Sonstiges

Clay Shirky's Internet Writings und Blog-Trends

bin gerade am Durchwühlen der vielen interessanten Artikel von Prof. Clay Shirky.

Zwei Artikel zB:
Power Laws, Weblogs, and Inequality
darin beschreibt er recht eingängig das Phänomen der Ungleichverteilung von Links innerhalb der Blogosphäre. Wenige viel, viele wenig Links.
In systems where many people are free to choose between many options, a small subset of the whole will get a disproportionate amount of traffic (or attention, or income), even if no members of the system actively work towards such an outcome. This has nothing to do with moral weakness, selling out, or any other psychological explanation. The very act of choosing, spread widely enough and freely enough, creates a power law distribution.

Und kommt zum Schluss, dass es grob gesehen drei Typen von Blogs gibt:
1. Blogs, die sich in Mainstream Media-Angebote transformieren werden
2. Blog, die er als Blogging Classics bezeichnet (blogs published by one or a few people, for a moderately-sized audience, with whom the authors have a relatively engaged relationship)
3. blogs-as-dinner-conversation, die untereinander einen sehr engen, intensiven Kreis bilden

Der Grund ist recht simpel und man hat davon schon häufig gelesen: Wenn neue Blogger die Blogosphäre betreten, so werden sie durch ihre Vorgänger und deren Linkauswahl beeinflusst. Sie orientieren sich an diesen Emfpehlungen und damit macht man gut verlinkte Blogs immer stärker (iSv Google, Awareness und Popularität), während man zugleich Newcomern den Weg zu einem prominenteren Blogstatus immer schwerer macht. Was aber nicht heißt, dass so ein Link-Ecosystem auf ewig festbetoniert ist. Zwischen 2004-2005 gab es in der deutschen Blogosphäre einen Umbruch. Bis dato stark verlinkte Blogs (ITW, Schockwellenreiter, Plasticthinking) mussten ihre Dominanz an neue Blogs wie Lawblog, Bildblog und Spreeblick abgeben. Ich gehe davon aus, dass wir so einen Umbruch erneut haben werden, sobald neue Schreibtalente mit spannenden Themen auftauchen werden. Sobald die deutschsprachige Blogosphäre den Tipping Point erreicht hat (hatte gestern meine These beschrieben, dass deutsche User imho u.a ein typisches MeToo-Nutzervolk sind, was zu immens starken Nutzungsraten von Tools wie Google geführt hat). Es ist schwer, einen Zeitraum anzugeben. Was soll ich also raten? So schätze ich, dass auch mein Blog eines Tages ein Classical Blog sein wird.

Am Rande: momentan gibt es noch eine starke Diskrepanz zwischen Links und Traffic. So müssen gut verlinkte Blogs nicht unbedingt hohe Trafficniveaus aufweisen. Umgekehrt genauso (PSP News Blog, Gärtnerblog, DSDS, etcpp). Das lässt sich einfach erklären: Google ist jetzt der Faktor No.1. Nicht die Blogosphäre per se alleine. Das wird sich eines Tages aber angleichen, dass gut verlinkte Blogs sehr hohe Trafficzahlen aufweisen, wenn die Trafficpower der Blogs insgesamt die Suchpower von Google übersteigt. Siehe USA (+Yahoo als weitere, etablierte Suchmaschine btw) oder Frankreich. Wegen Bildblog: dieses Blogs ist am stärksten verlinkt, hat auch den höchsten Traffic von allen Blogs mW. Betrachtet man via Blogscout die Google-Trafficanteile, sieht man, dass Google keine Rolle spielt. Wie kommt dieses hohe Trafficniveau zustande? Ganz easy, es sind nicht die vielen Bloglinks, die Medien haben dieses Blog groß gemacht. Auch ein Spreeblick (das ebenfalls von Google äußerst schwach profitiert) wurde zwar sehr häufig in den Medien genannt, doch fängt es den Interessenten meines Erachtens bei Weitem nicht so stark wie das Bildblog. Es liegt schlichtweg an der Themenwahl. Bildblog sattelt auf der Zeitung No.1 auf, Spreeblick ist alles und nix. Das fängt die Interessenten dadurch weniger ein. Sonst wäre Spreeblick schon längst vom Traffic her Bildblog um Meilen enteilt. Fassen wir zusammen: entweder profitiert man von Google, von Blogs oder von den Medien (Social Media Sites wie Digg.com sind in D außen vor. Es gibt da eine Ausnahme: Das Jobblog hat dank Digg und dann anderen US-Sites einen kurzen Trafficspurt hingelegt. Das ist der Klo-Artikel, der das ausgelöst hat und das die Erklärung. Also von wegen, dass deutsche Blog niemals nie von Social Media Sites in den USA was abbekommen können)

Weblogs and the Mass Amateurization of Publishing
Darin beschreibt er den kulturellen Effekt, dass durch die massive Nutzung von Weblogs das Schreiben als ökonomischer Wert einem dramatischen Verfall unterliegen wird. Schreiben als Commodity sozusagen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Riege der bezahlten Schreiber (Journalisten, Buchautoren etcpp). Weiterhin setzt er das in Bezug auf die Monetarisierung von Weblogs.

This destruction of value is what makes weblogs so important. We want a world where global publishing is effortless. We want a world where you don’t have to ask for help or permission to write out loud. However, when we get that world we face the paradox of oxygen and gold. Oxygen is more vital to human life than gold, but because air is abundant, oxygen is free. Weblogs make writing as abundant as air, with the same effect on price. Prior to the web, people paid for most of the words they read. Now, for a large and growing number of us, most of the words we read cost us nothing. Webloggers waiting for micropayments and other forms of direct user fees have failed to understand the enormity of these changes. Weblogs aren’t a form of micropublishing that now needs micropayments. By removing both costs and the barriers, weblogs have drained publishing of its financial value, making a coin of the realm unnecessary.
Ergänzung wegen dem Eintrag auf Fotografr.de: Der Wert des Schreibens wird, wie auch Clay betont, nach wie vor eng gekoppelt an den haptischen Wert (nicht nur, aber auch), wenn ich was aus Totem Holz in der Hand halte. Meine persönliche Annahme ist: wenn wir eines Tages digitale Screens in der Hand halten, die in Schärfe, Qualität, Mobilität, Lichtstärke und Gewicht den Büchern, Zeitungen und Magazinen in nichts mehr nachstehen, wird tatsächlich eine neue Zeit für die printproduzierenden Verlage anbrechen.

Entdeckt via Gapingvoid, der anlässlich einer Einladung von Edelman einen interessanten Artikel über Weblogs und Kommunikation verfasst hat.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

2 Kommentare

  • […] Diesen Beitrag von Robert Basic (Basic Thinking) finde ich so interessant, dass ich ihn hier verlinke, auch wenn er nur mittelbar mit diesem Blog zu tun hat. Robert schreibt und zitiert zum Thema Preisverfall für Text. Gleiches gilt mit Sicherheit auch für Bilder. Allerdings finde ich, der Beitrag kann nicht ohne die Ergänzung stehen bleiben: Nischen für Profis wird es auch in Zukunft geben. Nur anders als heute. […]

  • Die Power-Law-These für soziale Netzwerke ist ziemlich alt und beruht auf einem Netzwerk-Modell, das „Kleine Welt“ genannt wird. Für menschliche Beziehungsketten gab es schon vor vierzig Jahren Untersuchungen, die zur „six degrees of separation“-These geführt haben und recht bekannt geworden ist. Für Blogs gibt es meines Wissens noch keine größere, systematische Untersuchung.

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