Sonstiges

was wäre, wenn…

passend zum Berufsblog VS Steel kommt mir der Gedanke, was ich eigentlich damals werden wollte. Und ob es gut oder schlecht ist, dass ich das nicht geworden bin. Wie war das?

Kurz vor dem Abi (20 Jahre her) hatte ich im Grunde genommen zwei Berufswege im Kopf: entweder wirste Arzt oder meldest Dich bei der – damals – jugoslawischen Armee und bewirbst Dich als Kampfpilot. Hey, hey, ich war jung, da hat man manchmal eben Flausen und ist auch leicht schräg angehaucht. Ich kann niemandem logisch diese Diskrepanz erklären, zwischen Leben retten und Leben nehmen. Wahrscheinlich wars der Grundgedanke, dass man sich fanatisch mit etwas auseindersetzen muss, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, kein Grau, nur Schwarz/Weiß. Scheint wohl die Suche nach dem einfachen Lebensmodell zu sein. Dürfte auch erklären, warum ich mich auch beim Bloggen mit dem Thema selbst bis zum Anschlag auseinandersetze, das Objekt knete, forme, teste, laut denke, unabhängig davon, was die Volksmeinung sagt oder denkt. Wer sich mit etwas nicht intensiv beschäftigt, nur aus der Entfernung drüber schwadroniert, hat in meinen Augen nix zu melden, weil Schwafler und Theoretiker. Extrem, aber its so. Wie auch immer. So oder so war die zweite Alternative irgendwie zu krass. Man stelle sich vor, ich als Kroate in der jugoslawischen Armee zur Zeit des Bürgerkriegs. Im Knast hockend oder auf welcher Seite auch immer auf die eigenen Landsleute ballernd, na… grusel…

Also Medizin. Meine Mutter hatte bereits was in dieser Richtung ausgeübt und dieser Bereich hatte mich schon immer fasziniert. Nicht nur menschlich, sondern auch wissenschaftlich aufgrund der immensen Komplexität der gesamten Materie. Bio-LK ging easy von der Hand, insofern konnte ich mir ausmalen, dass ich es wohl einigermaßen packen könnte, mich bis zum Physikum durchzuboxen. Ärzte im Krankenhaus während des Praktikums in der 9. Klasse hatten mich aber vor diesem Berufsweg gewarnt, dass wäre alles kein Zuckerschlecken. Nun ja, dann erst Recht, dachte ich mir damals. Ich zur Studienberatung gelatscht und mitbekommen, dass ich mich als Ausländer nicht via ZVS bewerben kann (ZVS? Zentrale Studienvergabe auch für Mediziner, müsste es auch heute noch geben?). Der Fuzziebär erklärte mir das Verfahren: direkt bewerben, 50% der ausländischen Kandidaten kommen aus dem Ausland, 50% aus dem Inland. Notenschnitt wird dann wechselweise herangezogen. 1. Kandidat mit Bestnote aus Ausland, 2. Kandidat mit Bestnote aus Inland usw. Meine Chance, mit einem popeligen Abi von 2.1 durchzukommen, seien verschwindend gering. Zudem es keine Wartezeit gäbe, die einem angerechnet wird. Und man müsse sich direkt an jeder Uni einzeln bewerben. Puh… also war das wohl nix mit dem Medizinstudium. Von Kindesbeinen an war das mein Traum, der einfach so zerplatzte. Da ich mit 19 aber zu dem Zeitpunkt keinen Bock auf Büroarbeit hatte, suchte ich mir irgendein Studium, das man easy durchziehen kann und einem einigermaßen ne Chance auf einen guten Berufseinstieg bietet. Unweigerlich stößt man dabei auf BWL. Buch auf, auswendig lernen, zuklappen, Arbeit schreiben, fertig. Bis heute bin ich übrigens auch nachträglich der Meinung, dass BWL zu einem der einfachsten Studiengänge schlechthin gehört, wenn man einfach nur schnell durchkommen möchte und dennoch keinen Exoten-Studiengang absolvieren will. Man muss nicht denken, man muss einfach nur auswendig lernen. Wem das von der Hand geht, hat leichtes Spiel. Ja, ja, Anspruch der Wissenschaft ist ein anderer. Ich habe aber zu dem Zeitpunkt nix Großartiges mehr gesucht, nachdem Medizin geplatzt war und ich mir noch 3-4 Jahre den Lenz machen wollte an der Uni.

