Sonstiges

wie ich zu meinem Blog kam

long story, Obacht:)

anno 2001 tummelte ich mich intensiv auf dem Lotus Notes Forum atnotes.de herum (das No.1 Forum für Notes-Experten). Bis dato war ich ein typisches Forenkind. Ideal zum Austausch, Fragen, Diskussionen etcpp. Wozu halt Foren eben so da sind:) Irgendwann stieß ich dort auf eine URL names codestore.net von Jake Howlett. Eine exzellente Site zum Thema Webprogrammierung mit Notes. Was mir auffiel: die Texte waren chronologisch sortiert, man konnte die Texte gar kommentieren (inkl. Threading) und rechterhand war eine Sidebar mit lauter Links. Für mich war das eine Website mit Forenfunktionalität, anders konnte ich es mir nicht erklären damals. Und, sie war auf Lotus Notes Basis erstellt (immer noch, btw).

Hatte eine ganze Weile gedauert, bis ich gecheckt hatte, dass es sich um ein Blog handelt. Auch vorher schon tauchte der Begriff bei meinen Surftouren immer wieder auf, ich dachte dabei stets, es müsse sich wohl um eine Programmiersprache oder um ein Framework handeln:) Na ja, also irgendwann war mir dann klar, dass ein Blog ein CMS sein muss, mit dessen Hilfe es angeblich easy sein soll, Inhalte auf eine Website zu stellen. Hatte mich dann umgeschaut und bin auf Movable Type gestoßen. Schwupps, auf basicthinking.de installiert, die vor dem Frühjahr 2002 eine schnöde Me2 Website war. Langweilig, statisch, nix los, außer „ich bin toll, bucht mich“.

Zu meinem Erstaunen stellte es sich tatsächlich so dar, dass das Publizieren supereasy war. Ich hatte bereits vorher zahlreiche CMSe ausporbiert, doch keins war dabei, was mich sonderlich fasziniert hätte. Mal war die Community zu klein (kaum Support bei Bugs), mal war das Sys umständlich zu bedienen, mal war es viel zu groß. Movable Type erschien mir revolutionär einfach wie auch rund. Dazu kamen weitere Aspekte, die es so auf anderen CMSen nicht gab (nein, ich zähle jetzt nicht die Features von MT auf).

Ich war hellauf begeistert, dass man auch bei Movable Type Blog-Artikel kommentieren konnte. Das erschien mir irgendwie höchst außergewöhnlich. Eine eigene, persönliche Website, auf der man andere User ranlässt? Das war zwar auch auf Systemen wie PHP-Nuke so, doch das waren typische CMSe für Communities, nicht aber für One Man Website-Shows.

Wow… ja, der Link „RSS“ (das hieß damals „syndicate this blog“) hatte mich auch auf meinem Blog noch längere Zeit richtiggehend geärgert: wieso kommt man da in so eine eklige Ansicht, die kein Mensch lesen kann? Hatte ich nicht kapiert. Und keiner hatte es erklärt. Grrr… nach einer Weile herumsuchen fand ich dann irgendwo einen Artikel zum Thema RSS mit lauter buntigen Bildern, in denen mittels eines RSS-Programms gezeigt wurde, wie hilfreich sowas sein kann, eine Menge an Blogs zu scannen. Ohne den Einsatz einer RSS Software hatte ich ca. 40 Blogs täglich nach Neuigkeiten abgesurft. So groß war ungefähr das Gemenge an unterschiedlichen Notes-Blogs weltweit, auf die ich anno 2002 nach und nach via Codestore-Sidebar (Blogroll…) gestoßen war.

Kaum hatte ich mein Blog gestartet, fingen schon die ersten Notes-Blogger auch bei mir zu kommentieren an. Wow… Amis, Argentinier, Spanier, Engländer, IBM Leute sogar, etcpp… Ihr könnt Euch kaum meine Faszination vorstellen. Da unterhält man sich urplötzlich mit der halben Welt zu einem Thema. Lauter Experten, die Ahnung haben und nicht mehr das „olle Geschwätz“ auf den Notes-Foren (was nicht heißen soll, dass sich auf Foren keine Experten tummeln, ganz und gar nicht, aber die Mehrheit der Forenuser waren halt in diesem Bereich meistens noch Notes-Newbies und irgendwann leiert es eben aus, als Helfer Anfängerfragen zu beantworten).

