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SMS als Lackmus-Test für Web-Pioniere?

man kann wunderbar an Twitter erkenne, dass die wenigsten Menschen (ich würde sagen 99.99%) in der Lage sind, zu abstrahieren und geschäftliche Einsatzgebiete zu erkennen, die man angehen kann. So könnte man sich zB fragen „kann ich als angehender Gründer verstehen, warum die User SMS wie bescheuert nutzen oder will ich das einfach nicht verstehen, weil totaler Schrott“. Die größte Gefahr dabei ist, dass man seine eigenen Vorstellungen einbringt und sich sperrt. Und damit Gelegenheiten verpasst. Es ist kein Zufall, dass zB Ibo/Sevenload die Gelegenheit genutzt hat, es ist kein Zufall, dass die Samwers so immens erfolgreich sind. Solche Gewächse sind selten. Sie eint die Fähigkeit, Trends zu erkennen, mit den lokalen Marktgegebenheiten abzugleichen und vaD etwas, das man Bill Gates nachsagt. Die Fähigkeit, Dinge losgelöst von seiner eigenen Person aus allen Perspektiven wertneutral zu betrachten. Ich sag dazu immer denken out of his box:) Unser natürliches Beharrungsvermögen und der antrainierte Wille, angepasst zu denken, sind dabei die größten Killer, Dinge weiter zu spinnen. Das führt dann dazu, dass in jahrelangen Abständen, Web-Innovationen herauskommen. Digg.com ist ein Idealbeispiel. Eine eigentlich sehr simple Anwendung. Gedanklich nimmt man Slashdot, löst sich vom beschränkten, redaktionellen Qualitäsdenken im Newsbereich, implementiert einen supersimplen Votingansatz zwecks Newsfiltering und verzichtet komplett auf den redaktionellen Workflow. Ergebnis: Unleash the news-power:) Für die meisten Menschen ist das ein gedanklicher Quantensprung, auf dem man nie und nimmer kommen würde, wenn man Dinge als gegeben betrachtet und mit den eigenen Vorstellungen wertet. Obwohl die Digg-Mixtur im nachhinein so dermaßen simpel und banal erscheint, dass man sich fragt, warum man selbst nie draufgekommen ist.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

7 Kommentare

  • Da kann ich Dir uneingeschränkt beipflichten.

    Nicht überall, wo Konzepter draufsteht ist auch Konzepter drin. Ich denke nur an all die Internetagenturen, die Strategieentwicklung als ihre Stärke herausstreichen…

  • SMS ist ein schönen Beispiel, weil niemand den Erfolg von SMS vorhergesehen hat, und dieses eher unwichtige Nebenprodukt des mobilen Telefonierens völlig überraschend so erfolgreich wurde.

    Jedoch: Kindern und Jugendlichen über den Taschengeldparagraphen mit überteuerten Produkten das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist nicht jedermanns Ding. Sind solche Leute die „richtigen“ Vorbilder?

    Oder: Wer meint, die Privatsphäre sei ein schützenswertes Gut, kann nicht gleichzeitig guten Gewissens Kinder- und Jugendliche dazu verleiten, sich selbst öffentlich zu entblössen (entblöden…) und verheizen zu lassen, was ihnen irgendwann später vermutlich sehr leid tun wird.

    Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie dehnbar die eigenen Wert- und Moralvorstellungen sind. Doch habe ich festgestellt, wenn Menschen von „wertneutraler“ Betrachtung von Geschäftsideen sprechen, erfolgt das gerne deswegen, weil die Moral- und Wertvorstellungen sonst nicht mehr weiter „gedehnt“ werden konnten, und daher jene ausgeklammert werden sollten.

    Es gibt Gelegenheiten, die verpasse ich gerne. Geld ist nicht alles.

  • das mag ja alles sein, nur bentötigt man das alles nicht, solange man sich in der Ideenfindungsphase befindet. Ob man das nachher wie auch immer realisiert und mit seinen eigenen Moralvorstellungen anfäbt, bleibt jedem selbst überlassen. Das war auch nicht die Frage hier, was nachher, sondern was vorher ist und wie man zum nachher überhaupt kommt.

  • Hmmm… no offense … aber die Formulierung „mit seinen eigenen Moralvorstellungen anfärbt“ klingt ein wenig nach schönreden um das Gewissen zu beruhigen.

    Warum sollte man Zeit und Energie mit Geschäftsideen verplempern, die weit jenseits der eigenen Moralvorstellungen liegen? Besser man fokussiert seine Kreativität in eine Richtung, in der man hinterher auch freudig tätig werden will.

  • wie Du letztlich das Pferd aufzäumst, ist imho entscheidend. Üblicherweise ist es ja so, dass die meistens Businessideen überhaupt nix Schlimmes beinhalten. Daher frage ich mich, warum man sich damit gleich zu Beginn blockieren muss? Es ist doch selbstverständlich, dass man normalerweise nicht darüber nachdenkt, wie man Heroin besser stretchen, besser Bomben bauen könnte etcpp.. manche tun das leider, aber das sind Assoziale, die thematisch auf meinem Blog keinen Platz finden. Die allereisten Web-Anwendungen sind imho hinsichtlich Moral ziemlich unbedenklich. Warum also so sehr der Fokus auf Moral?

  • Robert, ich glaube, dass multikulturelle, mehrsprachige, crossborder Menschen von Haus aus tendenziell eher dazu in der Lage sind, da sie es gewohnt sind, Dinge und Sachverhalte aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen und zu durchdenken.

    Ich glaube aber ferner AUCH daran, dass „out-of-the-box-Denken“ jedem offen steht, der sich einmal aus der Schachtel herausgewagt hat. Wie und warum auch immer. Denn ein zurück in die Kiste gibt es dann nicht mehr.

  • @Robert
    >Das führt dann dazu, dass in jahrelangen Abständen, Web-Innovationen herauskommen.

    Du verwechselst Innovation mit Geschäftserfolg. Jamba war so innovativ wie ein drittes Reserverad. Allerdings ein kaufmännischer Erfolg…;-)
    Die Anzahl nützlicher Innovationen ist immens hoch; es wird nur nicht öffentlich drüber diskutiert. Beispiel: Stimmerkennung und AIML (Artificial Intelligence Markup Language) – da wird auch viel Geld verdient, mehr als 99 Prozent der Diggs und Facebooks jemals sehen werden. Die Themen an sich werden halt nicht öffentlich breitgetreten – warum auch?

    Man braucht nicht unbedingt eine Innovation, um geschäftlich erfolgreich zu sein, wiederum ist eine echte Innovation noch lange keine Garantie für geschäftlichen Erfolg.
    SMS zeigt deutlich, dass geschäftlicher Erfolg
    a. nicht an der Schöpfungshöhe gemessen wird (SMS ist ja ein „Abfallprodukt“
    b. nicht planbar ist – niemand hat JEMALS zu Anfang damit gerechnet, dass SMS im Jahre 2006 beispielsweise 70 Milliarden USD in die Kassen der Mobilfunkanbieter spülen wird

    Gegenbeispiel: UMTS-Hype. Da wird es trotzt Studien, übertriebene Planspiele, exzessives Marketing, usw., noch Jahrzehnte dauern, bis auch nur die Verzinsung der getätigten Investitionen (Lizenzen + Infrastruktur) wieder in Sicht ist.

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