Sonstiges

Gutes Beispiel für ein schlechtes Corporate Blog

Das SPD-Blog „WebSozisBlog“ (über Schockwellenreiter entdeckt) ist recht frisch:

Motiviert vom erfolgreichen Blog der NRWSPD (blog.nrwspd.de), wollen auch wir WebSozis einen Blog starten. Leider war der NRW-Wahlkampf nicht so erfolgreich an der Wahlurnen wie im Internet. Gerade deswegen wollen wir hier im auf uns zukommenden Wahlkampf die Schwächen und Fehler des politischen Gegners aufgreifen und als Privatpersonen aus unserer persönlichen Sicht kommentieren. Dabei ist uns das Mittel der Satire genauso recht, wie eine sachliche Auseindersetzung.

Und gerade weil das Blog nicht Corporate ist (eher corporate nah), so kann man doch an gewissen Stellen Problemzonen aufzeigen, wie man ein echtes Corporate Blog mE nicht aufziehen sollte. Vorneweg: Der Kern jeglicher Unternehmung ist es, den Kunden zu erreichen, zu überzeugen und als Stammkunde wenn möglich zu gewinnen. Dazu muß das Produkt bzw. die Dienstleistung mit dem Gesamtauftritt (inkl. Werbung) des Unternehmens übereinstimmen, damit der Erfolg sich auch dauerhaft einstellt. Über ein Blog kann das Unternehmen sich vorstellen, Interesse wecken, eine Erwartungshaltung aufbauen aber auch auf kongruente Produktmeinungen eingehen, seien sie nun positiv oder aber negativ behaftet.

Empfehlen würde ich aber folgende „mit-der-Tür-ins-Haus-fallen“-Methoden nicht. Beispiele aus dem o.g. Weblog:

Die SPD weiß, was für Deutschland gut ist. Die anderen meckern nur. Allen voran Merkel. Wollen wir diese Schwarzmaler wirklich ans Ruder lassen? Nein! Denn: Schwarz ist schwach!
kein Vergleich zu den umfangreichen Informationen auf www.spd.de!
Fazit: Wer eine unsoziale Politik haben will, muss CDU wählen.
Wie liest sich das? Redet Ihr so mit Euren Kunden? Ihr seit mitten im Gespräch unterwegs, alle paar Sätze schreit ihr heraus „wir sind geil, kauf bei uns“ und macht dann weiter, als wäre nix geschehen. Wäre etwas ungewöhnlich, oder?

Propaganda funktioniert leider auch heute noch im politischen Business. Im politischen Blogbusiness allerdings nicht mehr, da Blogger und Blogleser dummerweise ihr Hirn einschalten müssen, bevor sie etwas lesen, um es dann aufzunehmen und zwischen den Ohren zu speichern. Nein, dat ist jetzt kein Bashing auf das Propaganda Blog der SPD Anhänger. Es liefert nur wunderschöne Beispiele, wie ein Corporate Blog garantiert einen Fehlstart hinlegen wird, wenn es ähnlich drastisch so einseitig, tönend und großspurig seine großartigen, fantastischen Produkte ins Blog posaunt. Wie habe ich geschrieben? Über ein Blog kann das Unternehmen sich vorstellen, Interesse wecken, eine Erwartungshaltung aufbauen aber auch auf kongruente Produktmeinungen eingehen, seien sie nun positiv oder aber negativ behaftet. Die beste Brücke ist dabei: Stellt Euch einfach vor, Ihr redet auf einer Party mit einem Fremden oder einem Freund, das trifft es am besten. Diese kommunikativen Standards gelten auch in Blogs.

Gibt es ein gutes Beispiel für ein Corporate SPD Blog? Ja, lest Lumma.da. Besser kann man es möglicherweise machen, NRWSPD macht es fast ebenso gut.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

16 Kommentare

  • das Mismatch zwischen laut schreien und bloggen fällt besonders stark auf, das ist meine persönliche Meinung.