Was aber noch viel faszinierender ist: die Notes Blogger waren und sind eine echte Familie. Es war nicht nur das Aha-Erlebnis, sich mittles Blog mit Experten über zig tausende von Kilometer verteilt auf eine sehr persönliche Art und Weise auszutauschen. Zu diesem Feeling kam das Gefühl hinzu, dass keiner von denen eine Ego-Sau war, die ihr Wissen hortet und nicht teilen will. Ganz im Gegenteil, man war oW bereit, sein best practice Expertenwissen aus der täglichen Arbeit zu sharen (unschätzbar!!). Was aber noch viel wichtiger war: der tägliche Blog-Kontakt verstärkte das Gefühl, eine Gemeinschaft zu sein. Das dann mit der Zeit in virtuelle Freundschaften überging. Bis hin zu manchmal sehr traurigen Dingen des Zusammenseins: so zB bloggte ein Vater über den Tod seines krebskranken Kindes und nahezu jeder Notes-Blogger nahm daran mitfühlend teil und half der Familie zum Teil mit, den Schmerz zu teilen. Das kann man kaum nachvollziehen, wenn man es nicht selbst erlebt hatte und kein Teil dieser kleinen „Blog-Gemeinde“ war. Aber an sich verständlich, denn via Blogs verfolgst Du den Werdegang eines Menschen und es ist eben nicht nur das Fachsimpeln. Du nimmst an deren Reisen teil, deren beruflichen Erlebnissen, familiären Schicksalen, politischen Ereignissen im jeweiligen Land des Notes-Bloggers etc. Auf einem Forum bekommst Du das nicht so intensiv mit, weil das Forum Deine Person nicht so sehr widerspiegelt wie es eben ein Blog zu tun vermag. Die Mischung aus Artikeln, Layout und Personenfokus (ein Blog = eine Person) machts.

Natürlich streckt man seinen Zeh immer tiefer ins Blog-Wasser und geht themenfremd. Ich stieß dann so zB eines Tages auf das Blog von Ray Ozzie, unserem Notes-Übervater (der Erfinder des Systems). Das ist ungefähr so, als würde ein Komponist auf das Blog von Mozart stoßen:) Mir lief Pierre Omidyar unter die Nase, der Erfinder von eBay. Ein Joi Ito himelf, der stets seiner Zeit weit voraus war und ist. Und und und. Lauter spannende Blogs, die Dich thematisch gesehen ein Stück weit als Person weiterbringen und beeinflussen. Again: und wenn Du Fragen, Bemerkungen what ever hast, Du musst nur Deinen Browser zum Blog lenken und mit dem Autor anfangen zu reden. Brbrbrbrbrr… das ließ mich nicht mehr los. Und zugleich biste selber erstaunt, dass Dein Geschreibsel überhaupt jemand in diesem unglaublich großen Netz wahrnimmt. Du lernst mittells dieser persönlichen Interaktion unendlich viel, über Fachthemen, Personen und Gegenbenheiten. So freue ich mich noch heute wie ein Schneekönig über spannende Artikel, Kommentare, neue Bekanntschaften etcpp. Seitdem bin ich addicted to blog:))

Tja, wie gings dann weiter? Nachdem ich mich 2002 selbständig gemacht hatte, bin ich 2003 zu den Wirtschaftsjunioren gestoßen und dort auf ein Projekt namens MEX (Marktplatz für Existenzgründer). Die Website bestand aus einem Sammelsurium aus News, Terminen und Expertenartikel zum Thema Gründen. Problem: es las kaum jemand. Ob ein Blog helfen könnte, die Seite besser bekannt zu machen? Gesagt, getan, wenn auch keiner der MEX-Mitmacher verstand, was ein Blog ist. Und da die Pflege von zwei Blogs zu viel war, gab ich mein eigenes Blog kurzerhand auf (Mitte 2003). Das MEX Blog entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem Knaller. Der Blog-Traffic überstieg bereits im zweiten Monat um ein Mehrfaches die MEX Hauptseiten, die ja immerhin schon seit 99 im Netz standen. Und komischerweise stießen immer mehr Blogger hinzu. Ich dachte an sich, so ein furztrockenes Thema würde Normalo-Blogger nicht jucken. Ganz im Gegenteil, bereits Ende 2003 gehörte das MEX Blog zu einem der bekannteren Blogs, was sich 2004 und bis zum Schluss, Mitte 2005, brachial fortsetzte. Das Verrückte: immer mehr Unternehmen und Konferenzveranstalter fragten nach, was es denn mit diesem MEX Blog und dem Bloggen per se auf sich habe. Lol… ich Notes-Spinner sollte Webgurus und waschechten Unternehmern erklären, wie das mit dem Web und Bloggen geht? Wo war das Problem? Blog installieren und losschwätzen. Das sollte etwa ein Geheimnis sein, das viele nicht verstanden? Äh? Nun ja, mit der Zeit kapiert man selbst, warum es für Außenstehende schwer zu vermitteln ist, wenn man doch selbst aus einer sehr tiefen und an persönlichen Erfahrungen reichhaltigen Blog-Ecke kommt? Man erinnert sich dann vage an seine ersten Schritte und versteht so peu á peu, ohne Belustigung in die fragenden Augen zu blicken und mit Verständnis zu reagieren.

