live-Auftritt hören ihm über 13.000 Menschen zu. Mr. Schufa ist einer der am schnellsten wachsenden deutschsprachigen Content Creators auf Tiktok.