X Money Elon Musk Bank Zahlungsdienst

X Money: Elon Musk will Kontonummern abschaffen – und strebt noch mehr Macht an

Fabian Peters
Bild: DespositPhotos

Elon Musk will mit X Money einen eigenen Zahlungsdienst an den Start bringen und direkt in seine Plattform X (ehemals Twitter) integrieren. Der Funktionsumfang soll weit über Konkurrenzangebote wie Paypal hinausgehen. Politiker und Experten schlagen jedoch bereits Alarm. Sie sehen in dem Dienst ein gefährliches Machtinstrument und werfen Musk Unverantwortlichkeit vor. Eine kommentierende Analyse.

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Was ist X Money?

  • Bereits unmittelbar nach der Übernahme von Twitter sprach Elon Musk davon, die Plattform in eine sogenannte App für alles umbauen zu wollen. Als Vorbild gilt die chinesische App WeChat, die es Nutzern neben klassischen Chats erlaubt, Geld zu transferieren, Informationen zu teilen, Restaurants zu buchen oder Dateien zu verschicken. Ziel solcher Everything-Anwendungen ist es nicht nur, dass Nutzer künftig nicht mehr zwischen verschiedenen Apps wechseln müssen, sondern sie möglichst lange an das App-Ökosystem zu binden – vor allem, um Werbung zu schalten, Daten zu sammeln und die Konkurrenz zu schwächen.
  • Lange bevor Elon Musk mit Tesla Elektroautos massentauglich machte oder mit SpaceX Raketen zur Erde zurückkehren ließ, gründete er unter der Domain „X“ eine der ersten Onlinebanken. Daraus entstand der Zahlungsdienst PayPal, an dessen Gründung Musk beteiligt war. Mit X Money kehrt er gewissermaßen zu diesen Wurzeln zurück. Doch dieses Mal will Elon Musk offenbar nicht nur ein reines Finanzprodukt entwickeln, sondern es tief in seine Unternehmensstrukturen integrieren und hunderten Millionen Nutzern zugänglich machen.
  • X Money könnte über mehrere Funktionen verfügen. Darunter: Peer-to-Peer-Zahlungen zwischen Nutzern wie bei PayPal, eine Monetarisierung für Content Creator, integrierte Trinkgelder und Abonnements sowie vermutlich auch eine Wallet-Funktion. Das Ziel dabei ist relativ offensichtlich: Elon Musk will das Netzwerk auf dem Weg zu einer App für alles von einer reinen Kommunikationsplattform um einen digitalen Finanzhub erweitern. Laut Musk soll X Money bereits im April 2026 an den Start gehen.

Will Elon Musk Kontonummern abschaffen?

Everything-Apps versprechen Bequemlichkeit: eine Anwendung für alles, vom Chat bis hin zur Zahlung. Doch hinter diesem vermeintlichen Komfort steckt eine alte Logik der Plattformökonomie. Denn wer möglichst viele Lebensbereiche bündelt, hält Nutzer länger im eigenen System. Aufmerksamkeit, Daten und Transaktionen verschmelzen dabei – und damit auch die Macht über digitale Alltagsroutinen.

Der Bezahldienst X Money ist ein Paradebeispiel für eine solche Plattformökonomie. Elon Musk plant nichts Geringeres als ein neues Machtinstrument, das Kommunikation, Transaktion und Identität auf einer Plattform zusammenlaufen lässt. Doch wer eine solche Infrastruktur kontrolliert, der kontrolliert auch Zugänge, Sichtbarkeit und Zahlungsströme. X Money erinnert eher an ein Betriebssystem für das öffentliche Leben als an eine gewöhnliche App.

Hinzu kommt, dass Musk offenbar vieles verschwinden lassen will, was aktuell selbstverständlich ist. Darunter: Kontonummern, IBANs und klassische Bankverbindungen. Damit gingen allerdings erhebliche Risiken einher. Denn eine Everything-App sammelt nicht nur Likes und Kontakte, sondern Kaufverhalten, Aufenthaltsorte und Finanzdaten. Datenschutz wird so zur Systemfrage. Wer alles weiß, kann nämlich nicht nur Werbung optimieren – sondern auch Profile erstellen, Verhalten vorhersagen und Märkte lenken.