    Ich bin nicht wir, aber bei mir gilt: Wer am lautesten schreit, von dem entferne ich mich am weitesten 🙂

    Wieso ist das nicht wie in der marktschreierischen Werbung? Weil Blog One-to-One Kisten sind. Ich SCHREIE DICH AUCH NICHT AN WAS FÜR EIN SAUGEILER TYP ICH BIN.

  • Wie schon richtig geschrieben, ist das Blog noch recht neu. Und für ein paar unserer Autoren ist es die erste Blogerfahrung. Das ist jetzt keine Rechtfertigung, nur ein Hinweis auf die Lern- und Findungsphase, in der wir noch stecken.

    Da ist doch dieser Beitrag hier eine sachlich formulierte Hilfe um besser zu werden.

    Fü das Team des WebSoziBlogs
    Thomas Vogt

  • Die Definition „Wir schauen, was der politische Gegner falsch macht“ halte ich für intuitiv daneben gehauen. Eine positive Formulierung, dass das Blog ein Versuch sein soll, die eigene Position klarer zu vermitteln und auch zur Diskussion zu stellen, dann auch gerne im Vergleich zu den Positionen des politischen Gegners, wäre imo „sympatischer“, nach dem Motto, wer auch vor der eigenen Tür kehrt darf auch erwähnen, wieviel Dreck vor der Tür anderer liegt, andersrum erweckt man sonst schnell den Anschein, der andere Dreck soll von der eigenen Haustüre ablenken…

  • Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe SPD,

    Vergesst die Magie der Banner nicht! Stellt Banner Codes den Webmaster zur Verfügung, verlinkt Euch miteinandern und untereinander, damit Ihr Euren PR oder PageRank verbessert und bindet die Medien ein. Bei allem aber rat ich Euch, vergesst die Foren nicht, denn die Leute sollen die Möglichkeit haben mit Euch in Kontakt zu kommen.

    Baut eine Pressetaskforce auf, die die Medien des deutschen Sprachraums liest und Leserbriefe an die Redaktionen verfasst, beteiligt Euch an Foren und vergesst nicht, uns ab und zu einen Besuch abzustatten! Da könnt Ihr sehen, wie wir Mitteilungen der Presse festhalten, um sie später weiterzuverarbeiten.

    Is Deep Throat a Hero or a Villain? Washington Post

    Gruss
    theglobalchinese

  • so, angeguggt. Nee, ist mir zu platt. Nix gegen Polemik hier und da, aber weniger plattes Bashing und Stammtischparole, dafür mehr „echte“ Information im Inhalt wäre schöner. Das ist mir zu marktschreierisch, sowas zappe ich im Fernsehen weg also lese ich sowas auch nicht. Ein bisschen Niveau in Ausdruck und Inhalt erwarte ich von einem (guten) Blog. Dann klappt’s auch mit der Seriosität – und damit auch der Glaubwürdigkeit bei der Kritik am Gegner 😉

  • Was Deine Skepsis zur Wirkungsweise von politischer Propaganda im Blogbusiness betrifft, bin ich anderer Meinung.
    Platte Propaganda wie die in Deinem Beispiel wird nicht funktionieren. Das heisst aber nicht, dass Propagnda per se ohne Erfolgsaussichten ist. Das gilt allgemein und auch speziell.

    Warum sollte Propaganda im Blogbusiness nicht funktionieren? Auch andere Leser müssen ihr Hirn einschalten. Das ist kein USP für Blogleser.

    Ich denke wir werden während des Bundestagswahlkampfs noch dem einen oder anderen Politblog begegnen. Seien es Parteiblogs oder auch von politischen Initiativen. Inklusive Propaganda, schlecht gemachter und gut gemachter.

