Spritpreisbremse Kraftstoffmaßnahmenpaket Kartellamt tanken

Neue Spritpreisregeln beschlossen: Das ändert sich jetzt an der Tankstelle

Fabian Peters
Bild: Adobe Stock / Kwangmoozaa

Als Reaktion auf die stark gestiegenen Kraftstoffpreise hat die Bundesregierung ein neues Kraftstoffmaßnahmenpaket beschlossen. Kern der Maßnahmen: Tankstellen sollen ihre Preise künftig nur noch einmal täglich anpassen dürfen. Zusätzlich wird das Kartellrecht verschärft, um mögliche Preisabsprachen und Marktverzerrungen stärker zu kontrollieren. Beides stellt zwar keine Soforthilfe dar, ist jedoch durchaus sinnvoll. Eine kommentierende Analyse.

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Neue Spritpreisregeln: Das steht im Kraftstoffmaßnahmenpaket

  • Das sogenannte Kraftstoffmaßnahmenpaket sieht vor, dass es an Tankstellen in Deutschland nur noch einmal am Tag Preiserhöhungen geben darf – und zwar um 12 Uhr mittags. Senkungen sind jederzeit möglich. Ziel ist es, häufige Preissprünge zu verhindern, um für mehr Transparenz in der Preisgestaltung zu sorgen. Verstöße sollen mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 100.000 Euro geahndet werden.
  • Eine weitere Stellschraube des Pakets: Das Kartellamt soll gestärkt werden. Heißt konkret: Falls die Spritpreise stark steigen, wird die Beweislast künftig umgekehrt. Unternehmen der Mineralölbranche müssen dann etwa nachweisen, dass Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt sind. Außerdem soll das Kartellamt die Möglichkeit erhalten, Preissprünge schneller kontrollieren und gegebenenfalls stoppen zu können.
  • Im Bundestag stimmten sowohl die schwarz-roten Regierungsfraktionen als auch die Grünen für den neuen Gesetzesentwurf. AfD und Linke waren dagegen. Mittlerweile hat auch der Bundesrat zugestimmt. Ziel ist es, dass das Kraftstoffmaßnahmenpaket Anfang April 2026 in Kraft tritt. Es soll ein Jahr lang gelten und anschließend erneut überprüft werden.

Keine Wunderwaffe, aber eine transparente Preisuhr an der Tankstelle

Eines muss man der Bundesregierung lassen: Sie hat das Kraftstoffpaket nicht als Wunderwaffe verkauft, sondern als Werkzeugkasten. Es dürfte langfristig für mehr Transparenz an der Zapfsäule sorgen und die Profitgier der Raffinerien und Mineralölkonzerne eindämmen – zumindest, sofern die neuen Kartellbefugnisse auch rigoros umgesetzt werden.

In einer Zeit, in der die Politik zunehmend populistischen Versprechen verfällt, erscheint das fast schon erschreckend erfrischend. Fakt ist aber auch: Das Paket wird kurzfristig vermutlich nicht zu spürbaren Entlastungen führen. Doch wer es als simulierte Hilfe oder gar nutzlos deklariert, der irrt.

Mit der Maßnahme gibt es künftig nämlich eine gewisse Preisuhr an Tankstellen, die dafür sorgen wird, dass Großkonzerne Pendler- und Stoßzeiten im Verkehr weitaus weniger ausnutzen können. Denn: Während sich Großunternehmen bislang häufig die Taschen vollgestopft haben, waren nicht nur Verbraucher, sondern auch die Tankstellenbetreiber die Gelackmeierten.

Dass das Kartellamt künftig schärfer hinschauen darf, ist deshalb mehr als Symbolpolitik. Es ist auch ein spätes Eingeständnis, dass der Markt eben nicht so frei ist, wie er sich gerne gibt oder dargestellt wird. Stichwort: Preisabsprachen. Kurzfristig heißt es dennoch durchzuhalten. Sollten sich die Spritpreise aber mittelfristig nicht stabilisieren, sollte man über echte Entlastungsmaßnahmen nachdenken.

