Strom aus dem Netz kostet rund 30 Cent pro Kilowattstunde, die Einspeisevergütung liegt bei nur noch sieben Cent. Für Besitzer einer PV-Anlage hat sich die Rechnung damit grundlegend verschoben: Nicht die Einspeisung, sondern der Eigenverbrauch entscheidet heute über die Wirtschaftlichkeit.
Der Anteil von Photovoltaik an der Stromerzeugung in Deutschland hat in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich zugenommen. Im Jahr 2025 wurden insgesamt in Deutschland 18,2 Prozent des erzeugten Stroms über Sonnenenergie erzeugt, fünf Jahre zuvor lag die Quote noch bei 8,6 Prozent.
Grund für diese Entwicklungen sind zum einen die in den vergangenen Jahren deutlich gesunkenen Kosten für PV-Anlagen. Während gleichzeitig die Preise für Strom aus dem Netz zum Teil deutlich angestiegen sind, hat sich die Attraktivität von Solarstrom für private Haushalte und Unternehmen erhöht.
Dennoch ist die entscheidende Frage für viele damit nicht beantwortet: Ab wann lohnt sich eine PV-Anlage tatsächlich? Denn ob sich die Anschaffung rechnet, hängt heute weniger von der reinen Stromproduktion ab, sondern eher von individuellen Faktoren wie Eigenverbrauch und Anlagengröße.
Solaranlage: Warum Eigenverbrauch heute wichtiger ist als Einspeisung
In den vergangenen Jahren hat sich die Logik von Photovoltaik grundlegend verändert. Denn anfänglich konnten sich viele Anlagen vor allem durch das Einspeisen ins Netz rechnen.
Doch die immer weiter gesunkenen Einspeisevergütungen haben dazu geführt, dass sich Anlagen heute deutlich weniger über die Einspeisung ins Netz finanzieren als noch vor einigen Jahren. Stattdessen rückt der Eigenverbrauch des erzeugten Stroms zunehmend in den Mittelpunkt einer einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.
Das liegt vor allem auch an der Lücke, die zwischen Strompreis und Einspeisevergütung klafft. Denn während Haushalte für Strom aus dem Netz pro Kilowattstunde aktuell um die 30 Cent zahlen müssen, liegt die Vergütung für eingespeisten Solarstrom mit rund sieben Cent pro Kilowattstunde deutlich darunter. Geht es nach dem Wirtschaftsministerium, soll die Vergütung künftig sogar gänzlich entfallen.
Logischerweise ist es daher wirtschaftlich deutlich attraktiver, möglichst viel des selbst erzeugten Stroms direkt zu verbrauchen, statt ihn ins Netz einzuspeisen. Das wiederum beeinflusst aber auch die Rentabilität von PV-Anlagen maßgeblich.
Denn für einen höheren Eigenverbrauch sind häufig zusätzliche Investitionen in Batteriespeicher notwendig. Diese erhöhen zwar die Unabhängigkeit vom Stromnetz und verbessern die Nutzung des Solarstroms über den Tagesverlauf hinweg, führen aber gleichzeitig zu höheren Anschaffungskosten, die den Zeitraum für die Amortisation der Investition verlängern können.
Welche Kosten die Rentabilität einer PV-Anlage bestimmen
Die einfachste Rechnung für die Rentabilität einer PV-Anlage setzt sich aus den Investitionskosten, den vermiedenen Stromkosten durch Eigenverbrauch sowie den Erlösen aus der Einspeisung zusammen. Doch tatsächlich können noch zahlreiche weitere Faktoren in diese Rechnung einfließen.
Eine Studie der Hochschule RheinMain, die im Fachjournal Renewable Energy veröffentlicht wurde, zeigt beispielsweise, dass klassische Wirtschaftlichkeitsmodelle die Risiken und Unsicherheiten solcher Investitionen häufig nur unzureichend abbilden.
Die Forschenden kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Rentabilität stark in Abhängigkeit von Faktoren wie Strompreisentwicklung, Investitionskosten und insbesondere dem Verhältnis von Eigenverbrauch zu Netzeinspeisung verändert. Unter bestimmten Marktbedingungen könne die Wirtschaftlichkeit privater PV-Anlagen daher deutlich geringer ausfallen als häufig angenommen, während sich unter anderen Szenarien wiederum klare Vorteile ergeben.
So bewertet eine Studie das tatsächliche Risiko von PV-Investitionen
In der Studie „Using DNPV to determine the economic viability of residential photovoltaic systems in Germany: Is the investment still worth it?“ erfassen die Forschenden unter anderem auch wirtschaftliche Unsicherheiten.
Dabei fließen sowohl Schwankungen bei Strommengen als auch bei Preisen systematisch ein. Zusätzlich wird das Risiko schwankender Strompreise mit Methoden aus der Finanzmathematik bewertet, die vergleichbar mit der Preisbewertung von Finanzoptionen sind.
„Die Grundidee der DNPV-Methode besteht darin, das Risiko der Zahlungsströme in Form von synthetischen Risikoprämien zu erfassen“, erklären die Forscher. „Dadurch wird das Risiko von der Berücksichtigung des Zeitwerts des Geldes entkoppelt, und nach Abzug der Risikokosten können die resultierenden Cashflows mit dem risikofreien Zinssatz abgezinst werden.“
Die Analyse ergab bei einem 10-Kilowatt-System in Frankfurt einen negativen DNPV von minus 1.664 Euro. Allerdings beziehen sich die Zahlen auf die Situation zu Beginn des Jahres 2023.