  • Blognutzer sind Vielleser und Vielklicker. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Ein Weblog ist auf jeden Fall falsch verstanden, wenn ich es als weiteren Weg ansehe, Parolen zu verbreiten. Denn die werden hier in Wirklichkeit gar nicht verbreitet, weil sie niemand liest (abgesehen von den eigenen Leuten vielleicht). Dabei könnte ein Politblog mit Anspruch durchaus erfolgreich sein. Ich denke, es gibt eine Menge Menschen in diesem Land, denen nicht nur der übliche Wahlkampf, sondern auch die übliche Medienberichterstattung dazu aus den Ohren herauskommt. Wer da ein Zeichen setzt und auf ehrliche Information setzt, mal Fehler zugibt, auch dem politischen „Gegner“ einen richtigen Gedanken zubilligt (und im gleichen Atemzug zeigt, warum man den eigenen aber trotzdem besser findet)… das wäre mal was.

    Ich hoffe, wenigstens einige Wahlkämpfer hören mit den Parolen auf und versuchen ins Gespräch mit den Leuten zu kommen. Weblogs wären dafür eine ideale Möglichkeit. Die sollten dann aber personell auch so gut besetzt sein, dass eine echte Auseinandersetzung mit den Lesern durchgestanden werden kann.

    Mal sehen, was sich da so tut in diesem Jahr…

  • theglobalchinese | 01.06.2005 um 15:32 & Kommentarlink

    Mein optimierungsvorschlag für diesen Eintrag:
    theglobalchinese | 01.06.2005 um 15:32 & Kommerzlink

  • Wieso sollte der Websozi Blog schlecht sein? Ich finde, der ist genauso Kult wie die SPD und Uns Gerhard. Die, die jetzt über die SPD lachen und schimpfen, erinnern sich wohl alle nicht mehr an das Bimbesregime von Helmut Kohl.

    Deshalb bin ich gerade in die SPD eingetreten und hoffe, es folgen mir viele. Und bloggen tu ich auch.

  • @Marcel, knapp am Thema vorbei ist auch vorbei :-)) Das Label SPD ist im Kontext völlig egal. Es könnte auch das Hunzelbunzel Blog der Hunzelbunzel Partei gewesen sein. Der Titel lautet nicht umsonst „Gutes Beispiel für ein schlechtes Corporate Blog“.

    Btw, eigentlich bezeichnet man Deinen Kommentar als Spam. Aber wir wollen nicht undankbar sein für die aufkeimenden Politblogs, könnte was Spannendes werden. Happy Blogging!

  • Die alte Tante SPD sollte dafür bekannt sein, dass nicht alle studiert haben. Im blog.websozis.de werden Meinungen und Stimmungen von ganz normalen SPD-Mitgliedern verbreitet, ohne Strategie und Propagandaplanung, ohne geschliffenes deutsch.

    Wenn ich mich ärgere kann es durchaus sein, dass ich auch mal platt wirke. Dazu gibt es die Diskussionen, die ja auch nicht immer in die hohen Gefilde der Polittheoretiker abschweifen.

    Sicher wird in Zukunft unser Blog eine Mischung von beidem haben: fundierte Texte und einfach nur eine spontane Stimmung. Ich finde nichts schlimmes daran.

    Trotzdem: die Kritik hier gefällt mir, sie ist ehrlich gemeint und hat mit Sicherheit dafür gesorgt, dass wir es mit unseren „Stammtischparolen“ nicht übertreiben 😉

  • @Harald, was Du beschreibst ist unabhängig von meinem Feedback eine Art Prozess, „bloggish“ zu werden. Das Blog beeinflußt einen selbst, erstaunlich!! Man könnte es mit Fußballtraining bezeichnen. Je länger man spielt und trainiert desto besser kann man Fußball spielen. So auch beim Bloggen: Irgendwie ändert man den Schreibstil, die Themen werden variabler, auch interessanter, etc.. vieles rührt dabei durch die mit derZeit eingehenden Feedbacks / Kommentare der Leser und auch mitunter von Bloggern, die etwas auf ihrem Blog zum Thema beitragen möchten. Nach zwei Jahren(fast drei) bin ich immer noch fasziniert davon. Ich wünsche Euch und euren Lesern viel Laune mit dem Blog. Und zahlreiche Augenöffner 🙂