Solarautos

Warum Solarautos nur ein Nischendasein fristen

Fabian Peters
Nissan

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Um die Reichweite von E-Autos zu erhöhen, setzen einige Hersteller auf Solarzellen, die am Fahrzeug Strom erzeugen. Die Zellen werden etwa direkt in die Karosserie eingebaut, um den nächsten Ladestopp hinauszuzögern. Bis Solarfahrzeuge wirklich attraktiv sind, dürfte es aber noch einige Jahre dauern – und selbst dann werden sie nur ein Nischendasein fristen. 

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Solarautos: Die bislang größte Herausforderung

  • Beim Solarauto wandeln die verbauten Solarzellen Sonnenenergie, wie bei klassischen Solaranlagen, in elektrischen Strom um. Die Zellen sind beispielsweise auf dem Autodach oder der Motorhaube verbaut. Sie erzeugen während der Fahrt Strom und wenn das Auto in der Sonne steht. Der gewonnene Strom kann beim Fahren direkt an den E-Motor weitergeleitet oder in der Batterie gespeichert werden.
  • Bislang haben sich vor allem kleinere Hersteller wie das deutsche Unternehmen Sono Motors oder das niederländische Start-up Lightyear an Solarautos versucht – und sind gescheitert. Aktuell versuchen sich unter anderem Nissan und der US-amerikanische Autobauer Aptera an einem Solarauto – allerdings mit sehr unterschiedlichen Konzepten.
  • Die bislang größte Herausforderung bei Solarautos: Solarzellen haben einen begrenzten Wirkungsgrad von rund 20 Prozent. Das heißt, dass nur 20 Prozent der eintreffenden Sonnenenergie in Strom umgewandelt werden. Ein E-Auto kommt beim klassischen Laden auf einen Wirkungsgrad von circa 85 Prozent. Die Reichweite durch Solar variiert je nach Hersteller und Modell zwischen 30 und 60 zusätzlichen Kilometern pro Tag.

Solarautos sind noch nicht alltagstauglich

Solarautos können Ladestopps hinauszögern und ermöglichen es, während des Parkens und der Fahrt mehr Reichweite zu ernten. Das „Tanken“ von Sonnenenergie kostet zwar nichts und erhöht die Unabhängigkeit von Strompreisen, doch der Nutzen ist stark wetter- und jahreszeitenabhängig.

Die Solarenergie allein reicht für den Betrieb eines Elektroautos deshalb nicht aus. Batterien müssen zusätzlich geladen werden, um realistische Reichweiten zu erzielen. Klassische Solarzellen lassen sich zudem nicht einfach auf ein Auto kleben.

Für Hersteller sind Design, Optik und praktischer Nutzen nach wie vor ein Drahtseilakt zwischen Funktionalität und ästhetischem Anspruch. Außerdem sind die Kosten hoch: Neben den Modulen selbst fallen Ausgaben für Verkabelung, Befestigung, Leistungselektronik und Sicherheitskomponenten an.

Die erhöhte Komplexität treibt Fehleranfälligkeit und Reparaturkosten nach oben. Trotz theoretischer Vorteile ist die Technologie im Alltag eher ein nettes Gimmick – charmant, aber noch weit entfernt von der Alltagstauglichkeit.

Stimmen

  • Steve Fambro, Co-CEO und Mitgründer von Aptera Motors, ist optimistisch: „Solarmobilität ist mehr als nur ein technologischer Durchbruch. Sie ist ein Schritt in Richtung echter Energiefreiheit. Als gemeinnütziges Unternehmen richten wir unsere Unternehmensführung an diesem Ziel aus und stellen sicher, dass jede Entscheidung, die wir treffen, vom langfristigen Wohlergehen unserer Gemeinden und unseres Planeten geleitet ist.“
  • Nachdem Sono Motors Insolvenz beantragt hatte, erfolgte nach der Rettung durch einen Investor ein Strategiewechsel. George O’Leary, CEO der Muttergesellschaft Sono Group, dazu: „Die Umbenennung unserer Tochtergesellschaft in SonoSolar markiert eine wichtige Entwicklung weg vom Automobilhersteller. Diese neue Identität schärft unseren Fokus auf Nutzfahrzeuge. Wir konzentrieren uns darauf, Solar-Lösungen für Nutzfahrzeuge in großem Maßstab anzubieten.“
  • Autopapst Ferdinand Dudenhöffer bescheinigte den ambitionierten Plänen vieler Hersteller bereits 2020 keine rosige Zukunft. Er sollte in gewisser Weise Recht behalten: „Die Sonnenenergie, die für einen alltagstauglichen Betrieb eines Elektroautos notwendig ist, finden Sie allenfalls in der Sahara. Den Traum des Perpetuum mobile hat die Menschheit schon lange. Aber nach meiner Einschätzung wird die Reichweite zu gering sein.“

Warum Solarautos nur ein Nischendasein fristen

Bislang hat sich kaum einer der großen Autohersteller an Solarautos gewagt. Der Grund: Die Technologie ist noch nicht weit genug, um für potenzielle Kunden attraktiv zu sein.

Sinkende Kosten und Fortschritte in der Solartechnologie wie in Form von Perowskit-Solarzellen mit höheren Wirkungsgraden könnten das aber ändern – zumindest in Form von Fahrzeugen, die zusätzlich mit Solar als Ergänzung betrieben werden.

Der Nutzen von einer Zusatzreichweite durch die Sonne ist vor dem Hintergrund steigender Reichweiten durch fortschrittliche Batterien aber fraglich. Der größte Vorteil könnten Einsparungen durch kostenloses „Tanken“ sein – das kann aber auch eine Solaranlage am Eigenheim leisten.

Solarautos werden deshalb allenfalls ein Nischendasein fristen. Im Nutzfahrzeugbereich könnte Photovoltaik aber an Bedeutung gewinnen. Lkw bieten etwa mehr Nutzfläche, um eine gewisse Effizienz zu garantieren. Für Hersteller könnten Solarpacks wie von SonoSolar einen Unterschied ausmachen, um CO2-Flottenvorgaben einzuhalten.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).