Die neue E-Autoprämie soll der Autobranche und der E-Mobilität Aufschwung verleihen. Doch viele Deutsche wissen laut einer aktuellen Umfrage nichts von dem Förderprogramm. Viele Details sind zudem nach wie vor unklar. Der Fördertopf könnte dennoch schneller leer sein als erwartet. Eine kommentierende Analyse.
Neue E-Autoprämie noch ohne Wirkung
- Die E-Autoprämie gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 bis 2029 für Elektroautos und bestimmte Plug-in-Hybride. Heißt konkret: Wer jetzt ein E-Auto kauft, kann Fördermittel beantragen, sobald das Antragsportal im Mai freigeschaltet wird. Auf einer FAQ-Seite schildert das Umweltministerium konkrete Details. Die Anschaffung von Neuwagen wird mit bis zu 6.000 Euro gefördert – bei einer Einkommensgrenze von 80.000 Euro. Ein Schaubild schlüsselt die Förderhöhe auf. Der Fördertopf umfasst drei Milliarden Euro.
- Laut einer Blitzumfrage des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) zeigt die neue E-Autoprämie noch keine Wirkung. Komplizierte Förderbedingungen und Unklarheit zum Abwicklungsverfahren würden das Programm hemmen. Das Kraftfahrtbundesamt konnte im Januar 2026 keinen Anstieg bei den Neuzulassungen von E-Autos verzeichnen.
- Bei der Bekanntheit in der Bevölkerung hat die E-Autoprämie noch Luft nach oben. Denn 34 Prozent der Menschen in Deutschland haben demnach noch nichts von der Förderung gehört. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von YouGov hervor. Doch der Fördertopf könnte dennoch schnell ausgeschöpft sein. Das wiederum zeigt eine Studie des Nürnberger Marktforschungsinstituts puls.
Politische Kommunikation misslingt
Die neue E-Autoprämie ist weniger Aufbruch als Reparaturversuch. Doch nach dem abrupten Förderstopp des vorherigen Umweltbonus Ende 2023 scheint das Vertrauen vieler Käufer brüchig. Denn wer einmal erlebt hat, wie eine Subvention über Nacht verschwindet, kalkuliert künftig vielleicht mit einem politischen Risiko.
Und genau hier liegt der Konstruktionsfehler: Statt Verlässlichkeit zu signalisieren, produziert das Programm neue Unsicherheiten. Etwa durch ein Antragsportal, das erst Monate nach dem Kauf öffnet und Verbraucher in Vorleistung zwingt. Das alles hätte einfacher gehen können, etwa durch eine direkte Abrechnung beim Händler.
Die Fokussierung auf Neuwagen ist ebenfalls fraglich, da der Gebrauchtwagenmarkt für viele Bevölkerungsschichten die Hauptorientierung ist. Das könnte ein Stück weit die Nachfrage verzerren und Kaufentscheidungen an den oberen Rand des maximalen Haushaltseinkommens schieben.
So löblich das Grundprinzip einer E-Autoprämie auch ist, die Politik scheitert bislang an der Kommunikation. Denn wenn ein Drittel der Bevölkerung nichts von der Prämie weiß und viele sich schlecht informiert fühlen, verpufft die Prämie zu einem teuren Versprechen mit Ladehemmung.
Stimmen
- VDIK-Präsidentin Imelda Labbé in einem Statement: „Zwar bewerten die befragten Marken die Förderhöhe und die Einbindung von Plug-in-Hybriden als positiv, doch komplizierte Förderbedingungen und Nachweisverfahren sowie Unklarheit zum Abwicklungsverfahren hemmen die Wirkung. Unsicherheit über die Strompreisentwicklung, Ladeinfrastruktur und Restwertentwicklung stellen den Hochlauf der Elektromobilität weiterhin vor zusätzliche Herausforderungen.“
- Stefan Reiser, Managing Director bei puls Marktforschung, dazu: „Allein die Gruppe der Interessenten übersteigt rechnerisch die geplante Förderkulisse. Zieht man zusätzlich die gut 20 Prozent der Überlegenden in Betracht, deutet vieles darauf hin, dass der Fördertopf schnell ausgeschöpft sein könnte. Zudem zeigt die Studie, dass Halter junger Elektro- und Hybridfahrzeuge offen für eine Inanspruchnahme sind.“
- Autopapst Ferdinand Dudenhöfer gegenüber der Bild: „Das Umweltministerium macht Elektroautos mit Steuergeld zum Ramschartikel. Was niemand wollte, nämlich den ruinösen Preiskrieg aus China nach Deutschland zu importieren, wird Realität. Alle decken sich jetzt ein, und anschließend fällt man in ein tiefes Loch. Oder anders ausgedrückt: Kurzarbeit bei den deutschen Autobauern, die erneut mit Steuerzahlergeld finanziert wird.“
E-Autoprämie wird Elektromobilität ankurbeln
Die neue E-Autoprämie trifft auf einen Markt im Umbruch. Chinesische Hersteller wie BYD drücken mit aggressiven Preisen nach Europa, während deutsche Autobauer im wichtigsten Wachstumsmarkt schwächeln. Denn sie haben lange auf margenstarke und teure SUV gesetzt anstatt auf erschwingliche Stromer.
Einzige Hoffnung für die deutsche Wirtschaft: erschwingliche Modelle wie der VW ID.Polo für 25.000 Euro (ab Mitte 2026) oder der VW ID.Every1 für 20.000 Euro (ab 2027) – wenn sie denn rechtzeitig kommen. Doch beim E-Polo von Volkswagen verzögert sich das günstige Einstiegsmodell bereits um mehrere Monate, offenbar auch aus wirtschaftlichen Gründen.
Doch das könnte sich für VW rächen. Etwa, indem die neue E-Autoprämie Importfahrzeuge befeuert – und obendrein den Preiskampf verschärft. Für Verbraucher kann das von Vorteil sein, für die deutsche Wirtschaft vermutlich aber nicht. Dennoch könnte der Fördertopf schneller leer sein als erwartet.
Wenn die Prämie 2029 aber einfach so auslaufen sollte, dürften die Neuzulassungen erneut einbrechen, während der Gebrauchtwagenmarkt von jungen Stromern geflutet wird. Langfristig werden deshalb sinkende Strompreise, transparente Ladetarife und eine dichtere Infrastruktur essenziell sein.
Die neue E-Autoprämie könnte dennoch vor allem die E-Mobilität attraktiver machen, wenn die Politik entsprechende Folgemaßnahmen einleitet. Und das würde, während viele ausschließlich von der Wirtschaft schwadronieren, im Rahmen des Klimawandels eine durchaus positive Entwicklung sein.
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