Volkswagen hat mit dem Mission Efficiency ein Elektroauto vorgestellt, das gleich drei Weltrekorde beansprucht. Darunter: ein Verbrauch von nur 6,48 kWh auf 100 Kilometern. Das Konzeptfahrzeug basiert auf seriennaher Technik des kommenden ID. Polo, wird aber selbst nie im Handel landen. Genau das sorgt für Diskussionen. Denn warum zeigt VW, was technisch möglich ist, wenn Kunden davon vorerst nicht profitieren können? Eine kommentierende Analyse.
Das sparsamste Elektroauto der Welt: Der Mission Efficiency im Detail
- VW hat mit dem Mission Efficiency ein neues Konzeptfahrzeug präsentiert. Das in Wolfsburg entwickelte Elektroauto ist zwar nicht für den Verkauf vorgesehen, verfügt aber über eine EU-Straßenzulassung. Der Stromer erinnert an die Plug-in-Hybrid-Kleinserie XL1 von 2014. Besonders brisant: VW beansprucht mit dem Mission Efficiency gleich drei Weltrekorde. Erstens: einen Luftwiderstandswert (cW-Wert) von 0,158, der aufgrund des aerodynamischen Designs besonders viel Energie sparen soll. Zweitens: Einen Verbrauch von 6,48 kWh auf 100 Kilometern, der bei einer als „Idealfahrt“ bezeichneten Testfahrt verzeichnet wurde. Und drittens: den Status als effizientestes seriennahes Elektroauto der Welt.
- Laut Volkswagen legte der Mission Efficiency bei einer weiteren Testfahrt eine Strecke von 1.278,36 Kilometern von Wolfsburg über Poznań und Olmütz nach Wien zurück. Der Verbrauch lag demnach bei 7,51 kWh auf 100 Kilometer – inklusive Ladeverlust. Ohne Ladeverlust habe der Verbrauch bei 6,89 kWh pro 100 Kilometer gelegen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei der Fahrt bei 67,72 km/h. In der Spitze wurden 138 km/h erreicht. Den Daten zufolge liegt der Netto-Energieinhalt der Batterie bei 54,9 kWh. Während der Fahrt wurde einmal nachgeladen. Bei der Ankunft zeigte der Mission Efficiency noch 164 Kilometer Restreichweite an.
- Das Konzeptfahrzeug basiert auf der neuen Generation des E-Auto-Baukastens MEB+ mit Frontantrieb. VW gibt den Motor mit 99 kW/135 PS an. Außerdem: maximal 105 kW Gleichstrom-Ladeleistung (DC) und einen Normverbrauch (WLTP-Verbrauch) von 8,4 kWh pro 100 Kilometer. Den Angaben zufolge ähneln Antrieb, Vorderachse samt Lenkung und die Grundkonstruktion der Hinterachse den Komponenten des ID. Polo. Ein zentraler Ansatzpunkt für die Effizienz des Mission Efficiency ist sein aerodynamisches Design. Der Mission Efficiency ist 4,775 Meter lang, 1,744 Meter breit und 1,392 Meter hoch. Die Hinterräder sind vollverkleidet. Der Radstand wurde verlängert und Kühlluftklappen sollen den Luftwiderstand reduzieren. Weitere Maßnahmen betreffen Reibungsverluste, Nebenverbrauch und Gewicht.
Seriennah oder alles nur Marketing?
Im Netz findet der Mission Efficiency von VW relativ großen Anklang. Mindestens genauso groß ist aber die Enttäuschung, dass der Stromer in seiner jetzigen Form wohl niemals serienmäßig auf die Straße kommen wird. Die Kritik: VW hätte diesen Umstand deutlich prominenter kommunizieren müssen. Denn wer von Weltrekorden und seriennaher Technik spricht, darf sich nicht wundern, wenn die Frage aufkommt: Warum kann man das Ding dann nicht irgendwann auch kaufen?
Und dennoch: Der Mission Efficiency demonstriert eindrucksvoll, dass eine hohe Reichweite nicht zwangsläufig mit einer immer größeren Batterie erkauft werden muss. Denn: Aerodynamik, ein geringes Gewicht und ein effizienter Antrieb können ebenso eine entscheidende Rolle spielen. Der Haken: Der Mission Efficiency ist vor allem ein Technologieträger und muss nicht beweisen, dass sich sein Konzept als komfortables, bezahlbares Massenauto verkaufen lässt. „Near-production“ klingt deshalb ein bisschen nach Marketing-Sprech. Denn: Die Technik mag vielleicht seriennah sein, das konkrete Auto ist es aber nicht.
