Höflichkeitslevel 0, 1 und 2

Robert Basic

interessante Meinung von einem Kommentator bei Lyssa (anlässlich des kleinen Streits zwischen Mena und Ben auf der LesBlogs-Konferenz):

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Wolf D. – 2005-12-08 – 04:50
Höflichkeit ist zwischen Deutschen und Amerikanern so ein Problem.

Wenn man einen Deutschen fragt, ob einem die neue Hose gefällt, wird er oft genug einfach „Nicht wirklich“ sagen, vielleicht verziert mit einem „ehrlich gesagt“. Das ist in den USA äußerst unhöflich – dort würde man etwas wie „I think the blue ones go better with that blouse“ sagen. Um den Unterschied deutlicher zu machen, in Japan würde man (übertrieben dargestellt) sagen: „Ist das Wetter nicht schön heute?“ Die USA haben eine Verschlüsselungsebene („Höflichkeit I“), die den Deutschen fehlt. Die Japaner haben darüber eine weitere Verschlüsselungsebene („Höflichkeit II“), die den Amerikanern fehlt. Es gibt Sondersituationen ohne Ende – junge Männer überall sagen sich fröhlich ins Gesicht, dass sie heute total scheiße aussehen, yo eh Alter – aber die Grundregel lautet: Deutsche verhalten sich zu Amerikanern wie Amerikaner zu Japanern.

Das ist das Problem im normalen sozialen Umgang: Deutsche kennen den US-Code nicht, und die meisten Amerikaner wissen nicht, dass die Deutschen so etwas gar nicht haben. Deswegen gelten Deutschen in den USA erstmal – wie Lyssa es so schön beschrieben hat – als unglaublich unhöflich. Da man einem Gast nicht sagt, wie unhöflich er ist – das wäre ja unhöflich – wissen die meisten Deutschen gar nicht, wie sehr sie sich nach den US-Regeln daneben benehmen. Umgekehrt muss man mit Amerikanern in Deutschland erst Rollenspiele machen, bis sie sich wirklich trauen, einfach „nein“ zu sagen – ungefiltert die Meinung zu sagen ist ihnen ein Gräul.

und weiterlesen (runterscrollen zum Kommentar No. 3)

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Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.