FIFA-Sheriffs verlieren jegliches Augemaß

Robert Basic

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Was passiert ist
So wie es aussieht, hat die FIFA im Kampf für ihr komplett durchkommerzialisiertes Großereignis (aus Stadionwurst mach „FIFA WM 2006 offizieller Golden Arches RoyalTS mit KäseTM „) jedes Maß verloren:
Mittlerweile mahnt die FIFA ihre letzten verbliebenen Fans ab: beispielsweise den Freizeitkicker Michael M., der im mühevollen Nahkampf um ein einziges Ticket für Angola-Iran erfolgreich war. Jubelnd riss er sich sein Hemd vom (Bier formte diesen wunderschönen) Körper. Als Ersatz wollte er sich spontan als Souvenir folgenden Text auf ein Trikot drucken lassen. Er wollte (es kam nie dazu)…

„WM 2006
IRAN-ANGOLA
ich war dabei“

Unüberlegt legte er das Produkt in seinem Spreadshop an – vielleicht gab es ja außer ihm noch jemand, der im freien Verkauf an Karten gekommen war…?! (Es gab niemanden, zumindest niemand, der das Shirt wollte. M. hatte seinen Shop auch nicht beworben!)

Die Marken
Offensichtlich kannte sich Michael M. nicht aus im Paragraphen-Dschungel der verschlungenen nationalen und internationalen FIFA-Markenrechte.
Wusste er etwa nicht, dass „Deutschland 2006“, „WM 2006“, „World Cup“, „Volunteers 2006“, „Talente 2006 – die FIFA WM in der Schule“, „WM Bier“, „Green Goal“, „FIFA Konföderationen-Pokal“, „Hamburg 2006″ oder“Fan Fest“ (sic!) (sick!) unter vielen Anderen (!!! siehe unten) geschützte Marken der FIFA sind?!

Wusste er nicht, dass schon allein die Bezeichnung eines Artikels als „WM 2006-Shirt“ in den Augen der FIFA ein Verbrechen ist?! Wusste er nicht, dass er für diesen Artikel eine Abmahnung und Unterlassungserklärung von den FIFA-Anwälten bekommen würde, samt Rechnung im vierstelligen Bereich? Wusste er nicht! Armer Michael M.

Er wird sein Ticket wohl auf dem Schwarzmarkt verscherbeln müssen, um wenigstens einen Teil der Anwaltskosten zahlen zu können.

Liebe Shop-Partner,
– die FIFA spielt nicht auf Zeit
– die FIFA wird den Fair Play PokalTM nicht gewinnen
– die FIFA hat nichts Besseres zu tun
– Namen und Details wurden geändert, der Rest ist wahr

Bei uns entsteht der Eindruck, dass es der FIFA leider nicht nur um den Schutz ihrer Markenrechte geht. Die FIFA könnte uns die konkreten Verstöße genau benennen, dann würden wir sie einfach löschen. Die FIFA nennt uns die konkreten Fundorte aber erst auf Nachfrage und erst, nachdem sie die kostenpflichtigen Abmahnungen an die Shopbetreiber verschickt hat. (Laut FAZ bereits ein halbes Jahr vor WM-Beginn über 1000 Verfahren in über 50 Ländern – die Summe der Anwaltsgebühren könnt Ihr selbst schätzen.)


Könnt Ihr, lieben Schweizer, mal der Verwandschaft von Blatter (FIFA-Chef) stecken, dass die ihm asurichten sollen, er möge seine FIFA-Sheriffs zurückpfeiffen und nicht mehr herumwüten lassen wie frisch kastrierte Bullen? Meine WM-Vorfreude ist mir ob dieser fast schon an Raubrittertum grenzenden Sitten und peinlichen Kommerzialisungsarien im Hals steckengeblieben.

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Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.