Trotzdem wäre es falsch, das Projekt als reine PR-Nummer abzutun. Wenn VW tatsächlich Erkenntnisse aus dem Fahrzeug in kommende Elektroautos überträgt, könnte aus dem schicken Schaufensterfahrzeug mehr werden als nur ein netter Rekordhalter. Vielleicht ist das aber sogar die interessantere Botschaft. Dass Effizienz nicht allein mit dem Akku steht oder fällt, sondern schon mit der Karosserie, beim Gewicht und bei jedem Bauteil, das Energie kostet. Das ist weniger spektakulär als ein noch größerer Akku, aber womöglich deutlich nachhaltiger.
Stimmen
- Thomas Schäfer, CEO der Marke Volkswagen, Leiter der Markengruppe Core und Mitglied des Konzernvorstands, in einem Statement: „Mission Efficiency ist der ideale Weg, um zu zeigen, was Volkswagen im Zeitalter der Elektromobilität auszeichnet: Technologie für die breite Masse – nicht nur für wenige. Anstelle von Spezialtechnologie stellte das Fahrzeug seine drei Weltrekorde mit erschwinglicher Serientechnologie aus dem ID. Polo und dem ID. Cross, die auf der MEB+-Plattform mit Frontantrieb basieren, auf. Das zeigt, wie viel Effizienzpotenzial wir der neuesten Generation unserer Elektroautos entlocken können.“
- Andreas Mindt, Chefdesigner bei Volkswagen, ergänzte: „Mit seiner Frontpartie reiht sich der Mission Efficiency in unsere neue Familie von Elektrofahrzeugen ein, zu der auch der ID. Polo und der ID. Cross gehören. Die Form der Karosserie selbst ist ganz auf Funktionalität und damit auf die Gesetze der Aerodynamik ausgerichtet. Das Ergebnis ist ein hochmoderner, effizienter Sportwagen, in dem die DNA des legendären Volkswagen XL1 zum Ausdruck kommt.“
- In einem viel diskutierten Reddit-Thread zur VW-Mitteilung kommt vor allem ein Punkt nicht gut weg. Ein Nutzer schreibt: „Mir gefällt, wie es aussieht, aber ‘nahe am Rekord für Serienfahrzeuge’ klingt ziemlich albern.“ Ein anderer kritisiert: „Ja, was ist denn daran auszusetzen, es wie alle anderen auch als Konzeptfahrzeug zu bezeichnen? Entweder man verkauft es oder eben nicht.“ Und wiederum ein anderer meint: „Das ist nicht nur kein Prototyp; sie können nicht einmal zusichern, dass daraus jemals einer wird. Geschweige denn ein Serienfahrzeug.“
Was der Mission Efficiency für künftige VW-Modelle bedeutet
Ob der Mission Efficiency irgendwann tatsächlich in irgendeiner Form auf die Straße kommt, ist äußerst fraglich. Die eigentliche Idee des Projekts ist aber ohnehin eine andere: VW will die gewonnenen Erkenntnisse mit dem Konzeptfahrzeug in künftige MEB+-Modelle einfließen lassen, statt den extrem effizienten Stromer selbst ins Verkaufsregal zu stellen. Für den Wolfsburger Konzern könnte das durchaus relevant werden. Denn: Jede eingesparte Kilowattstunde kann kleinere Batterien, geringere Kosten und perspektivisch mehr Reichweite ermöglichen.
Die Bewährungsprobe ist aber keine Rekordfahrt zwischen Wolfsburg und Wien, sondern der ganz normale Alltag. Oder: Ein Serienauto muss auch Passagiere und Gepäck unterbringen, Sicherheitsanforderungen erfüllen, einen gewissen Komfort bieten und natürlich halbwegs bezahlbar sein – nicht nur möglichst wenig Energie verbrauchen. Oder: Zwischen einem aerodynamischen Ideal und einem Familienauto liegen nicht nur ein paar Kilowattstunden, sondern jede Menge Blech, Gewicht und Kundenwünsche.
Kurzum: Der Mission Efficiency ist kein neues Elektroauto, sondern eine Wette darauf, dass die Zukunft des E-Autos nicht nur in größeren Batterien, sondern in einem geringeren Energieverbrauch liegt. Ob VW diese Wette gewinnt, entscheidet, wie viel von der Technologie letztlich tatsächlich in den nächsten Serienmodellen landet. Denn ein Rekordauto, das niemand kaufen kann, ist letztlich nur eines: ein ziemlich effizienter Hinweis darauf, was theoretisch möglich ist, aber nicht eins zu eins in die Praxis übertragen werden kann.
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