Mitte 2005, nachdem sich das MEX Projekt langsam dem Ende neigte, packte ich mein altes Basic-Thinking Blog wieder aus. Das ich völlig neu aufsetzte und mich dabei fragte, wie zur Hölle nun angesichts abertausender von mittlerweile existenter Blogs mein eigenes Blog überhaupt noch ein Plätzchen finden könnte? Das alte Blog war gone, die Leser waren alle auf das MEX Blog fixiert, ich war nicht MEX, sondern lediglich ein Teil davon, meine Identität verbarg sich hinter und nicht vor MEX, und nun ein Neustart? Ohweiah! Aber als Selbständiger biste ein unverbesserlicher Optimist und wischt die Bedenken zur Seite. Tatsächlich fanden sich dann Leser ein, die sich für mein persönliches Geschwurbel interessierten und eben nicht nur auf Gründungs- oder Notesthemen fixiert sind. Ich empfinde es auch heute noch als Kuriosum, dass man bspw in irgendwelchen Umfragen bei Marketiers auf deren Leselisten als eines der beliebtesten Blogs auftaucht, obwohl ich nicht mal ansatzweise ein Marketier bin, völlig ahnungslos von dieser Materie. Ich habe kein Unternehmen wie MySpace gegründet und damit auch nicht die Eintrittskarte „should be important to say something about the web“ besitze. Und obwohl ich mehr ein Instinkt-Blogger bin, der darauf nix gibt, ob nun Google einen liebt, die Leser einen toll finden, Unternehmen einen dafür hassen, weil man ihnen ans Bein pinkelt, wenn man ihre Blogvorhaben kritisiert, der einfach ohne Plan und Strategie über alles Mögliche schreibt, es klappt:) Journalisten fragen Dich irgendwas, Unternehmen, Blogger bitten Dich um Mithilfe oder zitieren/verlinken Dich gar (was ich immer noch als Ehre empfinde, ohne pathetisch sein zu wollen, es ist nur so, dass ich lieber bescheiden statt als ein Großkotz leben möchte). Hey, ich bin weder Einstein noch bewege ich was auf dieser Welt. Leider bin ich nicht Douglas Adams, der Kuriositäten so wunderbar in Worte einpacken kann, um dieses Erstaunen auch nur annähernd zu beschreiben.

Man hört aber irgendwann auf, sich zu fragen, warum andere so blöd sein können, die disruptive Brachialgewalt der Blog-Bewegung nicht zu verstehen. Heute sehe ich es anders: wer sich nicht mit Bloggen persönlich auseinandersetzt, dem kannste das nur unglaublich schwer vermitteln. Und es ist auch nicht jedermann/frau dafür geschaffen, sich in einen Düsenjet (=Blog) zu setzen, den Nachbrenner einzuschalten, dann mit Überschall durchs Netz zu jagen und dabei perverserweise Spaß zu empfinden. Dem einen wirds vor lauter Speed und Beschleunigungskräften übel, manche besitzen nicht die Fähigkeiten Highspeed Transportmittel zu bedienen, andere wiederum setzen sich lieber erst gar nicht in den Blog-Überschalljäger, wiederum andere dimmen künstlich die Horsepower auf das Niveau eines Fahrrads herunter und wundern sich dann, dass das Bloggen nix bringt. C’est la blog-vie:) Und addicted heißt aber nicht, dass man den Blog-Afterburner nicht abstellen, den Jet nicht landen und parken kann. Ich genieße ebenso mit Inbrunst meine Kizz, TV, Musik, Radio, die BILD, Parties, Konferenzen, das Dasein, Schlafen, Essen, Telefonieren, Lachen usw usf. Auch ein bescheuerter Blog-Pilot wie einer meiner ist nur ein normaler Mensch mit einem lediglich verrückten Hobby, dem Blog-Überschallflug eben:)))


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

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