Unter dem Hashtag QuitGPT kündigen aktuell tausende Nutzer ihr ChatGPT-Abo. Hintergrund sind Millionenspenden der OpenAI-Führungsriege an die Trump-nahe MAGA-Bewegung sowie eine Zusammenarbeit mit der US-Einwanderungsbehörde ICE. Eine kommentierende Analyse.
Was ist QuitGPT?
- QuitGPT fordert ChatGPT-Nutzer dazu auf, ihre Abonnements zu kündigen. Der Hintergrund: OpenAI-Präsident und -Mitgründer Greg Brockman soll gemeinsam mit seiner Frau jeweils 12,5 Millionen US-Dollar an die MAGA-Bewegung gespendet haben, um US-Präsident Donald Trump zu unterstützen. Die Organisatoren weisen zudem darauf hin, dass die hochumstrittene Einwanderungsbehörde ICE ein ChatGPT-Tool nutzt, um neue Mitarbeiter zu rekrutieren und Lebensläufe zu durchleuchten.
- Hinter QuitGPT verbirgt sich eine Gruppe von Demokratie-Aktivisten, die besorgt sind, dass Tech-Konzerne wie OpenAI die zunehmende Entwicklung der USA in eine Autokratie unter Donald Trump fördern. Während sich einige der Organisatoren öffentlich geäußert haben, möchten andere anonym bleiben – auch, weil sie Repressionen befürchten. Laut QuitGPT soll OpenAI 50 Millionen US-Dollar ausgeben, um Lobbyarbeit zu betreiben und Staaten an der Regulierung von KI zu hindern. Auch einige Prominente wie Schauspieler Mark Ruffalo haben sich der Initiative angeschlossen.
- Berichten zufolge verzeichnete OpenAI im Dezember 2025 knapp 900 Millionen aktive ChatGPT-Nutzer pro Woche. Bislang ist zwar unklar, wie viele dem Aufruf von QuitGPT nachgekommen sind und ihr Abo kündigten. Laut Website haben sich jedoch bereits 700.000 Menschen der Kampagne angeschlossen. Ein Instagram-Beitrag zu QuitGPT erzielte 1,8 Millionen Likes (Stand: 13. Februar 2026).
Eine moralische Grundsatzdebatte?
OpenAI ist nicht das einzige Unternehmen, das aktiv die Nähe der US-Regierung sucht. Von Mark Zuckerberg (Meta) über Tim Cook (Apple) bis hin zu Sundar Pichai (Google) kuschelt sich nahezu die gesamte Tech-Elite an Donald Trump.
Im Gegensatz zu anderen Boykott-Aktionen geht es bei QuitGPT nicht um rein technische Kritik. Die Initiative öffnet vielmehr eine politische und moralische Grundsatzdebatte. Denn: Nicht nur OpenAI-Vorstand Greg Brockman und CEO Sam Altman haben die Trump-Administration finanziell unterstützt, sondern nahezu alle großen Tech-Bosse.
Für viele Nutzer steht die finanzielle Unterstützung der Rechtspopulisten in den USA durch OpenAI und Co. in einem krassen Widerspruch zu den ursprünglichen Unternehmenswerten unter Trump-Vorgänger Joe Biden und auch Barack Obama.
Neben QuitGPT sollen auch mitunter etwas skurrile Aktionen wie eine sogenannte Mass Cancellation Party in San Francisco den Forderungen der Aktivisten Nachdruck verleihen. Zumindest die mediale Aufmerksamkeit ist ihnen bereits gewiss. Doch ob solche Initiativen genug Anhänger mobilisieren können, um OpenAI wirtschaftlich zu schaden, ist fraglich. Denn: Der Name ChatGPT ist bereits so etwas wie ein Synonym für KI-Chatbots.
Stimmen
- Die QuitGPT-Organisatoren erklären auf ihrer Website: „Wir werden den Boykott beenden, wenn sich OpenAI-Führungskräfte verpflichten, alle Spenden an Trump, Republikaner und ihren Big Tech Super PAC zu STOPPEN. Wir können nicht zulassen, dass sie Autoritäre unterstützen, und sie können unser politisches System nicht manipulieren, um der Rechenschaft zu entgehen.“
- Scott Galloway, Marketingprofessor an der New York University, in einem Video, das bereits von QuitGPT viral ging: „Der schnellste und effektivste Weg, um dies (ICE) zu stoppen? Ich würde sagen, so viele Menschen wie möglich dazu zu bringen, sich von OpenAI und ChatGPT abzumelden. Denn wenn ChatGPT oder OpenAI plötzlich 10 Prozent Abonnenten verlieren, müssen sie dies ihren Investoren mitteilen (Microsoft, Amazon, Nvidia). Das würde ihre Finanzierungsrunde sofort gefährden. Es würde den S&P treffen und einen Marktcrash auslösen.“
- Dana Fisher, Soziologin an der American University, gegenüber dem MIT Technology Review: „Es gibt viele Beispiele für gescheiterte Kampagnen wie diese, aber wir haben auch viel Wirksamkeit gesehen. Ein Druckmittel, das funktionieren könnte, wäre, wenn genügend Verbraucher ihr Geld einsetzen würden, um ihre politische Meinung zu äußern.“
ChatGPT-Boykott: Ist QuitGPT ist der Anfang?
QuitGPT hat zwar direkt mit den Gewalt-Exzessen der US-Einwanderungsbehörde ICE zu tun, die für den Tod mehrerer Amerikaner verantwortlich ist. Die Kampagne ist aber auch Teil einer wachsenden Anti-KI-Bewegung.
Denn Chatbots wie ChatGPT und Co. haben nicht nur einen enormen Energie- und Wasserverbrauch, sondern gefährden zunehmend die psychische Gesundheit von Heranwachsenden, fördern die Verbreitung von Falschinformationen und fluten das Internet mit KI-Schrott.
Das Verhältnis zwischen sozialen Kosten und gesellschaftlichem Nutzen steht deshalb immer mehr in der Kritik, da es zunehmend aus dem Ruder läuft. QuitGPT könnte deshalb der Beginn von etwas Größerem sein – zumal die Macht und Monopolstellung von Big Tech zunimmt.
Sollte die Bewegung weiter wachsen, dürften mögliche Reaktionen von OpenAI mit Spannung zu erwarten sein. Bislang hält sich das Unternehmen zu QuitGPT allerdings bedeckt.
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