So im nachhinein betrachtet, war das mein größter Fehler in meinem Leben: etwas zu tun, worauf man eigentlich keinen Bock hat. Genauso lief das Studium: in drei Semestern das Grundstudium, schneller gings halt nicht gemäß Vorschriften. Die Diplomarbeit konnte auch erst frühestens im 5. Semster abliefern, um frühestens im 8. Semster das Examen zum Diplomkaufmann durchzuziehen. Im 5. Semster hatte ich auch dann alle meine ollen Hauptstudium-Scheine. Dann nur noch die Diplomarbeit. Pustekuchen. Ab dem 5. Semster verlor ich rapide meine Lust am Studium, das so schrecklich trocken, überfüllt und mir persönlich weitab von der Praxis erschien. Wie, Rob, du willst doch nicht im 8. das Ding beenden und dann einen auf Controller in irgendeinem Unternehmen machen? Gedacht, getan, hatte dann reihenweise einen Aushilfsjob nach dem anderen angenommen. Banken, Handel, Pharma, Kreditkarten, Tourismus, Versicherungen, etc etc etc. Das machte dann in der Tat Laune. Bis mir ein Vorstand steckte, dass es zwar toll sei, wenn man als Aushilfe nen guten Job macht, aber der Wein wird dadurch nicht jünger ohne Examen. Irgendwann im 16. Semester wieder die Uni von innen gesehen, mehrere Repetitorien besucht und im 17. Semester den Diplomschein abgeholt. Was Gutes hatte diese lange Warteschleife: ich hatte meine Liebe zur IT entdeckt. Schnell, dynamisch, komplex, abwechselnd, Köpfchen gefragt (ITler denken das alle von sich). Das lag mir, ich mochte Maschinen, Tag und Nacht an einer blöden Schleife abhängen, bis das System endlich das macht, was man will.

Ach ja, irgendwann im vierten Semester traf ich eine alte Schulfreundin aus meinem Abi-Jahrgang. Sie studiere Medizin in Tübingen und es würde saumäßig Fun machen. Sie war Serbin, hatte ein gutes Abi von 2.5 hingelegt und wurde prompt von Tübingen genommen. Ich liebe das Leben:)

Was würde ich also heute als Mediziner tun? So oder so, als Chirurg oder what ever würde ich mich wohl nebst dem Alkohol meinem Blog hingeben. Insofern macht es wohl keinen Unterschied, wie man zum Bloggen kommt *chuckles* Was bleibt also? Die Erkenntnis, dass das Leben zu kurz für blödes Geschwafel, falsche Freundlichkeiten und was Stupides berufsmäßig ist. Es ist zu kurz. Das andere Element, Menschen unbedingt helfen zu wollen, ist eigentlich via Blog verkümmert, indem man versucht, andere auf den Trichter zu bringen, dass man mit Blogs sehr wohl Kohle machen kann wie auch als Selbständiger der Nutzen nahezu unendlich groß ist (das bezweifeln viele, aber thats me).

ok, genug über Privates geschwafelt. Das geht Euch nix an:)


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

17 Kommentare

  • Mensch fast verrechnet.
    Ich finde es super auch mal was aus deinem (früheren) Leben zu erfahren. Toll. Ist die Gaffermentalität oder so. Oder eben Neugierde, wenns uns schon nix angeht.

  • Ich glaube, es ging Dir weniger ums Leben retten oder Leben nehmen, sondern vielmehr darum, dass Medizin und Militärluftfahrt überaus interessante Fachgebiete sind.

    Wieso muss man sich heutzutage eigentlich immer entschuldigen, wenn man zur Armee will oder dabei war? So’n Quatsch, ich steh dazu und wer’s verpasst hat, dem fehlt eine wichtige Erfahrung im Leben. Blöde Zivilisten! 😉

  • entschuldigen müsste ich mich wohl erst nachher, wenns zu spät ist, insb. wenn man den geschichtlichen Verlauf Jugoslawiens in der Neuzeit betrachtet. Ich bin heilfroh, nicht irgendwelche Kriegserfahrungen gesammelt zu haben.

    @Linus, eher weniger, da ich Wein nicht mag, trinke ich (dreimal darfste raten)

  • Als ich 2005 Abi gemacht habe, begannen viele danach ein BWL-Studium. Nun sind wir derzeit zu dritt unterwegs und studieren Informatik – ich denke wir werden nach unserem Master 1. mehr Geld als die BWLer verdienen und 2. einfacher einen guten Job finden. Man sollte also wirklich schon vorzeitig überlegen, wie es mit den Jobs in 6-7 Jahren aussehen könnte.

