KI Fußball Krisen

Trainerentlassung unnötig? KI macht Krisen im Fußball messbar

Maria Gramsch
Bild: Adobe Stock / k_yu

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Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie haben ein datenbasiertes Modell entwickelt, das Krisen im Profifußball objektiv erkennen soll. Mithilfe mathematischer Indikatoren zeigt es, wann Leistungsschwächen über das normale Auf und Ab hinausgehen.

Die Bedeutung von Fußball geht längst über den reinen Sport hinaus. Weltweit gilt die Sportart als enormer Wirtschaftsfaktor und ist gleichzeitig ein kulturelles Massenphänomen. Allein die fünf Top-Clubs Real Madrid, Manchester United, FC Barcelona, FC Liverpool und Bayern München erreichten im Jahr 2025 einen Wert von mehr als 80 Milliarden US-Dollar.

Doch der sportliche Erfolg lässt sich auch mit Milliardenbewertungen nicht garantieren. Denn bleiben die Siege aus, können selbst wirtschaftlich wertvolle Vereine schnell in Krisen geraten.

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Doch genau dafür haben Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) nun ein Frühwarnsystem entwickelt. Denn mit ihrem neuen Krisenmodell für den Profifußball können die Forscher Leistungsabfälle von Mannschaften quantifizieren und so Krisen frühzeitig sichtbar machen.

Forscher entwickeln Frühwarnsystem für den Profifußball

In Krisensituationen gehört ein kurzfristiger Trainerwechsel im Profifußball zu den gängigsten Maßnahmen der Vereinsfunktionäre. Doch wie zielführend das genau ist, lässt sich bisher nur schwer aufzeigen.

Denn Leistungseinbrüche haben oft vielfältige Ursachen und liegen nicht zwangsläufig in der alleinigen Verantwortung des Trainers. Die Forscher des KIT setzen genau hier an und haben ein datenbasiertes Modell entwickelt, mit dem sich sportliche Krisen objektiv analysieren und voneinander abgrenzen lassen.

In ihrer Studie, die im German Journal of Exercise and Sport Research veröffentlicht wurde, zeigen sie, wie sich emotionale und mentale Prozesse im Sport mit mathematischen Modellen abbilden lassen. Mithilfe der Mathematik können hierbei Teamdynamiken greifbar gemacht werden.

„Wir wollten verstehen, wann und warum eine Mannschaft in eine Krise gerät und wie sich solche Phasen anhand objektiver Daten vorhersagen lassen“, erklärt Studienleiter Professor Darko Jekauc, Sportpsychologe am Institut für Sport und Sportwissenschaft (IFSS) des KIT. „Unsere Indizes übersetzen Erwartungen und tatsächliche Ergebnisse in mathematische Kennzahlen, die psychologische Prozesse wie Stimmungslage, Selbstvertrauen und Leistungsdynamik widerspiegeln.“

Wie funktioniert das Frühwarnsystem für den Profifußball?

Für ihre Untersuchung haben die KIT-Forscher die Spiele der Bundesliga-Saison 2023/2024 analysiert. Aus dieser Analyse wurden drei Kennzahlen identifiziert.

Dazu zählt die „Relative Position“, die Abweichungen vom erwarteten Tabellenplatz misst. Diese Kennzahl basiert unter anderem auf dem Marktwert der Mannschaft sowie auf der Vorjahresleistung.

Die zweite Kennzahl, die „Linear Rate of Change“, beschreibt langfristige Trends von Über- oder Unterperformance. Zusätzlich haben den Forscher mit der dritten Kennzahl „Exponential Rate of Change“ (ERC) kurzfristige Leistungsschwankungen erfasst, woraus sie Informationen zum psychologischen Momentum einer Mannschaft ableiten konnten.

Besonders die letzte Kennzahl zu den kurzfristige Leistungsschwankungen war für die Forschenden ein wertvoller Frühindikator. Denn in nahezu allen untersuchten Fällen sank der Wert deutlich, kurz vor der Entlassung eines Trainers.

Ein plötzlicher Einbruch des ERC spiegelt einen Verlust von Energie und kollektiver Überzeugung wider. In genau so einem Moment kippt die Dynamik und aus Verunsicherung wird eine Krise.

Die Kennzahl für den ERC basiert auf der Zahl Phi, dem sogenannten Goldenen Schnitt, der zahlreichen anderen Anwendungsbereichen gängig ist. Die Studie der KIT-Forscher zeigt nun, dass es hier auch Parallelen in psychologischen Prozessen gibt.

„Unser Ziel ist es nicht, den Fußball zu entemotionalisieren“, so Sportpsychologe Jekauc. „Aber wir möchten zeigen, dass auch Leidenschaft, Druck und Selbstvertrauen mathematische Muster hinterlassen. Wenn wir diese Muster verstehen, können wir Krisen nicht nur erkennen, sondern auch verhindern.“

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Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig.
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