Forschern ist es gelungen, mithilfe von KI erstmals neue Viren zu erschaffen. Ihr Ziel: Neue Therapien gegen schwere Krankheiten und Antibiotikaresistenzen. Sicherheitsexperten sind jedoch besorgt.
Künstliche Intelligenz kann Videos erstellen, Bilder generieren und E-Mails schreiben. Aber kann sie auch Leben erschaffen? Einem Forscherteam in Kalifornien ist es gelungen, mithilfe von KI neue genetische Codes für Viren zu entwerfen. Sie brachten sogar einige dieser Viren dazu, sich zu replizieren und Bakterien abzutöten. Die Wissenschaftler sprechen vom ersten generativen Design kompletter Genome.
Strenggenommen hat die KI zwar kein Leben erschaffen, da Viren keine Lebewesen. Dennoch ist der Ansatz ein vielversprechender erster Schritt in Richtung von KI-entworfenen Lebensformen, so Biologe Jef Boeke. Er sagt, die Ergebnisse der KI seien überraschend gut, denn sie schlug Viren mit neuen, verkürzten Genen und sogar mit unterschiedlicher Genanordnung vor.
KI erschafft Viren
Um die Viren zu entwerfen, nutzten die Forscher zwei Versionen einer KI namens Evo, die nach den gleichen Prinzipien wie große Sprachmodelle (LLMs) arbeitet. Der Unterschied: Anstatt mit Texten wurde die KI mit den Genomen von rund zwei Millionen anderen Bakteriophagen-Viren trainiert. Sie sollte Varianten eines Virus namens phiX174 entwickeln, das nur elf Gene und etwa 5.000 DNA-Bausteine hat.
Um zu testen, ob die von der KI vorgeschlagenen Genome funktionierten, druckten die Forscher 302 der Designs als DNA-Stränge aus und mischten sie mit E.-Coli-Bakterien. In einer Nacht hatten die Wissenschaftler dann Erfolg, als sie Platten mit toten Bakterien in ihren Petrischalen sahen.
Insgesamt funktionierten 16 der 302 Designs. Ein Virus hatte sogar damit begonnen, sich zu vermehren, die Bakterien zum Platzen zu bringen und sie abzutöten. Die Forscher zeigen sich von diesen Ergebnisse absolut beeindruckt.
Fluch und Segen
Die Arbeit hat das Potenzial, die Forschung an künstlich hergestellten Zellen zu beschleunigen und neue Behandlungen zu ermöglichen. Bei der sogenannten Phagentherapie werden etwa bereits Viren zur Behandlung schwerer bakterieller Infektionen eingesetzt.
Auch bei der Gentherapie, die Viren zum Einschleusen von Genen in den Körper nutzt, könnte KI helfen, effektivere Varianten zu finden. Die neuen Methoden hat das Potenzial, die Biologie voranbringen, weil sie Prozesse enorm beschleunigt.
Allerdings birgt diese Technologie auch erhebliche Risiken. Die Stanford-Forscher betonen, dass sie ihre KI bewusst nicht mit Viren trainiert haben, die Menschen infizieren können. Aber andere Wissenschaftler könnten aus Neugier oder böser Absicht die Methode auf menschliche Krankheitserreger anwenden und so „neue Dimensionen der Tödlichkeit“ erkunden.
J. Craig Venter, der einige der ersten Organismen mit DNA aus dem Labor geschaffen hat, warnt vor ernsthaften Bedenken, sollte jemand diese Methode auf Viren wie Pocken oder Milzbrand anwenden.
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