    Bei uns heisst es: Wenn man nicht weiß was man studieren soll, dann eben BWL. Scheint wohl auch schon vor mehr als 15 Jahren so gewesen zu sein …

  • Robert, in die Zukunft kann niemand schauen.

    @Daniel
    Auch Ingenieure werden gesucht. Ich hatte auf meiner Rückreise von der Axalp, Schweiz im Oktober ein kleines Erlebnis. Ein Jugendlicher äusserte sich:

    „Mit BWL verdienste am meisten. Physik und Mathe sind mir zu schwer.“

    Das hilft das Wissen und die Einstellung der BWLer einzuordnen. Und nein, als Ingenieur mag ich keine BWLer. 😉

  • @Robert
    …und wer gar nichts wird, wird Betriebswirt. 😉

    Aber bei mir war das mit dem BWL-Studium doch etwas anders. Und ich wollte auch nie was mit Medizin machen oder zur Armee. Im Gegenteil. Ich bin eher von der Idee Wirtschaftsinformatik zu BWL rübergerutscht. Hatte auch was mit Chancen auf nen Studienplatz zu tun.

    P.S.: Witzige Story, das Ende hat mich laut auflachen lassen. 🙂

  • *lach*… ja, so.. Medizin wolltest du machen… Tja, da kann ich dann wohl mehr berichten. Also, wenn deiner Schulfreundin das Ganze soooo gefallen hat, dann muss ich schon fragen, warum… und das auch noch in Tübingen… da hab ich nämlich auch studiert. 😉
    Ich kann mir ihren Enthusiasmus nur so erklären: Parties gab es da noch und nöcher, berühmt-berüchtigt die WiWi-Party, bei dem man Theologen mal richtig beim Abkotzen zusehen konnte. Wahrscheinlich fand sie’s deshalb so toll, weil man gleich alle Alkoholleichen direkt in die nur wenige 100m entfernte Uniklinik zerren durfte. *lol*

    Ansonsten muss ich im Nachhinein sagen, war das Medizinstudium zwar an sich kein Fehler, aber in dem Beruf werde ich bestimmt nicht so schnell arbeiten.

    Du musst übrigens wirklich viiiiiel älter sein als ich. 😉 Als ich mich damals erkundigte, hieß es, dass ich „Bildungsinländerin“ bin… ja, ja, so schnell geht das: Gerade noch biste Ausländerin erster Klasse und darfst überall ’ne Extrawurscht braten, aber beim Studienplatz biste dann wieder gut genug, dich in der hinteren Reihe anzustellen. Ich wäre ja gerne von Uni zu Uni getingelt und hätte mich mit meinem damaligen Enthusiasmus persönlich beworben… 😉

  • ich hatte in dem Moment nicht mehr die Power, sie zu fragen, was sie mit Fun konkret meinte;)

    was mir aber auch immer der Typ von der Studienberatung erzählt hatte, konnte das irgendwie nicht so ganz stimmen. Muss um 85/86 gewesen sein. Wenn ich es bei Dir richtig deute, bist Du dann über die ZVS gelaufen?

  • @Robert
    Du hättest das Losverfahren prbieren können, so kam ich zu meinem Studienplatz.

    Was das „Was wäre, wenn …“ anbelangt, wer weiß, vielleicht hättest Du Dich unsterblich in eine Komilitonin verliebt, Du wärt ihr als Ärtzte ohne Grenzen in Krisengebiete gefolgt (teils weil die Ärzteschwämme eine Anstellung schwierig machte, teils weil der Idealismus eine starke Antriebsfeder war), dort hätte man Euch beiden allen Idealismus geraubt, ihr wärt zurückgekehrt und hättet eine Praxis eröffnet. Das Internet hättest Du nicht für Dich entdeckt, denn die Praxis am Leben zu halten und medizinisch auf aktuellem Stand zu bleiben hätte keinen Platz gelassen für’s bloggen und es hätte auch für Dich keine Bedeutung. Denn wenn Du am Abend aus der Praxis kommst, hast du deinem Mitteilungsdrang längst in den vielen Gesprächen mit deinen Patienten ausgelebt.

    🙂
    Jede Entscheidung in unserem Leben bringt uns in ein anderes Umfeld und wir begegnen den unterschiedlichesten Menschen, die Einfluß auf unsere Entscheidungen und Denkweisen ausüben. Mit den Schlüsselerlebnissen in unserem Leben formt sich unsere Haltung der Welt und uns selbst gegenüber und je nach Tätigkeit werden Bedürfnisse gedeckt, die andere Tätigkeiten in der Freizeit ausschließen oder bedingen.