Inzwischen sei laut Studienautor Carlo Kraemer von der Hochschule RheinMain die Rentabilität aber bereits teilweise wiederhergestellt, da die Investitionskosten seither deutlich gesunken sind:
Darüber hinaus hängt die Wirtschaftlichkeit von verschiedenen Parametern ab, die regional spezifisch sind. Neben den bereits erwähnten Investitionskosten und Strompreisen ist natürlich auch der Ertrag der Anlage von der Region abhängig und hat einen wesentlichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Wert. Daher müssen alle diese Parameter in die Bewertung einfließen und liefern dann ein sehr individuelles Ergebnis.
Kostencheck: Zwei Szenarien mit und ohne Speicher im Vergleich
Szenario 1: Ohne Batteriespeicher (30 % Eigenverbrauch)
| Posten | Wert |
|---|---|
| Investitionskosten | ca. 13.000 Euro |
| Eigenverbrauch (30 % von 9.500 kWh) | 2.850 kWh |
| Einspeisung (70 % von 9.500 kWh) | 6.650 kWh |
| Vermiedene Stromkosten (2.850 x 0,30 Euro) | 855 Euro/Jahr |
| Einspeisevergütung (6.650 x 0,07 Euro) | 465 Euro/Jahr |
| Jährlicher Gesamtvorteil | 1.320 Euro/Jahr |
| Amortisation | ca. 10 Jahre |
Szenario 2: Mit Batteriespeicher (60 % Eigenverbrauch)
| Posten | Wert |
|---|---|
| Investitionskosten (Anlage + Speicher 10 kWh) | ca. 20.000 Euro |
| Eigenverbrauch (60 % von 9.500 kWh) | 5.700 kWh |
| Einspeisung (40 % von 9.500 kWh) | 3.800 kWh |
| Vermiedene Stromkosten (5.700 x 0,30 Euro) | 1.710 Euro/Jahr |
| Einspeisevergütung (3.800 x 0,07 Euro) | 266 Euro/Jahr |
| Jährlicher Gesamtvorteil | 1.976 Euro/Jahr |
| Amortisation | ca. 10 Jahre |
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Wie kommt ihr auf Kosten von 7.000 Euro für 10 kWh? Ist der vergoldet? Deutlich realistischer dürfte ca. die Hälfte des von euch angesetzten Preises sein.
Ich habe eine 10kW-Anlage und einen 9,6kWh Speicher, lade meine E-Autos meist zu Hause und hatte in 2025 einen Zukauf aus dem Netz von 12%, bin also zu 88% im Jahr durch Eigenproduktion gedeckt.
Bitte auch laufende Kosten mit einrechnen….dann sieht es gleich realistischer aus….Manchmal denke ich mir, wer so eine Rechnung ins Netz stellt, ob derjenige auch eine Ahnung davon hat?
Habe eine 10 kW Anlage….ist so toll, kann meine eAutos alle kostenlos damit fahren…kann es nur weiterempfehlen… Kostenaufstellung 100%richtig
Hallo, leider bringt Ihre Rechnung höchstwahrscheinlich die Begriffe Autarkie und Eigenverbrauchsanteil durcheinander.
Bei einem Eigenverbrauch von 5700 kWh, müsste das ein Haushalt mit weit über 8000 kWh Stromverbrauch sein. Das ist ziemlich realitätsfern, außer der Haushalt hat eine Wärmepumpe. Und auch dann ist ein Eigenverbrauch von 5700 kWh bei einer 10 Kwp Anlage durch die geringe Stromproduktion im Winter eher unrealistisch. Wahrscheinlicher ist, dass der Autor einen Autarkiegrad von 60% meinte. Dafür hätte man jedoch einmal die Berechnungsgrundlage, nämlich den angenommenen Stromverbrauch angeben müssen. Realistisch bei einem „Standard“ Haushalt mit 4000 kWh ist ein Autarkiegrad von 70-80% und damit ein gesparter Strombezug von 2800-3200 kWh. Damit sieht die Rechnung ganz anders aus.
Sorry aber wenn man „ehrliche Rechnung“ macht, sollte man über fundiertes Wissen verfügen und seine Berechnungsgrundlage transparent teilen.
Ich vermisse bei all den Berechnungen die Verzinsung der Investitionskosten, welche ich bei Veranlagung des Geldes erzielen würde. Für einen konservativ angelegten Fonds wären zumindest 5% p.a. abzüglich KEST zu veranschlagen.
Ihre simple Rechnung ist falsch. Göängiger Fehler, wenn man keine PV hat oder sich nicht ernsthaft mit dem Kauf beschäftigt hat. Da informiert nan sich nämlich und rechnet dann selbst. Finden Sie den mal selbst, sind nicht viele,Zahlen. Wurde in der wichtigen Studie auch so gerechnet? Bei Speichern gibts noch Ladeverluste, ohne Speicher nur 30% Autarkie, naja, das ist ein sehr theoretisch niedrigen angesetzter Wert und kommt doch sehr auf den Falm an. Ich denke, die meisten liegen da locker drüber.