Sind Journalisten Aliens?

Robert Basic

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Web-QuatschingWatching Interview mit Dr. Thomas Leif, promovierter Politikwissenschaftler und TV-Chefreporter beim Südwestrundfunk in Mainz. Er ist erster Vorsitzender des Netzwerks Recherche und hat Bücher über Recherchetechniken und Lobbyismus in Deutschland geschrieben.

//Nabelschau.de? Aufklärung.com! Thomas Leif im Gespräch mit Kristin-Leonie Weiland

Der „Blog-Theoretiker“ Don Alphonso sagt, dass Journalisten entscheiden, „welchen Ausschnitt der vom eigenen Vorurteil geprägten Halbwahrheit der Nutzer letztendlich präsentiert bekommt“. Und er glaubt, Weblogs könnten für die Profis tödlich werden. Sind Sie tatsächlich der Ansicht, dass von Weblogs keine Gefahr für den klassischen Journalismus ausgeht?
Absolut. Wenn Nicht-Journalisten und „Blog-Theoretiker“ wie Don Alphonso sich über die Selektionsrolle von Journalisten beklagen, bin ich grundsätzlich sehr skeptisch. Die meisten Blogger sind von ihrer Selbstdefinition her viel subjektiver als jeder seriöse Journalist. Während ernsthafte Journalisten zumindest versuchen, objektivierbare Kriterien einzuführen, sind viele Blogs von einer Hypersubjektivität getrieben. Der Blogger stellt seine eigene Person in den Vordergrund. Es handelt sich oft um selbstverliebte Egozentriker, die ihren Mitteilungsdrang befriedigen wollen. Das ist legitim, aber keine journalistische Haltung. Viele Blogs sind gespickt mit Anfeindungen, Unterstellungen und systematischer Provokation. Es werden beispielsweise bewusst andere niedergemacht, ohne dass der Blogger jemals persönlich mit ihnen in Kontakt getreten ist. Dadurch lenkt er jedoch Aufmerksamkeit auf sich selbst und genießt den Hype, der um ihn herum entsteht. Dem Großteil der Blogger geht es eben nicht ernsthaft darum, einen Sachverhalt aufzuklären oder einen Vorgang zu analysieren. Die meisten präsentieren nur einen privaten Tabledance. Selbstverständlich gibt es aber auch sehr gute, qualitativ hochwertige Blogs. Das sind jedoch nur Mini-Inseln in einem Ozean von Inhalten, für die journalistische Gesichtspunkte nicht gelten.

Was ist für Sie ein qualitativ hochwertiges Blog und wodurch ist es charakterisiert?
Ein herausragendes Qualitätsblog ist beispielsweise BILDblog.de. Das ist eine der Top-Ausnahmen unter den Blogs: absolut professionell, inhaltlich exzellent und genuin journalistisch definiert. Die Macher von BILDblog sind sehr engagiert, bringen stets Beweise und Querbelege an und recherchieren sauber und genau. BILDblog findet bis in die Redaktion der Bild-Zeitung hinein Beachtung und führt dort zu Diskussionen über die Peinlichkeiten und Ausrutscher, oftmals sogar mit dem Resultat, dass Artikel oder Aussagen korrigiert werden. Wenn nur zehn Prozent der Blogger so arbeiteten, dann würde mir ein Stein vom Herzen fallen. BILDblog ist der Beweis für die ungenutzten Chancen dieses Instrumentes.

Ich bin ja froh, daß ich journalistische Tätigkeiten nicht beschreiben muss. Es ist schon befremdlich, wie Journalisten dazu tendieren, Blogs so abzukanzeln, als würde man vom Teufel sprechen. Mir kommt dann immer das Bild von zwei Menschen in einem Cafe, die sich gemütlich über den gerade genossenen Kinofilm unterhalten. Irgendwann platzt dann ein Journalist dazwischen und brüllt „was ist das für ein Schmarrn, wo bleiben eure journalistischen Grundsätze, wo bleibt eure Objektivität…“ … zwei Sekunden später ist bereits der Abholdienst mit Zwangsjacke da 🙂 Strange, very strange diese Haltung, über bloggende Webnutzer so zu urteilen.

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Oder wollen ganz bösartig lieber den Kritiker Beppe Grillo (eine Art Jon Stewart Italiens) zu Wort kommen lassen, was die hehren Grundsätze der Journalisten angeht? Siehe The Role of Bloggers

Passend dazu auch der Artikel von Klaus „Blog-Bashing: Ritter der Schwafelrunde

Oder der von Gerhard Schoolmann in Alle Journalisten sind schwul?

Nun ja, ein paar selbstverliebte Egozentriker kenne ich auch unter den Journalisten, ohne von denen auf „den Journalisten“ an und fuer sich schliessen zu wollen. Der eine laesst sich bekokst mit ukrainischen Huren erwischen, ein anderer ist so weit die Treppe hoch gefallen, dass er sogar mal als „Superminister“ bezeichnet worden ist.

(*krall am Stuhl fest, ich fall gleich vor Lachen auf den Poden*)

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Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.