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Firmen-Blogs: Hilfe, offene Kommentarfunktion II.

in dem vorigen Beitrag bin ich auf die Frage eingegangen, ob man denn überhaupt eine offene Kommentarfunktion in einem Firmen-Blog haben sollte. Einfache, simple Antwort war „ja, logisch“. Schulterzuck.

Na ja, so ganz einfach ist das doch nicht. Ich sprach von dem Ladenbesitzer, der sich eigentlich keinen Kopp drum macht, ob Kunden reinkommen könnten, die mit ihm dann sprechen. Im Gegenteil, er will das ja, deswegen macht er seinen Laden doch auf.

Was ich dabei unterschlagen habe: der Unterschied zu einem RL-Laden ist, dass Du mit einem VL-Laden (=offene Kommentarfunktion) einen kleinen, feinen Zusatz hast. Vor Deinem Ladengeschäft hängen rieisige Lautsprecher dran, die jedes Kundengespräch im 5000-Einwohner Kaff übertragen. Das kann dann recht peinlich werden, wenn Du einen Kunden hast, dem Du verschwiegen hattest, dass Festnetzgespräche „nur“ 65 Cent kosten, Du aber nur auf die ach so günstigen Mobilfunk-zu-Mobilfunk Kosten eingegangen bist. Der Kunde beschimpt Dich richtig lautstark, was dass denn solle, diese Augenwischerei. Er würde Dich im Bekanntenkreis nicht mehr empfehlen. Du bist das Letzte! Und das bekommt im Gegensatz zu einem RL-Laden das ganze Kaff mit. Tja, oweiah, Pech:) So Lautsprecher sind nicht was Feines uU.

Also doch lieber keine offene Kommentarfunktion? Damit nicht jeder Hintz und Kuntz Deine Sünden mitbekommt? Sehen wirs doch mal katholisch: Beichten befreit:) Du hast nun im Gegensatz zu einem RL-Laden und einem Kunden, der überall im Dorf herumläuft, wie doof Du bist, die einmalige Chance via Lautsprecher zu zeigen, dass Du gelernt hast, Dich zu verbessern. Alle können in den folgenden Kundengesprächen mitbekommen, dass Du in Zukunft auch auf die Festnetzkosten hinweist.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

5 Kommentare

  • Wenn ich einen Blog betreibe, dann sollte die Kommentar Funktion, unabhängig ob es ein Corporate Blog, Podblog, Fun Blog etc., für die Besucher verfügbar sein.

    Es entspricht doch dem Prinzip des bloggens, das über die Kommentar Funktion eine Meinung zum gebloggten geschrieben werden kann.

    Die von Dir beschriebene Problematik ist korrekt und auch richtig, das man hier nicht „kopplos“ was offen lassen sollte in seinem Blog. Dafür gibt es aber die Einstellungsfunktion seiner Weblog Software, welche man dementsprechend einstellt. Wenn ich also weiss, das ich nicht jede Gemütslaune eines Lesers, in Form von unangebrachter Kritik bei mir im Blog lesen mag, das man hier die redaktionelle überprüfen von Kommentaren einstellt.

    Ebenso ist es möglich, die Kommentarfunktion nur für registrierte Leser zu ermöglichen, was mich zwar nicht vor Negativpostings schützt, aber mir die Möglichkeit offen hält, mich bei versuchter Rufschädigung durch falsche Informationen, dementsprechend zu wehr zu setzen.

  • Das ist ein doofes Beispiel. Wenn ein Unternehmen so agiert, kommt es so oder so irgendwann raus. Aus diesem Grund liebe ich dieses Zeitalter, weil man so leicht und umfassend an Informationen rankommt.
    Oder gibt es Läden, die jeden Kunden eine Geheimhaltungsverpflichtung unterscheiben lassen, bevor man ein Gespräch beginnt?

    Siehe auch meinen Kommentar im vorhergehenden Eintrag: https://www.basicthinking.de/blog/2007/02/20/firmen-blogs-hilfe-offene-kommentarfunktion/#comment-295819

  • auch das Unternehmen, das alles perfekt macht, und keinerlei kleingedrucktes in seinen angeboten verstecken muss, wird es früher oder später schaffen, irgendein „talent“ als kunde zu bekommen, das aus irgendeinem grund auch mit dem simpelsten produkt nicht umgehen kann – und die eigene unzulänglichkeit dann in größtmöglicher lautstärke der allgemeinheit kundtun muss. soetwas kann man sich nur wirklich vorstellen, wenn man mal an hotlines gesessen hat, oder (wie ich) in „schwierigen fällen“ von hotline-mitarbeitern hinzugezogen wird. ob man solchen kandidaten wirklich eine bühne bereitstellen will, sollte man sich – auch als „guter“ – wirklich überlegen.

  • Andererseits haben solche „Kunden“ meist das Talent sich selbst lächerlich zu machen.

    Wenn man es dann schafft sachlich auf das Problem einzugehen und die Fakten zu schildern, die man öffentlich schildern kann reicht das bei den meisten vernunftbegabten Menschen aus, um den wahren Sachverhalt zu verstehen.

  • Von welcher Unternehmensgröße wird hier eigentlich ausgegangen? Bei großen, weltweit agierenden Unternehmen hört man zu gerne aus der obersten Etage „no user gen“ oder „no communities“. Da hat dann eine Kommunikationsabteilung keine Chance, auch nur ein Blog zu betreiben, egal ob als lokales Corporate Blog oder als thematisches Blog oder wie auch immer.
    Neben den möglichen Beschwerden von Kunden könnten ja auch Comments von der Konkurrenz auftauchen oder rechtsradikales oder rassistisches Geschwätz. Auch wenn das thematisch da gar nicht reinpassen würde, die Angst davor ist da und deshalb geht man lieber kein Risiko ein.
    Ich glaube, kleine und mittelständische Unternehmen können damit leichter umgehen, die bieten auch nicht so viel Angriffsfläche wie die Global Player und haben eine überschaubarere Kundschaft, auf die man mit einem gewissen Aufwand auch angemessen eingehen kann.
    Wird eine moderierte Kommentarfunktion oder Kommentare nur für registrierte User gewählt, steht man vor dem nächsten Problem: Die Blogger werden wie die Heuschrecken drüber herfallen, weil es ja nicht mehr dem Urgedanken des Bloggens entspricht (bzw. irgend einen anderen „Fehler“ werden sie finden, um sich drüber auszulassen). Die Angst vor den Bloggern hemmt nochmal zusätzlich.

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