Und zwar vor allem für die, die sie am meisten brauchen. Eine Pendlerpauschale würde zwar langfristig auf dem Papier helfen, jedoch nicht beim nächsten Tankstopp. Deshalb bräuchte es zweifellos eine Entlastung in Form eines Tankrabatts. Aber nur für geringe und mittlere Einkommen und nicht für Porsche-Fahrer.

Stimmen

  • Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) im Deutschen Bundestag zum beschlossenen Maßnahmenpaket: „Wir handeln mit Augenmaß. Was wir 20 Tage nach dem Krieg nicht brauchen, ist Aktionismus. Benzinpreisbremsen, Tankrabatte, Übergewinnsteuer: Wir müssen überlegen, welche Kosten solche Maßnahmen verursachen und wo der Nutzen ist. Denn die größten Nutznießer sind in der Regel nicht die Adressaten. Was wir jetzt brauchen, sind gezielte steuernde Eingriffe, die Fairness und Transparenz in den Märkten garantieren.“
  • Das Bundeskartellamt begrüßt das Maßnahmenpaket der Bundesregierung. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: „Grundlage des Handelns des Amtes ist das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Auf der Grundlage dieses Gesetzes kann das Amt ad hoc keine Preissenkungen verfügen; hierfür gibt es entgegen vereinzelter öffentlicher Forderungen kein kartellgesetzliches Instrumentarium. Preissenkungen auf Knopfdruck gibt das Kartellgesetz nicht her. Der Gesetzgeber hat das Amt vor allem damit betraut, wettbewerbliche Strukturen und Prozesse zu schützen. Es kann in diesem Rahmen prüfen, ob ein Preis missbräuchlich überhöht ist.“
  • Ökonom Justus Haucap, Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE), in einem Interview mit Phoenix: „Die wirksamsten Maßnahmen werden wohl die sein, über die wir gar nicht reden, nämlich die Verschärfung des Kartellrechts. Dazu muss man wissen: Das Kartellrecht sorgt für Maßnahmen, die eher langfristig wirken. Das Kartellamt kann jetzt deutlich einfacher vorgehen, und davon verspreche ich mir einiges. Die Preisänderungen an der Tankstelle mögen eine gewisse Vereinfachung beim Preisvergleich schaffen, aber letztendlich würde ich nicht davon ausgehen, dass das nachhaltig und langfristig zu Preissenkungen führt.“

Was bringen die neuen Spritpreisregeln wirklich?

Die bittere Wahrheit ist, dass das Kraftstoffmaßnahmenpaket kurzfristig nicht die Spritpreise drücken, sondern höchstens ihre Sprunghaftigkeit zähmen wird. Doch es ist langfristig keineswegs falsch. Wer an dieser Stelle behaupten mag, dass die Spritpreise um 12 Uhr mittags deshalb höher als zuvor angesetzt würden, dem sei ein Blick in die neuen Befugnisse des Kartellrechts geraten, die in der gesamten Debatte meist komplett untergehen.

Vielleicht braucht es aber ohnehin eine andere Art der Aufklärung. Denn weder die Menschen hinter der Tankstellenkasse noch „die Politik“ sind die Bösewichte, auch wenn sich das im Alltag leichter erzählen lässt. Die Preise sind ein Echo globaler Konflikte und einer Weltordnung, die aktuell von Grund auf neu geschrieben wird.

Langfristig liegt die eigentliche Antwort abseits der Tankstelle. Weniger Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen, mehr erneuerbare Energien und die Elektromobilität sind künftig schlichtweg die sinnvolle Realität, wenn man hohen Energiekosten aus dem Weg gehen und künftige Generationen vor den Folgen des Klimawandels schützen will.

Doch nur wenn es Deutschland gelingt, diese Realität zu akzeptieren und reaktionäre Rückfälle zu überwinden, dann werden nicht nur das gesamte Land, die Wirtschaft und das Klima profitieren. Denn dann werden andere Nationen in einigen Jahren voller Neid und Eingeständnis zu uns heraufblicken.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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