Sonstiges

Puffer Puffer Puffer

Optimismus braucht ein Unternehmer. Und den braucht er immer ­čÖé Warum? Gerade in der Startphase verrechnen sich viele Gr├╝nder, indem sie h├Ąufig zu schnell mit dem rechnen, was ihnen Ertrag einbringt: Kunden. Nur das braucht seine Zeit, bis Kunden auf das Angebot aufmerksam werden bzw. gemacht werden.

Letztens wieder so ein Telefonat gef├╝hrt: Der Unternehmer m├Âchte gerne ein Hotelsystem aufbauen – online nat├╝rlich abrufbar – das Restkapazit├Ąten von Hotels zu Schleuderpreisen an Kunden vertickt. Das Problem? Er braucht nicht zu knapp Kapital zum Erwerb der Software (Hotels nutzen idR ein bestimmtes Buchungssystem), um sich in das System einzuklinken. Also muss er auf Investorensuche gehen. Das wird dauern und nicht zu knapp. Schon mal ein Zeitfaktor, wobei Monate ins Land vergehen k├Ânnen, bis ├╝berhaupt etwas passiert. Also was tun bis dahin? Am besten ├╝berzeugt man Investoren, indem man ihnen nicht nur eine Idee malt, sondern bereits erste Fettpolster zeigen kann, sprich: Den Beweis, dass das Modell auch in gr├Âsserer Skalierung in der Praxis funktionieren kann. Warum also warten und das Modell nicht soweit enttechnisieren und verschlanken? Wie? Regionaler aufziehen und die Hotels manuell abklappern. Meines Wissens kennen Hotels recht gut im voraus ihre Auslastungsquote und wissen demgem├Ąss auch, wann man Zimmer zu geringeren Preisen unters Volk streuen muss. Es gilt herauszubekommen, ob einige Hoteliers in der Region bereit w├Ąren, freie Ressourcen per Hand dem Unternehmer zuzumailen. Das ist zwar etwas Arbeit f├╝r den Unternehmer, etwas weniger f├╝r die Hoteliers (ich denke, ein Update pro Woche m├╝sste reichen). Nur, so kann er wenigstens erste Erfahrungen sammeln, wie die Prozesse zu laufen haben, lernt das Gesch├Ąft besser kennen, baut allm├Ąhlich ein Netzwerk an Hoteliers aus und verdient wenigstens etwas an der Kundenvermittlung. Das ist aus meiner Erfahrung wahnsinnig wichtig, denn wie immer ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen. Immer sch├Ân zuerst das Krabbeln lernen, bevor man gehen kann. Meines Wissens hat HRS auch nicht gleich mit einem Riesen IT System angefangen, sondern „manuell und zu Fuss“. Zeitrahmen f├╝r diesen Weg? Ein Jahr, bis es einigermassen l├Ąuft? Ziemlich sicher! Von wegen „in zwei Monaten gehts los und wir verdienen Geld“ ­čÖé

Das n├Ąchste Problem sind die Kunden: Auch wenn der Unternehmer genug Geld f├╝r das IT Invest h├Ątte, so hat er noch lange keine Kunden, die einen ROI erzeugen. Was hat man davon, das gesamte Kapital f├╝r IT auszugeben, wenn man dann kein Geld mehr f├╝r Akquise und Marketing hat? Alle Gr├╝nder gehen ausnahmslos zu Beginn davon aus, dass die Welt nur auf ihr Angebot wartet. Nur hey, bei ├╝ber 3 Mio gewerblichen Anbietern in Deutschland herrscht ein knallharter Kampf um die Awareness des Kunden. Der Kunde wartet eben nicht auf das Angebot. Und bis er davon zum ersten Mal h├Ârt, k├Ânnen Jahre vergehen. Man muss sich die ersten Jahre jeden Kunden hart erk├Ąmpfen und auch halten. Das verschlingt Zeit und Geld! Es n├╝tzt nichts von den wenigen Supergl├╝cklichen zu tr├Ąumen wie Google und Co., die es in weniger als 10 Jahren geschafft haben, sogar zu weltweit bekannten Unternehmen dank Internet heranzuwachsen. Das sind grosse Ausnahmen. Aber das ist auch nicht so wild, denn man muss ja nicht immer gleich tausende von Neukunden je Monat haben, um von 2.000 Netto zu leben, die den meisten unter dem Strich v├Âllig reichen werden.

