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Gimahot: eBay reversed

eBay ist eine Auktionsplattform. Verkäufer stellen Produkte ein. Interessenten können bieten. Bis zum Ablauf der Auktion einer den Zuschlag bekommt, der das Höchstgebot abgegeben hat. Soweit das uralte Prinzip. Andere Auktionsanbieter wie Azubo.de drehen das Prinzip um: Der Verkäufer stellt das Produkt zu einem Höchstpreis ein. Mit der Zeit fällt der Preis linear. Bis ein Käufer zuschlägt und das Produkt zum gegebenen Preis damit erwirbt. Das nennt sich reversed auction, bei Azubo halt zeitbasierend automatisiert.

gimahot
Gimahot ist ein recht neues Onlineangebot (Start war wohl 2005). Man könnte es ebenfalls als Auktionshaus bezeichnen, Gimahot nennt sich aber lieber Börse. Das hat auch einen bestimmten Grund: Auf einer Börse kommen Angebot und Nachfrage zusammen. Käufer beziehen Produkte zu einem Preis, zu dem Verkäufer bereit sind, das Produkt zu verkaufen. So ähnlich soll es bei Gimahot zugehen: Käufer können ein Produkt zu einem bestimmten Preis sofort kaufen. Oder aber ein Kaufangebot unter dem momentanen Sofortkaufpreis abgeben. Die Verkäufer können nun darauf reagieren. Der Sofortkaufpreis soll btw das günstigste Angebot sein, wenn ich es richtig verstanden habe.

Gimablog dazu:

Gimahhot ist die weltweit erste Produktbörse für originalverpackte Neuware, bei der alle Auktionen eines Produkts in nur einem einzigen Verkaufsfenster zusammengefasst werden. User können entweder sofort kaufen oder Gebote abgeben, auf die alle Verkäufer reagieren können – genau wie an der Börse, nur dass Markenartikel anstelle von Aktien gehandelt werden. Dabei fasst Gimahhot die Vorteile von Auktionshäusern und Preissuchmaschinen zusammen: Einerseits kann der Käufer Gebote abgeben, andererseits wird ihm der günstigste Preis offeriert.

Wie das nun im Detail funktioniert, ob Verkäufer eine Mail bekommen, dass ein Kaufinteresse zu einem bestimmten Wunschpreis vorliegt, etcpp.. weiss ich nicht. Ob Verkäufer nur Händler sein dürfen, weiß ich auch nicht. Ob es sowas wie Powerselling gibt, kA. API? Weiß nicht. Was die Ausbaupläne sind? Wie sieht das Marketing aus? Wo soll es hingehen? Momentan sind für alle Parteien die Gebühren 0. Wie lange aber noch und wie hoch werden diese sein? Wer steht dahinter? Was für ein Team garantiert den Erfolg? Worauf kann man bereits zurückblicken? Sieht man sich als Mini-eBay? Warum sollen die Leute darauf abfahren, solange die Börse so klein ist? Was ist mit Partnerprogrammen?

Was mir auf den ersten Blick auffällt:
– es sieht irgendwie statisch aus oder besser gesagt, es gibt keine visuellen Indikatoren, dass wie auf einer Börse die Post abgeht. Bei eBay sieht man zB Hitcounter, Kommentare, Ratings und die Anzahl der Gebote
– liest man sich die Kommentare auf Webseiten zu Gimahot durch, merkt man auch, dass noch wenig los ist bei Gimahot. Das ist kein Vorwurf, Gimahot steht ja auch am Anfang. Doch für eine funktionierende Börse ist es für das Zustandekommen von vernünftigen Marktpreisen unabdingbar, dass es brummt
– das Design ist sehr trocken
– mir persönlich fehlen Angaben zum Verkäufer. Das halte ich für unabdingbar! Auch wenn ich ein Produkt für x% günstiger erwerben kann, lege ich wert darauf, etwas über den Verkäufer zu erfahren. Habe wenig Lust, beim Rückversand auf der Ware hängen zu bleiben, keine Antworten bei Rückfragen zu bekommen oder im Garantiefall geküsst zu sein

– es gibt kein About und auch keine FAQ auf der Seite, ist das Absicht?

Vom Prinzip her finde ich den Gedanken nicht dumm. Was mir zB auffällt, dass es keine, ja, hm“€¦ Social Commerce Aspekte gibt, um mittels der Webavantgarde einen gewissen Buzz zu erzeugen. Oder sagen wir eher „€œZeitgeist“€? fehlt mE. Abgesehen vom Zeitgeist fehlt vaD ein Aspekt: Wenn man als User Produkte sucht und nicht findet, ist das kein Grund zum bleiben. Verständlich, dass das Portfolio klein ist, aber was tut man strategisch für den User, um Enttäuschungen zu vermeiden? Was tut man dagegen, dass die Preise nicht zu profan hoch sind gegenüber dem allgemeinen Preismittel. Das mittels Preissuchmaschinen nicht schwer zu ermitteln ist für den User. Schränkt man lieber das Portfolio ein, um sich einen kleinen Mikromarkt zu schaffen? Lässt man nur Sonderangebote zu, was die Preislage angeht? Wie also wachsen? Wie den Kernnutzen noch viel prägnanter in den Vordergrund stellen, um die User zur Geduld und Wiederkehr zu erziehen? Sprich: Wo ist der Buzz, der Leute geil auf Gimahot macht?

Resumee:
Wenn es sich kritisch anhört, was ich oben gesagt habe, dann ist es lediglich positiver Realitätssinn imho, um die kritischen Punkt von Gimahot herauszuschälen. Ich gönne es jedem Webstartup, gigantisch erfolgreich zu werden. Bis dahin ist es halt ein langer Weg. Insbesondere die Startphase ist spannend. Also, schauen wir mal, ob Gimahot 2006 mehr Pace zulegen kann als 2005, bisher läuft das mE sehr schleppend aufgrund o.g. Gründe. Toi, toi, toi, Gimahot!!!

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

1 Kommentar

  • Hatte gerade mal nach Azubo und Blogeinträgen gesucht und bin hier gelandet. Ich wollte mal wissen wie es denn mit der Plattform Azubo so steht. Weiss noch wie es in den Medien gehypt wurde. 4 Azubis der Telekom machen eBay Konkurrenz. Wenn man jetzt auf die Seite geht findet man zwar Angebote aber kaum Bieter … es ist schwer dem Monopolisten eBay was vom Kuchen wegzunehmen… und genauso wird es wahrscheinlich auch Gimahot ergehen.