Google Suche KI Gemini Flash 3.5

Google-Suche bald komplett anders – KI wird immer aufdringlicher

Fabian Peters
Bild: Google

Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz I/O das größte Update seiner Suchmaschine seit 25 Jahren vorgestellt. Im Zentrum: das KI-Modell Gemini 3.5 Flash, eine komplett neue Suchleiste und KI-Agenten, die im Hintergrund das Netz durchsuchen. Doch: Was nach Komfort klingt, könnte die Machtverhältnisse im Netz grundlegend verschieben und viele Nutzer nerven. Eine kommentierende Analyse.

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Was Google auf der I/O 2026 angekündigt hat

  • Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz I/O eine umfassende Neugestaltung seiner Suchmaschine angekündigt. Im Zentrum steht das neue KI-Sprachmodell Gemini 3.5 Flash, das Fragen künftig besser verarbeiten und die klassischen Suchergebnisse noch mehr durch KI-gestützte Antworten ersetzen soll. KI-Agenten überwachen im Hintergrund künftig kontinuierlich das Web, um etwa bei der Wohnungssuche zu unterstützen oder Shoppinganfragen und Sportergebnisse zu überwachen. Außerdem soll es einen websiteübergreifenden Warenkorb geben.
  • Google hat mit „Übersicht mit KI“ bereits im März 2026 eine Funktion in seine Suche integriert, die Ergebnisse maßgeblich verändert hat. Denn: Oberhalb der Suchergebnisse erscheinen seither KI-generierte Kurzzusammenfassungen zu bestimmten Inhalten. Diese Funktion soll ausgeweitet werden. Etwa, indem Nutzer wie bei einem Chatbot auch Folgefragen stellen können. Problem: Die prominent platzierte KI liegt oft falsch.
  • Die auffälligste Neuerung ist die überarbeitete Suchleiste, die sich erstmals seit über 20 Jahren optisch und funktional komplett verändert. Das Eingabefeld soll sich flexibel an lange Texte anpassen und auch Bilder, Videos oder geöffnete Browser-Tabs verarbeiten. Nutzer können zudem direkt aus den KI-Zusammenfassungen in einen fließenden Dialog mit dem System wechseln, um tiefergehende Informationen abzufragen. Die Änderungen der Google-Suche sollen nach und nach kommen.

Google verspricht KI-Komfort – ohne Kontrolle

Google will seine Suchmaschine erstmals seit einer kleinen Ewigkeit grundlegend verändern – sowohl technisch als auch optisch. Die Linkmaschine, die viele seit Jahren kennen, soll immer mehr zu einem Antwortapparat mutieren. Heißt: Die klassische Suchleiste dürfte schon bald ein Relikt aus einer noch relativ harmlosen Internetzeit sein.

Doch was Google als Komfort verkauft, ist eine gigantische Machtverschiebung im Markt und Alltag. KI-Agenten, die im Hintergrund mitdenken, mögen zwar praktisch wirken; allerdings nur, bis sie anfangen, Fehler zu machen. Und die sind, so zeigen es KI-Modelle immer wieder, vorprogrammiert.

Hinzu kommt, dass künftig nicht mehr Nutzer die Informationen sortieren sollen, sondern Google Gemini. Die KI-Übersicht war dabei bereits so etwas wie ein Vorbote des aktuellen Umbaus. Nur leider einer, der zuverlässig und selbstbewusst danebenliegt, aber trotzdem ganz oben steht.

Parallel dazu will Google nun die Logik des Netzes selbst verändern. Doch wenn noch mehr Antworten direkt in der Suche entstehen, nehmen nicht nur Fehler und Falschinformationen zu. Websites und Medien verlieren noch mehr Traffic als ohnehin schon. Sprich: Es beginnt eine Verschiebung, die sowohl technisch als auch ökonomisch wehtun wird.

Stimmen und Reaktionen

  • Google-Chef Sundar Pichai in einem Beitrag auf X (ehemals Twitter): „Gemini 3.5 Flash revolutioniert die Möglichkeiten der Google-Suche mit neuen agentenbasierten Funktionen. (… ) Ein neues, intelligentes, KI-gestütztes Suchfeld – unser größtes Upgrade seit 25 Jahren – das weltweit eingeführt wird. Neue Informationsagenten, die rund um die Uhr im Hintergrund arbeiten, um genau das zu finden, was Sie im richtigen Moment brauchen.“
  • Liz Reid, Leiterin der Suchabteilung bei Google, erklärte in einer Pressekonferenz: „Die Suche kann maßgeschneiderte Erlebnisse speziell für Ihre individuellen Fragen erstellen, von dynamischen Layouts über interaktive Visualisierungen bis hin zu dauerhaften und zustandsbehafteten Projekträumen, auf die Sie immer wieder zurückkehren können. Man könnte eine Benachrichtigung senden, um Marktbewegungen in einem bestimmten Sektor anhand ganz spezifischer Parameter zu verfolgen, und der Agent erstellt dann einen Überwachungsplan.“
  • Ein Reddit-Nutzer schreibt zur neuen KI-Suche von Google: „Ich hasse es. Aber im Ernst: Ich hoffe wirklich, dass einige der alternativen Suchmaschinen diesem Beispiel nicht folgen, denn ich finde die Vorstellung, dass Suchergebnisse so undurchsichtig sind, wirklich schrecklich. Ich möchte die endgültige Auswahl und Bewertung selbst vornehmen, ich möchte nicht, dass die KI das übernimmt.“

Scheitert die Google-Suche an sich selbst?

Die Richtung, die Google einschlägt, ist eindeutig: Die Suchleiste soll vermehrt eine Antwortleiste werden. Das Unternehmen will seine Suchmaschine in eine KI-Plattform verwandeln, auf der Agenten und Algorithmen delegieren und Nutzern das Klicken abnehmen sollen – und zwar mit all ihren Nachteilen.

Das Problem ist nur: Eine Oberfläche bleibt eine Oberfläche, auch wenn sie vermeintlich intelligenter wird. Doch mit noch mehr Shopping, KI-Agenten, Panels und einer noch umfangreicheren Such- beziehungsweise Antwortleiste könnte das neue Google zugemüllt werden und Nutzer nerven, die vielleicht einfach nur schlichte Suchergebnisse wollen.

Hinzu kommt nämlich die Tatsache, dass sich die neuen Google-Funktionen wie die Übersicht mit KI allenfalls über Umwege abschalten lassen. Die entscheidende Frage wird deshalb nicht die Technik sein, sondern die Nutzerkontrolle. Andere Suchmaschinen wie Ecosia haben das bereits erkannt und lassen Nutzern die Wahl.

Kurzum: Die neue Google-Suche könnte hier und da zwar nützlich sein, aufgrund mangelnder Transparenz aber überladen wirken. Und genau das könnte zu einem Boomerang werden. Denn es sieht so aus, als würde die Suchmaschine immer mächtiger und immer mehr wie ein Chatbot, aber eben auch aufdringlicher werden. Das wird viele Nutzer abwandern lassen.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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