Gerade im Kampf um die Kunden kann man zu Beginn auf die Suche nach Kooperationspartnern gehen, die selbst ├╝ber eine gewisse Anzahl an Kunden verf├╝gen und zusammen dar├╝ber nachdenken, wie man beide Angebote kombinieren kann. So, dass der Gr├╝nder ├╝ber einen spannenden Kundenkanal verf├╝gt, mit dem er Hoteliers ├╝berzeugen kann (ohne Kunden wird es immer schwer, da muss man schon sehr ├╝berzeugend sein), sich von den Internet Anbietern im Offline Bereich abhebt und der Kooperationspartner ein weiteres Package den Kunden anbieten kann, um sie besser an sich zu binden und nat├╝rlich seinen Umsatz zu verbessern. Ihr wisst schon, dieses ber├╝hmte Win-Win-Win…

Message? Ruhig sehr grosse Zeitpuffer einplanen, sowohl was die Kundenzahlen als auch die Umsatzzahlen angeht. Dann kann man immer noch absch├Ątzen, ob man sich von jetzt an gerechnet auch noch ein bis drei Jahre sp├Ąter finanziell aus eigener Kraft ├╝ber Wasser halten kann. Von der Warte aus ergeben sich ganz schnell viel schlankere Modelle, auf die man zwangsweise kommt, mit wenig Fixkosten (bloss nicht zu Beginn aufbauen !!!!!!!) und sehr realistischen Zahlen. „Nachher“, das ist keine grosse Kunst mehr, noch mehr Umsatz zu scheffeln, da man finanziell mit ganz anderen M├Âglichkeiten ausgestattet ist.


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook , folge uns bei Twitter oder abonniere unsere Updates per WhatsApp


├ťber den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gr├╝nder von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er ├╝ber 12.000 Artikel hier ver├Âffentlicht.

4 Kommentare

  • @Robert
    Ich bin mir nicht sicher, ob das jeder so toll findet, wenn er seine Idee nach einem Telefonat mit Dir hier nachlesen kann. Aber nach dem es nun publiziert ist, …

    K├Ânnen wir auch ein wenig laut nachdenken. Das Problem, das ich hier prim├Ąr sehe, ist das das auch die FMH mit ihren Hotelschecks hat. Je attraktiver Region und Zeitraum zusammenfallen, desto weniger ├ťberkapazit├Ąt f├Ąllt an.

    Je unattraktiver und ungeschickter das Zeitfenster, desto mehr aber auch keine Leute die es haben wollen. Meine Freundin hat noch kein schulpflichtiges Kind und hatte einen Hotelscheck der es ihr erm├Âglicht f├╝r Null Euro zu ├╝bernachten, wenn sie sich nur ordentlich kostenpflichtig den Bauch vollschl├Ągt … sich sozusagen die ├ťbernachtung erfressen bis die Wampe kracht … das hei├čt dann auf den Hotelschecks Mindestverzehr. Solche Hotelschecks kann man kaufen oder erh├Ąlt sie zusammen mit Zeitschriftenabos.

    Bei diesen Hotelschecks geht es ebenfalls um die ├ťberkapazit├Ąten und genau da liegt der Haken. Wenn meine Freundin, die flexibel ja ist, vereisen m├Âchte bekommt Sie nur Hotels JWD wo Fuchs und Hase sich gute nacht sagen. Oder aber sie kann im Winter an den tollen Ort aber eigentlich wollte sie Baden oder im Sommer in die Berge, wo dann kein Schnee liegt.

    So richtig Lust hat Sie nicht den Scheck einzul├Âsen, obwohl Angebote dabei sind, die von Preis und Leistung her ein echtes Schn├Ąppchen darstellen.