Das neue Machtinstrument von Musk könnte wie folgt aussehen: X liefert mit hunderttausenden Nutzern die Infrastruktur und Datenströme, während X Money Zahlungen abwickelt und das KI-Unternehmen xAI Auswertungen und Analysen liefert. Ein solches Modell wäre in westlichen Ländern absolut einzigartig und konkurrenzlos. Größtes Risiko bliebe Elon Musk selbst, da er aufgrund seiner totalitären, rechtspopulistischen und manipulativen Tendenzen eine solche Infrastruktur missbrauchen könnte – etwa so wie damals, als er die Algorithmen von X änderte, um die US-Wahl zu beeinflussen.

Stimmen

  • Elon Musk erklärte bereits bei einem All-Hands-Meeting von xAI im Februar 2026: „X Money befand sich bereits in einer geschlossenen Beta-Phase innerhalb des Unternehmens. Wir gehen davon aus, in den nächsten ein bis zwei Monaten eine begrenzte externe Beta-Phase zu starten und das Programm anschließend weltweit für alle X-Nutzer freizugeben. Man könnte sein ganzes Leben in der X-App verbringen.“
  • Der demokratische Abgeordnete Micah Lasher warnt in einem Brief an das New Yorker Finanzministerium: „Was wir hier sehen, ist nichts weniger als Elon Musk, der ein dauerhaftes Teil der finanziellen Infrastruktur des Landes wird – mit Zugang zu riesigen Mengen an Verbraucherdaten, einschließlich der Daten von New Yorkern. Ich halte das für grob unverantwortlich und gesetzeswidrig.“
  • Corey Rayburn Yung, Rechtsprofessor an der Universität von Kansas, weist in einem Bluesky-Beitrag darauf hin, dass Musk ungetestet Code in das Finanzministerium implementieren könnte, um Zahlungen zu blockieren: „Dies ist eine Hintertür. Elons Programmierer schaffen eine Hintertür zum US-Finanzministerium. Dies ist sowohl aufgrund der beabsichtigten Verwendung (durch Elon und Trump) als auch aufgrund des Risikos, dass andere Akteure eine große Sicherheitslücke ausnutzen könnten, um eine massive Störung der US-Regierung zu verursachen, unglaublich gefährlich.“

X Money könnte Kräfteverhältnis im Internet verschieben

Sollten sich X Money und Elon Musks Vision einer Everything-App im Westen durchsetzen, könnte sich das Kräfteverhältnis im Internet verschieben. Die Plattform X würde vom Vermittler zum Infrastrukturbtreiber aufsteigen – inklusive Zahlungsverkehr, Identität und Kommunikation. Eine solche digitale Stadt hätte zwar ein zentrales Tor, doch der Schlüssel würde in privaten Händen liegen.

X Money wäre jedoch nicht nur ein Geschäftsmodell, sondern ein strategischer Hebel, mit dem sich Nutzer dauerhaft an eine Plattform binden lassen. Für Politik und Gesellschaft würde das eine neue Grundsatzfrage eröffnen: Wollen wir digitale Superzentren oder ein offenes Netz aus vielen Diensten?

Denn je mehr Funktionen sich in einer Everything-App bündeln, desto größer wird auch der Datenhunger. Doch wenn alles in einer Anwendung steckt, steckt letztlich auch das gesamte Leben darin. Die offensichtlichen Risiken: Machtmissbrauch durch Privatunternehmen, Datenschutzrisiken und gänzlich neue Abhängigkeiten.

Noch ist zwar unklar, welche konkreten Technologien hinter X Money stehen werden. Doch Elon Musk könnte mit einer Everything-App Kommunikation, Datenströme und sogar Zahlungsströme kontrollieren. Eine solche Plattform würde sich jenseits der klassischen Marktlogik bewegen. Denn mit einer solchen Plattformökonomie wäre Elon Musk nicht nur Meinungslenker, sondern auch Sheriff und Bank zugleich.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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