US Blog-Aufruhr III., Werte und Reputation

Robert Basic

Stephanie Boost beschäftigt sich kritisch mit den -böses Wort- Reaktionen des Blogmobs anlässlich der Story mit Kathy Sierra: Disturbed about reactions to Kathy Sierras post

Das Posting zeigt auch ziemlich klar auf, dass man quasi über Nacht seine gesammte Netzreputation verlieren kann, wenn ein anderer Blogger mal nen schlechten Tag hat oder seine Realität anders wertet, als es sich objektiv darstellt (was auch auf Kathy bezogen ist, da wir einfach nicht wissen, was Sache ist) oder was auch immer für ein Problem aufkommt, das zu einem Brouhaha führt. Was tun dagegen? Nix, wenn man selbst betroffen ist, Tee trinken, abwarten wie es sich entwickelt und sein Ding weiter durchziehen. Man muss sich nicht als Person ändern, wenn man jemanden auf die Füße tritt. Und dass man reflektiert, davon gehe ich sowieso aus, man lernt. Auf beiden Seiten.

Man wird stets mit seinen eigenen Wertevorstellungen früher oder später mit anderen kollidieren, die eine andere Wertewelt haben. Gerade in den öffentlich sichtbaren Blogs, wenn man den Bereich der fachlichen Bloggerei verlässt. Beispiel: meine Grundeinstellung gegenüber Wirtschaft und damit auch der Werbung als ein wichtiger Teil unseres Lebens, der uns ernährt, ist grundsätzlich positiv. Auf meiner Prioskala rangieren dabei u.a. Startups weit oben, aber auch Grundüberlegungen, was man mit seinem Blog anstellen kann, um Ziele zu erreichen, die natürlich dem geschäftlichen Zweck unterliegen. Dabei suche ich persönlich die Nähe zu den wirtschaftlichen Machern. Ebenso gehe ich auf ein Thema, das mich interessiert, x-fach drauf ein, selbst wenn es zahlreiche Leser nervt. Diese Vermengung und die Art der Beschäftigung mit diesem Gesamtkomplex Wirtschaft, Werbung, Startup und iwS Wirtschaftspersonen führt immer wieder zu teils auch rigoroser Ablehnung. Wie oben bereits gesagt, muss man sich von vornherein darüber im Klaren sein, dass die eigenen Werte nicht kompatibel mit denen von vielen anderen Menschen sind. Was bringt es Dir, wenn Du durch Angepasstheit und Leserorientierung den zehnfachen Traffic hast? Ein SEOler würde sagen Traffic:) Traffic ist nichts, nullkommanix wert. Wichtig ist nur, dass man sich austauschen kann und wenn es nur 10 Personen sind.

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Dass man aneckt, ist für mich persönlich kein Problem, da ich keinen Grund sehe, meine Wertvorstellungen zu korrigieren oder mich gar konform zu verhalten. Du kannst und darfst nicht everybodies Darling sein, sonst wirst Du zu einem Politiker mit hohem Reinwasch-Faktor.So zB hat für mich Steve Rubel von Micro Persuasion in dem Moment seine gesamte Reputation verloren, als er das, was er gepredigt hat (Transparenz, etcpp) ins Gegenteil verkehrt, nachdem die ganzen Stories von Edelman rauskamen. Er hat seine Wert verraten. Gegenüber einer falsch verstandenen Loyalität zu seinem Brötchengeber. Ich habe im Gegensatz zu Steve keinen Brötchengeber. Aber, es gibt potenzielle Kunden, denen ich auf dem Blog ans Bein pinkel, wohlwissend, dass die sich bei mir nie melden werden.

So what? Ich will nicht angepasst mein kurzes Leben vergeuden für Dritte (Unternehmen und Personen), die denken, dass man anders ticken oder leben muss. Ich will nicht gefallen, ich will ich sein. All das sollte man sich bewußt machen, für was man steht, wenn das Blog langsam populärer wird. Man erzeugt Polaritäten, ob man will oder nicht, wenn man für seine Werte einsteht.

Update: zwei Mann, ein Gedanke:)) Siehe dealicious „Blogger, Web 2.0 und Privatsphäre

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Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.