    Aber es ist halt der Urlaub. Den Urlaub will man genie├čen. Das hei├čt eben auch zu den attraktiven Zielorten zu attraktiven Zeiten.

    Nur Billig reicht nicht.

  • da die Idee weder neu noch unentdeckt ist, sehe ich kein Problem damit, dies zu posten. Ich bin diesbzgl. 100% sicher, insofern sollte man ruhig ├╝ber bestimmte Prinzipien und Mechanismen dahinter posten.

    Das mit den Leerkapazit├Ąten tritt auch in Ballungsgebieten auf, nicht nur in strukturschwachen Regionen. Alleine in Frankfurt gibt es immer wieder verdammt viele leere Zimmer. Hier lassen sich mE recht gut Zielgruppen ansprechen, es geht ja nicht immer nur um Urlaub. Immerhin gibt es alleine 14 Mio Singles in Deutschland, die oW zu jedem Zeitpunkt einen Kurzurlaub machen k├Ânnen.

  • Ich gebe nur Reallifeerlebnisse wieder. Auch in Stuttgart-Badcannstatt war mir in der N├Ąhe des Kurparks ein super Hotel bekannt, das in seiner Anfangszeit ├ťberkapazit├Ąten en masse hatte.

    Dabei ist es supersch├Ân, supersch├Ân gelegen und zentrumsnah. Aber diese Hotels haben erfahrungsgem├Ą├č nicht lange diese ├ťberkapazit├Ąten.

    Sicher auch der Hotelmarkt unterliegt Schwankungen und mal gibt es zuviele Hotels und dann wieder zuwenige und entsprechend ergeben sich die Preisniveaus.

  • On second thought (gibt es daf├╝r eigentlich einen deutsche Entsprechung?)

    Die unmittelbare Nachbarschaft ist etwsas heruntergekommen. Der Gast sollte sich stets erst in Richtung Kurpark bewegen und dann Richtung Einkaufspassage … dabei sind Weinberge und das Neckarufer in n├Ąchster N├Ąhe … aber das ist verdeckt durch die heruntergekommenen H├Ąuser, die wenig vertrauen einfl├Âsen …

    Manchmal untersch├Ątzt man solche Einfl├╝sse, vor allen dingen wenn man selbst mit der Gegend vertraut ist und wei├č, dass es schlimmer aussieht als es ist und die eigentliche verwarloste Ecke Stuttgarts am Hang des jenseitigen Neckarufers ist.

    Ich wei├č nicht, wie es jenem Hotel heute geht.

    Von einer erst k├╝rzlich insolvent gegangenen Hoteliersfrau wei├č ich, dass der Preis keinen Unterschied macht. Ihr Hotel war im Zentrum von Backnang. Nah zu dem gr├Â├čten Arbeitgeber in Backnang. Innen ordentlich, aber der Eingang war ein d├╝steres Loch und es war ein grauer Betonklotz. Das deutlich ungeschickter gelegene Hotel mit dem freundlichen Peach geht es immer noch gut und das S├╝dtor,das so ganz abseits liegt und bei dem sich die Hotelg├Ąste ├╝ber miesen Service ├Ąrgern und dass es soweit ab von Kneipen und Restaurants gelegen ist, das hat auch eine bessere Auslastung. Es sieht imposant aus und tr├Ągt den Spitznamen Weisses Haus.

    Das eine hat die besseren Werbekan├Ąle und das imposantere ├äussere und das andere lebt von der Ausstrahlung eines gutb├╝rgerlichen freundlichen Hotels und ich denke auch einem solchen Service.

    Wer viel in Hotels ├╝bernachtet, wei├č wie ein mieses Hotel auf die Laune schl├Ągt. Wer es sich aussuchen kann, geht lieber in ein besseres Hotel und pfeifft auf ├ťberkapazit├Ąten. Wer weiss schon was mit dem Hotel nicht stimmt, dass dort keiner hin will.