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Seedance 2.0: Neue Video-KI aus China schockiert Hollywood

Fabian Peters
Bild: Ruairi Robinson via Seedance

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TikTok-Mutterkonzern ByteDance hat ein neues KI-Modell präsentiert, das hyperrealistische Videos per Texteingabe generiert. Doch während Seedance 2.0 in China viral geht, schlägt Hollywood bereits Alarm und spricht von einem virtuellen Raubzug. Denn: Die KI kennt keine Grenzen beim Urheberrecht. Eine kommentierende Analyse. 

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Was ist Seedance 2.0?

  • Seedance 2.0 ist ein generatives KI-Modell von ByteDance, mit dem Nutzer realistische Videos erstellen können. Die Browser-App verarbeitet Anweisungen per Text-, Video-, Audio- oder Bildeingabe. Aktuell können Kurzclips mit einer Länge von bis zu 15 Sekunden erstellt werden. Seedance 2.0 ist über die internationale ByteDance-Plattform Dreamina-Capcut nutzbar. Es kursieren bereits zahlreiche inoffizielle Websites, die den Namen Seedance tragen, um Nutzer in irreführende Abos zu locken.
  • Die neue ByteDance-KI ist grundsätzlich kostenlos nutzbar. Nach der Registrierung erhalten Nutzer ein gewisses Credit-Kontingent, das sich nach 24 Stunden erneuert. Wer mehr Videos erstellen möchte, muss ein Abo abschließen. Bei der Verbreitung ist allerdings Vorsicht geboten, denn Seedance 2.0 scheint kein Urheberrecht zu kennen. Während in China zahlreiche Clips die Feeds in den digitalen Medien fluten, formiert sich in westlichen Ländern bereits massiver Widerstand.
  • Mit Seedance 2.0 können Nutzer Parameter wie Schatten, Beleuchtung und sogar Kamerabewegungen gezielt steuern. Ein Video, das offenbar mit der ByteDance-KI erstellt wurde und die Schauspieler Brad Pitt und Tom Cruise in einem Kampf zeigt, erregte besonders viel Aufmerksamkeit. Einerseits, weil es vermutlich eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Andererseits, weil auch der Dialog schockiert. „Du hast Jeffrey Epstein umgebracht, du Tier! Er war ein guter Mensch!“, so Fake-Pitt. Der unechte Cruise entgegnet daraufhin: „Er wusste zu viel …“

Seedance 2.0 kennt kein Urheberrecht

Mit Seedance 2.0 lässt China im globalen KI-Wettstreit erneut seine Muskeln spielen. Der aktuelle Hype ähnelt dem um den KI-Chatbot DeepSeek, der ChatGPT Konkurrenz machen sollte. Was beide KI-Modelle gemeinsam haben: Peking kontrolliert chinesische Unternehmen zwar nicht auf Schritt und Tritt, gibt aber die allgemeinen Spielregeln vor.

Getreu der Populismus-Strategie „Flood the zone with shit“ geht es China und ByteDance vor allem um Klicks und Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu DeepSeek, das auch mit großen Versprechen lockte, diese aber nicht einhalten konnte, wurde die Taktik dieses Mal schneller entlarvt.

Seedance 2.0 hat nämlich bereits kurz nach seiner Veröffentlichung massive Kritik geerntet – vor allem aus Hollywood. Im Vergleich mit der Video-KI Sora 2.0 von OpenAI, die zwischenzeitlich auch urheberrechtlich im Rampenlicht stand, offenbart sich zwar eine ähnliche Funktionalität, allerdings mit völlig anderen Spielregeln.

Denn während OpenAI mittlerweile vorsichtiger agiert, pflügt Seedance durch das westliche Urheberrecht. Während Hollywood protestiert, programmiert China aber einfach weiter. Vor allem im Videobereich wird sich KI deshalb kaum stoppen, aber verantwortungsvoll gestalten lassen.

Stimmen

  • Ein ByteDance-Sprecher gegenüber CNBC: „ByteDance respektiert geistige Eigentumsrechte und wir haben die Bedenken bezüglich Seedance 2.0 zur Kenntnis genommen. Wir ergreifen Maßnahmen, um die derzeitigen Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken, und arbeiten daran, die unbefugte Nutzung von geistigem Eigentum und Abbildungen durch Nutzer zu verhindern.“
  • Charles Rivkin, Vorsitzender der Motion Picture Association (MPA), der unter anderem Netflix, Universal und Disney angehören, in einem Statement: „An einem einzigen Tag hat Seedance 2.0 in großem Umfang unerlaubt urheberrechtlich geschützte Werke aus den USA verwendet. Mit der Einführung eines Dienstes, der ohne wirksame Schutzmaßnahmen gegen Rechtsverletzungen betrieben wird, missachtet ByteDance das etablierte Urheberrecht, das Rechte schützt und Millionen von Arbeitsplätzen in den USA sichert. ByteDance sollte seine rechtswidrigen Aktivitäten unverzüglich einstellen.“
  • Journalist und Anwalt Jonathan Handel gegenüber Al Jazeera: „Bis die Gerichte eine wegweisende Entscheidung treffen, werden KI-generierte Videos erhebliche Auswirkungen auf die Filmindustrie haben. Die digitale Technologie entwickelt sich sehr schnell weiter, und in einigen Jahren werden wir bereits abendfüllende Filme sehen, die mit KI generiert wurden.“ Er sieht jedoch „Urheberrechte, Markenrechte und all diese Rechte betroffen“.

Kreativität und Emotionen obliegt Menschen

Bereits KI-Chatbots wie ChatGPT und Co. wurde vor allem medial ein Ruf als Jobkiller angehängt. Die Realität: Künstliche Intelligenz wird zwar viele Berufe grundlegend verändern, aber nur wenige Jobs um die Ecke bringen. Denn nach einem übertriebenen Hype folgte bislang stets die Ernüchterung – zumindest ein Stück weit.

Ein ähnliches Schicksal dürfte auch die Filmbranche ereilen. KI-Modelle liefern aktuell zwar durchaus beeindruckende Ergebnisse, aber das Urheberrecht stellt glücklicherweise nach wie vor ein hohes Gut dar. Doch Hollywood und Co. werden nicht an KI vorbeikommen. Heißt konkret: Viele Produktionen werden womöglich erschwinglicher und repetitiver, aber nicht seelenloser.

Denn KI-Tools werden auch in der Filmbranche allenfalls Routine-Aufgaben übernehmen können, während echte Kreativität und Emotionen Schauspielern, Regisseuren und Kameramännern obliegen bleibt. Dem westlichen Urheberrecht sei Dank. Doch: Wer KI von Grund auf ablehnt, könnte ins Hintertreffen geraten.

Richtig und rechtlich sinnvoll eingesetzt kann Künstliche Intelligenz nämlich auch in der Filmbranche effizient sein und sogar das rezeptierte Erlebnis steigern. Stichwort: CGI. Doch während Streaming-Riesen KI als Werkzeug sehen, empfinden Studios und Schauspieler sie als Bedrohung – und zwar nicht zu Unrecht. ByteDance surft jedoch auf dieser Uneinigkeit und auf Chinas lockerer Regulierungswelle. Womöglich auch, um Zwietracht zu säen.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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