  • Einen Schnitt von 2,1 hatte ich auch (wenngleich auch noch ein paar Jahre vor dir).

    Was würde ich also heute als Mediziner tun? So oder so, als Chirurg oder what ever würde ich mich wohl nebst dem Alkohol meinem Blog hingeben.

    Ja, so ähnlich. Als Arzt bleibt auf auf jeden Fall weniger Zeit zum Bloggen und für den Alkohol 🙂

  • @Linus, eher weniger, da ich Wein nicht mag, trinke ich (dreimal darfste raten).

    🙂
    dann prostete gestern abend ein weinglass einem ****glas zu. der artikel klang in meinen augen aber doch sehr weinmässig/kommunikativ. wünsche eine gute woche.

  • Ja, ich bin über die ZVS gegangen, inkl. TMS (Test für medizinische Studien, oder so ähnlich). Allerdings habe ich mein Abi 95 gemacht, kann also schon sein, dass sich da was geändert hat. 🙂

  • also das BWL Studium von damals muss ja zielich lustig gewesen sein.
    Deine Hauptstudiumsfächer hast du angeblich nach dem 5ten fertig gehabt, d.h. du hattest 2 Semester für alle Veranstaltungen.
    Wenn man sich das mal aufs heutige Studium z.B. in Mannheim rechnet wären das so ungefähr 18 h Veranstaltungen am Tag (die natürlich garnicht so angeboten werden und sich überschneiden würden). Das sind dann ca 5 h Schlaf am Tag und das alles ohne Lernen. In der KLausurenphase hättest du ja dann garnicht pennen können.
    Also enteder früher was das wirklich anders oder da war der Wunsch Vater der Gedanken.
    Habe noch von niemandem gehört, der jemals sein HS in 2 Semestern durchgezogen hätte. Selbst 4 inkl Arbeit sind fast schon ein Unding….

  • mal sehen ob ich die alten BWL Regeln aus der Uni FFM noch hinbekomme: Grundstudium waren es damals 13 Scheine, denke ich. Bei mir war es 4-4-5. Wirklich kein Hexenwerk. Gab auch welche, die hatten 6+7 gemacht. Also nur 2 Semester. Hauptstudium 5 Scheine heißt, dass man 3 Scheine in speziellen BWL Fächern machen musste, einen in AVWL und einen fünften, weiß aber nicht mehr, was der fünfte Schein war. Doch, ABWL! Also drei Spezielle und zwei Allgemeine. Das wars dann auch schon. Hinzu kommt die Diplomarbeit -damals vor dem schriftliche und mündlichen Examen-,die man erst ab dem 5. Semester machen konnte. Wa rdie Diplomarbeit mehr VWL lastig, musste der dritte Spezialschein ein BWL Thema sein. Wenn man diese sechs Sachen hatte, konnte man ab dem 8. Semester sein Examen machen. Schwer? Kann sein, dass Mannheim knüppelhart ist, aber damals war BWL in FFM so easy, dass man ohne die Seminare zu besuchen locker seinen Schein bekam, dazu musste man nicht hochgegabt sein, einfach nur Bücher und Skripte auswendig lernen. Und täusch Dich nicht ob des Speeds mancher Studenten, die werden lediglich durch die Mindestzeiten blockiert. BWL ist kein Hexenwerk. Heute anders? In Mannheim? Auch Mannheim ist keine Elitekaderschmiede, hatte zwar damals nen etwas besseren Ruf, aber so tolle war der auch nicht. Nach Gesprächen mit einigen Leuten aus Unternehmen hatte ich mich dann für FFM entschieden (als Ausländer musste man sich damals direkt bewerben, nix ZVS, heute auch?), hatte noch Zusagen aus Heidelberg, Köln, Mannheim und eben Frankfurt selbst. Gab keinen Grund für mich, meine Heimatstadt zu verlassen. BWL war doch eh ein Notnagel.

    Ist das heute so, dass BWL etwa vom Anspruch her angezogen hat? Ich weiß nicht, irgendwie mag ich das nicht glauben. Es sei denn, die haben die Anzahl der Scheine hochgeschossen, den Cut bei den Noten extremst angezogen usw. Wie ist denn das bei Euch, erzähl mal mehr, würde mich echt interessieren, was ihr so bringen müsst.

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