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‘Recorded Future’: Google und die CIA wollen die Zukunft vorhersagen

Thema: Internet, IT, Unternehmen, 29.07.2010

Die amerikanische Firma „Recorded Future“ betreibt nach eigenen Angaben eine Echtzeitüberwachung des Internets – und will damit in begrenztem Rahmen auch zukünftige Ereignisse voraussagen können. Dazu beobachtet das Unternehmen zehntausende Webseiten, Blogs und Twitteraccounts, um den „verborgenen Zusammenhängen“ zwischen Organisationen, Vorgängen und Personen auf die Spur zu kommen.

Das Ziel ist es, bei jedem relevanten Geschehen herauszufinden, wo es passiert ist, wer daran beteiligt war und wann es voraussichtlich wieder vorbei sein wird. „Und das coole ist“, sagt der Firmenchef Christopher Ahlberg gegenüber dem Magazin Wired, „dass wir in vielen Fällen tatsächlich den Ereignisverlauf vorhersagen können.“

Für die Behauptung, zumindest in diesem begrenzten Fällen in die Zukunft blicken zu können, nennt der promovierte Informatiker zwar keine Belege, dafür verweist er zum Beweis der Leistungsfähigkeit seines Systems auf einen Vorfall aus dem März dieses Jahres. Damals hatte der israelische Präsident Simon Perez der Hisbollah vorgeworfen, im Besitz von Langstreckenraketen zu sein. Durch die Analyse früherer Äußerungen des Hisbollah-Chefs konnte „Recorded Future“ die israelischen Anschuldigungen untermauern.

Der Ansatz der Firma, öffentlich zugängliche Quellen auszuwerten, ist nicht neu. Im Geschäft der Nachrichtendienste ist es schon lange üblich, durch ihre Verknüpfung ein Gesamtbild zu erstellen, das dem Durchschnittsbürger verborgen bleibt. 2008 sagte der damalige CIA-Direktor Michael Hayden: „Es ist manchmal wirklich eine Genugtuung, wenn man ein schwieriges Problem deswegen lösen kann, weil jemand dumm genug war, die entscheidenden Informationen offen herumliegen zu lassen.“ Neu ist bei „Recorded Future“ allerdings die Geschwindigkeit, in der die Analysen erstellt werden. „Wir können hier wirklich in Echtzeit Dossiers über beliebige Personen anfertigen“, versichert Ahlberg.

Kein Wunder, dass Googles Investmentzweig und die mit der CIA verbundenen Firma In-Q-Tel in das noch junge Unternehmen investieren. Das gemeinsame Engagement der beiden Firmen ruft allerdings auch Kritiker auf den Plan. Die finanzielle Beteiligung an demselben Unternehmen bedeutet zwar noch keine direkte Zusammenarbeit zwischen dem Geheimdienst und dem Suchmaschinenbetreiber. Aber es nährt das Misstrauen derjenigen, die bereits jetzt eine zu große Nähe zwischen der US-Regierung und dem Datenkonzern ausgemacht haben (wollen).

Im Mai war Obamas Technikberater Andrew McLaughlin in die Kritik geraten, weil der Regierungsbeamte noch immer ein zu enges Verhältnis zu seinen ehemaligen Kollegen und Vorgesetzten bei der Suchmaschinenfirma pflegte. Auch die Zusammenarbeit des amerikanischen Inlandsgeheimdienstes NSA mit Google zur Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen in Mountain View wurde kritisch beäugt, weil man befürchtete, über kurz oder lang erhalte darüber die Regierung Einblick in die immensen, von der Suchmaschine gesammelten Daten. Das aktuelle Investment in „Recorded Future“ ist vor diesem Hintergrund jedenfalls nicht geeignet, die verbreitete Skepsis gegenüber dem kalifornischen Datensammler zu zerstreuen.

(Nils Baer)


     

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13 Kommentare zu “ ‘Recorded Future’: Google und die CIA wollen die Zukunft vorhersagen ”

  1. #1 ATM schrieb

    und was hat google damit zu tun? erkenne den zusammenhang in diesem text nicht…?

  2. #2 Twitted by IdeaLic [www] schrieb

    [...] This post was Twitted by IdeaLic [...]

  3. #3 Christoph Englich schrieb

    Sie finanzieren… das bringt natürlich Folgen.. sie machen das nicht ohne hohen potenziellen Nutzen.

  4. #4 Lars schrieb

    Wenn demnächst Kriminalfälle schon gelöst werden, bevor sie geschehen, fehlen bald nur noch die Polizisten mit Raketenantieb und der Film “Minority Report” wird zur besten Zukunftsprognose die es je gab. ^^
    Die meisten Amoktaten wurden ja auch vorher im Internet angekündigt. Mit leistungsfähigen Agentensystemen und einer schnellen Auswertung ist das, was vor ein paar Jahren noch ein absolutes Hirngepinst war vielleicht tatsächlich bald möglich….schon komisch wie sich alles entwickelt.

  5. #5 Frog [www] schrieb

    Wird Zeit, dass sich die Polizei selbst jagt.

  6. #6 Frog [www] schrieb

    Das ist auch gut so, denn die Medien sagen immer die Wahrheit.

  7. #7 Knut [www] schrieb

    @ ATM: Google soll das Netz überwachen und die Daten liefern die die CIA benötigt.

    Naja, ich finde das schon echt gefährlich…!

  8. #8 Erna schrieb

    Minority Report lässt grüßen.
    “Hätten wir sie nicht eingesperrt, hätten sie in 2 Jahren einen Mord begangen. Sie werden zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.”

  9. #9 Das Internet als Hilfe für das CIA | Techoblog [www] schrieb

    [...] den ersten Blick verwunderlich ist, dass Google ebenfalls in Recorded Future investiert. Einige vermuten hinter dieser gemeinsamen Investition eine [...]

  10. #10 Martin-Guardini schrieb

    warum denn so umstaendlich, wir haben doch die Kronzeugenregelung fuer Whistleblower.
    Da koennen wir ALLES regeln.

  11. #11 Oliver [www] schrieb

    Und Street View Bilder von mir hat Google ja auch schon. Aber was soll’s, lasst sie doch sammeln,
    kann man je eh nichts mit anfangen.

  12. #12 Michael schrieb

    Solange dadurch Verbrechen bekämpft werden -und nur das- ist es sicherlich eine Überlegung wert, aber die Datensammelwut wird immer stärker. Meiner Meinung sollte man selber über seine Daten entscheiden können, wann man sie wem gibt…

  13. #13 INFOKRIEG BLOG [www] schrieb

    [...] Datenspionage in letzter Zeit, zu den Auswertungsmöglichkeiten von persönlichen Daten, und den manigfaltigenVorhersagen die man damit über Einzelpersonen treffen kann, nur eine [...]


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