Sonstiges

Was kostet die Welt? Netscape-Jason scharf auf Digg-User

Großmaul Jason (Gründer des Blognetzwerks Weblogs Inc. – u.a. Engagdet.com -, vor ca.1 Jahr für 25 Mio USD an AOL verkauft, nunmehr für AOL tätig) bekommt die Kurve nicht mit seinem Digg-Klon Netscape.com (!) und muss jetzt mit grünen Scheinchen vor der Nase der Alpha-User von den anderen Nachrichtenseiten herumwedeln:

Before launching the new Netscape I realized that Reddit, NewsVine, Delicious, and DIGG were all driven by a small number of highly-active users. I wrote a blog post about what drives these folks to do an hour to three hours a day of work for these sites which are not paying them for their time. In other words, they are volunteering their services. The response most of these folks gave back to me were that they enjoyed sharing the links they found and that they got satisfaction out of being an „expert“ or „leader“ in their communities. Excellent… excellent (say that in a Darth Vadar/Darth Calacanis voice for extra impact). That is exactly what bloggers told Brian and I three years ago when we started. Given that, I have an offer to the top 50 users on any of the major social news/bookmarking sites: We will pay you $1,000 a month for your „social bookmarking“ rights. Put in at least 150 stories a month and we’ll give you $12,000 a year. (note: most of these folks put in 250-400 stories a month, so that 150 baseline is just that–a baseline).

Ich sehe es wie Michael Arrington von Techcrunch.com:

Netscape has a massively larger audience than Digg, but has absolutey failed to impact Digg growth at all. AOL placed a big bet on this product, and I imagine they want to see fast results. They aren’t getting those results. Jason’s post is a sign of desperation more than anything… It looks like AOL has a mess on its hands. The obvious question is, will Jason will be the fall guy when it comes time to point fingers?

Und was meinen die Digg-User? Antworten

Vom Prinzip ist es nur fair, User einen Obulus zum Wertbeitrag der Plattform zu bezahlen. Doch das hätte Netscape vorher machen sollen, nicht jetzt erst, so kommt es als Rettungsversuch rüber.

Hintergrund, warum Jason so scharf auf diese Alpha-User ist, ist ein Effekt, den man überall im Netz beobachten kann. Ein sehr geringer Teil der Wikipedia-Leser tragen auch Artikel ein. Ein sehr geringer Teil der Flickr und YouTube-Benutzer postet Videos und Bilder. Bei Foren ist das Bild aufgrund der Ausrichtung etwas anders: Wenige Alpha-User antworten auf nahezu alle Fragen schnell und kompetent. Bei Blogs schreibt meistens eine Person, die meisten lesen, nur ein Bruchteil kommentiert. Sprich: Solche User generated Content Seiten werden von einer dünnen Schicht an aktiven Usern getragen. Die eigentlichen Nutzer sind die vielen passiven Konsumenten (häufig auch Lurker genannt). Verliert eine Plattform seine Alpha-Tierchen, wird das System stark geschädigt, da selten Betas in die Lücken nachrücken. Wenn nix mehr nachproduziert wird (quantitativ und qualitativ), wandern auch schnell die Lurker ab. Das die Theorie.

Bei Digg posten die Topuser nicht nur viel, überdurchschnittlich viele ihrer Stories landen auf der Hauptseite = wichtige News. Ob nun aber bei Digg ein Großteil der Stories dank weniger Topuser auf der Startseite landet oder nicht, dürfte für Digg irrelevant sein (siehe Teccrunch). Auch wenn 50% der Topuser abwandern würden, dürfte Digg davon nicht wirklich etwas merken. Das Momentun von Digg ist imho mE zu groß geworden. Ob aber umgekehrt die Leserschaft mit Hilfe der umgezogenen Alpha-Tierchen bei Netscape explodiert, wage ich zu bezweifeln. Ich bin mir unsicher, aber die Historie einer Plattform oder sagen wir besser das Face ist ein gewachsenes Etwas. Es reicht nicht aus, wenn 20 User wie verrückt 200 Stories auf eine neue Plattform gleicher Bauart ballern.

Jobs in der IT-Branche


Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

7 Kommentare

  • […] Wundert mich irgendwie nicht wenn man sich mal die Webseite anschaut, die versucht die Kunden so viel wie möglich im Angebot selber zu halten – außerdem ist das jetzt schon der wievielte Abklatsch von DIGG? Dass Yigg nicht so viele Nutzer hat ist für mich logisch, der deutsche Sprachraum ist kleiner als der englische und wer gut englisch kann postet lieber bei DIGG. Das Wedeln mit grünen Scheinen ist jetzt nicht so die ideale Strategie um da Abhilfe bei Netscape zu schaffen. Nun denn, beobachten wir das mal, aber ich glaube die haben sich da sehr stark verhoben… […]

  • Abwarten. Dass man mit Blogs oder Blog-Netzwerken Geld verdienen kann, war anfangs auch nicht jedem sofort klar. Natürlich „reicht [es] nicht aus, wenn 20 User wie verrückt 200 Stories auf eine neue Plattform gleicher Bauart ballern“, aber das scheint hier auch gar nicht der Plan zu sein (s. Kommentar von C.K. Sample III auf Techcrunch).

    Interessant auch Jason Calacanis‘ Antwortkommentar.

  • very interesting to read your comments to this discussion raging at techcrunch…I am Jason’s former partner at SAR and have subscribed to your rss feed…good to find this…spot on with moist of the comments…jason is quite active but the negative word „GroSmaul“ might not be the best fit
    bis bald

    k

  • Ich denke bezahlen wäre schon die richtige Richtung, allerdings nicht die „Lieferaten“, sondern die Quellen. Bezahlen dafür, dass es einen Link scape.it! statt digg it! gibt.

  • Money for Nothing…

    Was ich ja wirklich sehr lustig finde: Eine Kunstfigur wie Don Alphonso – nichts gegen ihn, sein Unterhaltungswert ist sehr hoch – will der deutschsprachigen Blogosphäre die ganze Zeit etwas von Glaubwürdigkeit erzählen. Und davon, dass Geld verdien…

  • Neuer Beruf: Bookmarker…

    Während bei uns noch heiß darüber diskutiert wird, ob man für Geld bloggen darf, ist die Debatte in den USA schon einen Schritt weiter. Dort wird über die Bezahlung von „Social Bookmarkern“ gestritten….

  • […] anläßlich der Diskussion, die Jason Calacanis angestoßen hat, ein passender Artikel der Guardian: What is the 1% rule?. Companice berichtet von ähnlichen Erfahrungen, dass nur wenige User den Großteil der Beiträge/Inhalte beisteuern. Siehe auch Bradley Horowitz/Yahoo: Creators, Synthesizers, and Consumers (auch sonst ein sehr interessantes Blog, Bradley ist Chef der Technology Development Group of Yahoo! Search & Marketplace) […]